Ludwigsburg | 24. Februar 2017

Gefühl für den Moment ist wichtig

„Ich habe Lee White, der zum Duo The Crumbs gehört und auch als Impro-Lehrer arbeitet, in einer Vorstellung selbst erlebt und einfach wegen eines Workshops angeschrieben. Er hat gleich zugesagt“, freut sich Zorn über den prominenten Gast. Der dreistündige Workshop, der vom Freundeskreis der Oscar-Paret-Schule (OPS) finanziert wird, begeisterte auch die zwölf Schüler.

Lee White bildet eigentlich Künstler aus, arbeitet aber auch gerne mit Schülern zusammen.
Lee White bildet eigentlich Künstler aus, arbeitet aber auch gerne mit Schülern zusammen.
Foto: Holm Wolschendorf

Egal, ob sie bereits zur Impro-AG gehören oder nur am Workshop teilgenommen haben, alle haben viel gelernt. Klassische Aufwärmübungen sorgten für Spaß, forderten aber auch höchste Konzentration. So ordnete Lee White, der den Unterricht auf Englisch abhielt, den Zahlen von eins bis zehn bestimmte Handlungen wie klatschen, Plätze tauschen oder den Boden berühren zu. Wenn White die Zahlen dann wild durcheinander nannte, mussten die Schüler ganz bei der Sache sein, um die richtige Handlung auszuführen.

Besonders profitierten die Neunt- bis Zwölftklässler an der Charakterbildung. Zunächst sollten die Schüler reihum eine bestimmte stereotype Filmfigur darstellen wie die überforderte Mutter, das beliebteste Mädchen der Schule, den gewalttätigen Mafiaboss oder den liebenswürdigen Großvater. Anschließend stellten jeweils zwei Schüler gemeinsam eine kleine Szene mit bestimmten Charakteren da. Paul und Sophie mimten ein Geschwisterpaar. Sie ist organisiert, emanzipiert und politisch interessiert, er ist ein witziger Chaot. Nach dem ersten Durchlauf ermunterte Lee White die beiden, weniger zu sprechen, stattdessen verstärkt auf Körpersprache zu setzen. Er forderte die Schüler auf, mit Mimik und Gestik ihre Gefühle zu vermitteln. Dafür müsse man verinnerlichen, welchen Charakter man darstelle. „Stay in your character“, forderte White. Wenn Paul die lustigste Person der Welt sei, müsse er es auch zeigen. Und Sophie solle die Wut, die ihr Bühnen-Bruder bei ihr auslöst, auch ohne viele Worte rüberbringen. Eine der bezeichnenden Eigenschaften der Improvisation sei es, mit Vertrauen und Gefühl für den Moment den Bühnenpartner gut aussehen zu lassen. Dann sei man zusammen großartig.

Anschließend hatten Ida und Gianna die Aufgabe, eine liebe, bedächtige und langsame Großmutter und ihre genervte und oberflächliche Enkelin in Szene zu setzen. Sie solle der schrecklichste Teenager der Welt sein, sagte White zu Gianna. Dazu passe nicht, dass sie ihrer Oma Hilfe anbiete. Ida kniff als tattrige Seniorin ihre muffelige Enkelin ständig in die Wange, was großen Wiedererkennungswert hatte und für viel Gelächter sorgte.

Das Wichtigste sei, dem Impro-Partner zuzuhören und ihm zu folgen, die Reaktion müsse stimmig sein, machte White deutlich. Beide Mädchen erzählten anschließend, dass sie den Workshop „megacool“ fanden.

Der Künstler, der seit 30 Jahren Improvisationstheater macht und seit 20 Jahren professionell als Impro-Lehrer tätig ist, bildet Künstler aus, arbeitet aber auch gern mit Schülern zusammen. Er unterstütze sie, dass sie an sich glauben, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Teenager bekämen im Alltag oft gesagt, dass sie nicht gut seien, sich mehr anstrengen und bessere Leistungen bringen müssten.

In Freiberg hatte Lee White übrigens Erfolg, die Schüler bestätigten, dass sie sich nach dem Workshop gut fühlten und zufrieden mit sich seien.

VON BEATE VOLMARI
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