23. September 2014

Hintergrund: Die Türkei und die Terrormiliz IS

Istanbul (dpa) - Der Westen würde die Türkei gerne eng in eine Koalition gegen die Dschihadisten vom Islamischen Staat (IS) einbinden, die Syrien und Irak mit ihrem Terror heimsuchen. Die Türkei sträubt sich dagegen. Kritiker wie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK werfen der Regierung sogar vor, die Terrormiliz zu unterstützen.

Die (von Ankara in der Regel dementierten) Vorwürfe an die Türkei:

- Wegschauen: Westliche Sicherheitsexperten sagen, dass die türkische Regierung die Terrormiliz lange gewähren ließ. Ankara war jede Gruppe recht, die zum Sturz des Assad-Regimes in Syrien beitragen könnte.

- Ausländische Dschihadisten: Sie konnten unbehindert über die Türkei nach Syrien reisen, um sich IS und anderen Gruppen anzuschließen. Nach eigenen Angaben hat die Türkei die Grenzüberwachung verschärft.

- Waffen: In der Vergangenheit gab es Berichte über Lastwagen voller Waffen aus der Türkei für Rebellengruppen in Syrien.

- Öl: IS soll sich die Kriegskasse mit Einnahmen aus Ölverkäufen unter anderem auf dem Schwarzmarkt in der Türkei füllen.

- Verwundete: Immer wieder gibt es Berichte, dass verwundete IS-Kämpfer in Krankenhäusern in der Türkei behandelt werden.

- Mangelnde Bündnistreue: Nach US-Medienberichten verweigert der Nato-Partner die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik nahe der syrischen Grenze für amerikanische Luftschläge gegen IS.

Ankaras Argumente gegen ein stärkeres Engagement:

- Geiseln: Die Terrormiliz hatte seit Erstürmung des türkischen Konsulats im nordirakischen Mossul 49 Geiseln als Druckmittel in ihrer Gewalt. Sie wurden allerdings am Samstag freigelassen - nach einem Bericht der Zeitung «Hürriyet» im Austausch gegen IS-Kämpfer.

- Türken im Irak: Regierungsnahe Medien führen ins Feld, dass im Irak Zehntausende weitere Türken arbeiten, die ebenfalls von IS verschleppt werden könnten.

- Anschläge: Befürchtet werden Anschläge in türkischen Städten, sollte die Regierung stärker gegen die Terrormiliz vorgehen.

- Soldaten in Syrien: Südlich der Grenze schützen einige türkische Soldaten in einer kleinen Exklave die Grabstätte des Großvaters des ersten osmanischen Sultans. Sie könnten von IS überrannt werden.

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