Ludwigsburg | 15. Mai 2018

Jugendmusiker überzeugen im „Exil“

Kreisjugendorchester lockt rund 1200 Besucher zur Musical-Gala nach Erdmannhausen

Das Kreisjugendorchester mit Kevin Tarte und Anna Hofbauer.Foto: Ramona Theiss
Das Kreisjugendorchester mit Kevin Tarte und Anna Hofbauer.Foto: Ramona Theiss

ERDMANNHAUSEN. Dass die jährliche Musical-Gala des Kreisjugendorchesters (KJO) in diesem Jahr nicht im Ludwigsburger Forum, sondern in der Erdmannhäuser Halle auf der Schray stattfand, hatte seinen Grund in Terminschwierigkeiten und Missverständnissen (wir berichteten). Der gewohnt guten Resonanz auf die beliebte Veranstaltung abträglich war die Wahl der Ausweichspielstätte jedoch nicht: Die 1200 Plätze der Mehrzweckhalle waren nahezu alle besetzt, als die 85 jungen Musikerinnen und Musiker des KJO auf die Bühne kamen.

Dass ihre Musical-Gala sich auch in Erdmannhausen, zumal am Abend des ESC-Entscheids, als Publikumsmagnet erweist, liegt einerseits am außergewöhnlichen Niveau des Ensembles – das KJO ist ein Auswahlblasorchester auf Landkreisebene und beherbergt als Höchststufenorchester ausschließlich herausragende Musiker zwischen 12 und 21 Jahren in seinen Reihen. Entsprechend viele Familien füllen den Saal.

Dazu kommt, dass mit Kevin Tarte ein Künstler beteiligt ist, der als Musicaldarsteller in der Region überaus bekannt ist. Zugunsten der Musical-Gala lässt er regelmäßig seine Kontakte spielen. In diesem Jahr sind Anna Hofbauer und Armin Kahl seiner Einladung gefolgt.

Ihr Auftritt beginnt hinten im Mittelgang, im Trio intonieren sie „Mack the knife“, kommen nach vorne und tanzen vor der Bühne, Roland Haug, Stadtmusikdirektor von Besigheim und Dirigent des KJO, animiert sein Orchester zu geschmeidiger Gestaltung des Swing-Arrangements.

Mit „So fehlt mir dein Gesang“ aus Andrew Lloyd-Webbers „Liebe stirbt nie (Phantom der Oper 2)“ präsentiert sich Kahl als Heldentenor im melodramatischen Fach mit effektvollem Vibrato und beachtlichem Volumen, und hinterlässt doch nicht allzu viel Glanz. Hofbauer, die als „Bachelorette“ auch dem Fernsehpublikum bekannt ist, war erst vor kurzem Im Stuttgarter Theaterhaus in der Hauptrolle von „Die Päpstin“ zu erleben, woraus sie mit „Das bin ich“ eine Kostprobe gibt.

Sängerisch eindimensional

Aber hier wie auch im Folgenden bleibt die Blondine im langen Roten sängerisch eindimensional. In hohen Lagen wird ihre Stimme bisweilen dünn und schrill. Was für ein Kontrast zu Tarte, der ebenfalls an „Die Päpstin“ mitgewirkt hat und mit „Hinter hohen Klostermauern“ für einen fulminanten Höhepunkt sorgt.

Auch in „Kalte Sterne“ aus Konstantin Weckers „Ludwig²“ überzeugt Tarte als lyrischer Bariton. „I am what I am“ und „My Way“ profitieren dann von der Geläufigkeit des Muttersprachlers.

Dagegen will der Funke in den Duetten nicht so richtig überspringen, seien es nun Hofbauer und Kahl in „Wenn ich tanzen will“ aus „Elisabeth“, Hofbauer und Tarte in Jim Steinmans „Totale Finsternis“ oder in „Something Stupid“ (wo Tarte als Crooner der alten Schule in den großen Fußstapfen Frank Sinatras durchaus bestehen kann, aber Hofbauer weder sängerisch noch performativ an dessen Tochter Nancy heranreicht).

In „Autumn Leaves“ lernt man mit dem 21-jährigen Julian Escher aus Mundelsheim einen exzellenten Flügelhorn-Solisten aus den Reihen des KJO kennen. Bei „Pink Panther“ übernimmt Tubist Fabian Weiß aus Besigheim den Solopart. Brillant auch die symphonischen Rahmenstücke des KJO, Filmmusiken aus „Fluch der Karibik“, „Jäger des verlorenen Schatzes“ und „Star Wars“. Mit dem „Phantom der Oper“ geht’s in die Zugaben, mit Leonard Cohens „Hallelujah“ hinaus in die Nacht.

Harry Schmidt
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
UMFRAGE
Weniger Zucker

Über die Pläne von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten gibt es Streit. Soll der Staat Regeln für weniger Zucker in Lebensmitteln aufstellen?

UMFRAGE
Trainerentlassung

War die Entlassung von VfB-Trainer Tayfun Korkut richtig oder falsch?

Die schönsten Seiten des Kreises
Zeitschriftenvorteil