23. Juni 2014

Hintergrund: Konflikt wird für Nachbarländer zur Belastungsprobe

Bagdad (dpa) - Der Irakkonflikt und der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien schwächt die Zentralregierung von Tag zu Tag mehr. Beobachter befürchten eine Spaltung des Landes - mit verheerenden Auswirkungen auf die Region. Die Nachbarländer rüsten sich.

TÜRKEI: Das Nato-Land Türkei blickt mit Sorge auf die Lage hinter der Grenze, wo Isis-Extremisten mindestens 80 türkische Staatsbürger in ihrer Gewalt haben. Ein unabhängiges Kurdistan im Irak nach einer Spaltung des Landes könnte auch Forderungen der kurdischen Minderheit in der Türkei wieder Vorschub leisten. Allerdings deuten Äußerungen aus dem türkischen Regierungsumfeld darauf hin, dass Ankara ein Selbstbestimmungsrecht der irakischen Kurden nicht mehr strikt ablehnt. Hintergrund dürfte sein, dass auch aus Sicht der Türkei ein stabiler kurdischer Puffer zwischen dem Land und den vorrückenden sunnitischen Extremisten hilfreich sein könnte.

IRAN: Die Regierung in Teheran hat mehrmals behauptet, dass sie die Sicherheit im Irak als die eigene ansieht. Das Land hat eine 1450 Kilometer lange Grenze zum Irak, die schwer zu schützen ist. Außerdem ist der Iran wegen seiner schiitischen Glaubensrichtung alles andere als beliebt bei sunnitischen Völkern - besonders bei sunnitischen Islamisten. Gleichzeitig sieht Teheran nach jahrelanger Isolation derzeit die große Chance, regionalpolitisch wieder mitzuspielen.

SYRIEN: Je mehr die Dschihadisten in den von Sunniten besiedelten Gebieten im Norden und Westen des Iraks ihre Machtpositionen ausbauen, umso schlagkräftiger werden sie auch in Syrien. Denn beim Vormarsch auf die Hauptstadt Bagdad fiel Isis-Kämpfern viel Kriegsgerät in die Hände. Über neu eroberte Grenzposten gelangen die Waffen auch schnell wieder nach Syrien. Präsident Baschar al-Assad hat damit einen immer besser ausgerüsteten Gegner. Isis ist auch ein Problem für die Opposition im Land. Denn die Dschihadisten dulden keine anderen Regimegegner oder kurdische Milizen in ihrem Machtbereich.

SAUDI-ARABIEN: Das ölreiche Königreich wehrt sich gegen Vorwürfe, zu den wichtigsten Unterstützern von Isis zu gehören. Das streng sunnitische Riad führt in Syrien einen Stellvertreterkrieg gegen den schiitischen Iran, indem es Rebellen im Kampf gegen Assad finanziert und bewaffnet. Das kam auch Isis zugute, die von da aus wieder den Vormarsch im Irak startete. Gleichzeitig will Riad die Dschihadisten nicht im eigenen Land haben. König Abdullah ordnete vor Monaten per Dekret an, dass Saudis, die sich an bewaffneten Konflikten im Ausland beteiligen, nach ihrer Rückkehr mit einer Gefängnisstrafe zwischen 3 und 20 Jahren rechnen müssen. Das Verhältnis zwischen Riad und der von Schiiten dominierten Regierung in Bagdad ist frostig. Saudi-Arabien wirft Ministerpräsident Nuri al-Maliki Sektierertum vor.

JORDANIEN: Das haschemitische Königreich ist akut von dem Vormarsch der Isis-Miliz bedroht - und ein Zerfall des Iraks würde die Lage weiter verschlechtern. Nach Berichten über die Übernahme eines wichtigen irakisch-jordanischen Grenzpostens durch die Dschihadisten zieht Amman seine Truppen an der 180 Kilometer langen Grenze zusammen. Jordanien steckt bereits in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Die Aufnahme von mehr als einer Million syrischen Flüchtlingen hat die Spannungen im Land noch verschärft.

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