23. Juni 2014

Hintergrund: Sunniten und Schiiten im Streit um den wahren Islam

Berlin (dpa) - Weltweit etwa 1,3 Milliarden Menschen bekennen sich zum Islam. Rund 90 Prozent von ihnen sind Sunniten. Die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten begann im siebten Jahrhundert mit einer Auseinandersetzung um die Nachfolge des Propheten Mohammed.

Brigade des Friedens
Mitglieder der neu gegründeten schiitischen "Brigade des Friedens" unterstützen die irakische Armee beim Kampf gegen die Islamistenmiliz. Foto: Ali Abbas
dpa

Der schiitische Islam akzeptiert nur einen direkten Nachkommen. Sie berufen sich auf Ali ibn Abi Talib, den Schwiegersohn Mohammeds und vierten Kalifen, als ersten legitimen Erben des Propheten. Die Sunniten wünschen sich als Nachfolger des Religionsstifters einen fähigen Heerführer aus Mohammeds Stamm, der durch einen Rat (Schura) bestätigt wird. Eine Erbfolge verlangen sie nicht.

Außer im Iran und in Bahrain stellen die Schiiten auch im Irak die Bevölkerungsmehrheit. Bis zu 20 Millionen der gut 32 Millionen Iraker sind schiitische Muslime. Ihr Kernland liegt um ihre heiligen Stätten Nadschaf und Kerbela südlich der Hauptstadt Bagdad. Die irakischen Sunniten leben vor allem in Bagdad sowie in den Provinzen westlich und nördlich der Hauptstadt.

Ex-Diktator Saddam Hussein, ein Sunnit, hatte die Schiiten diskriminiert. Nach seinem Sturz 2003 verloren die sunnitischen Stämme Macht und Einfluss. Nach dem US-Abzug Ende 2011 entbrannte der Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten aufs Neue. In den vergangenen Monaten eskalierte der Streit zwischen der von Schiiten dominierten Regierung unter Nuri al-Maliki mit sunnitischen Parteien. Sunnitische Terrorgruppen wie der Islamische Staat im Irak und in Syrien (Isis) kämpfen gegen Schiiten, die sie als «Abweichler» von der wahren Lehre des Islams ansehen.

Im Bürgerkrieg in Syrien, wo Sunniten zwei Drittel der Bevölkerung stellen, kämpft Isis gegen die Truppen des Machthabers Baschar al-Assad. Im benachbarten Libanon sorgte in den vergangenen Jahren ein Machtkampf zwischen pro-syrischen Schiiten-Parteien sowie westlich orientierten Bewegungen der Sunniten und maronitischen Christen für zunehmende Instabilität. Libanons Sunniten unterstützen mehrheitlich die syrische Opposition. Die Schiiten-Miliz Hisbollah hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet.

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