Ludwigsburg | 21. November 2016

Jung und Alt in der Musik vereint

Ludwigsburg. Verkehrte Welt beim Landesjazzfestival Baden-Württemberg, das in diesem Jahr vom Jazzclub Ludwigsburg ausgerichtet wird: Während die jugendlichen Mitglieder der GGL Bigband, dem jazzmusikalischen Aushängeschild des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums, vorwiegend auf den Spuren des Traditional Jazz wandelten, verlustierten sich die „älteren Herrschaften“, wie Armin Köhnke vom Jazzclub das Duo Conceptions humorvoll ankündigt hatte, mit Fusion und Modern Jazz auf der Bühne des Podiums, der Heimstatt des örtlichen Jazzclubs. Doch das hat schon alles seine Richtigkeit: Gitarrist Werner Acker, der eine halbakustische Gibson aus den Sechzigerjahren spielt, hat an der Ludwigsburger PH Musik und Mathematik studiert, der in Markgröningen geborene Pianist Uli Gutscher, bereits Ende der Siebziger Mitglied der Erwin-Lehn-Bigband und später für Paul Kuhn tätig, erwarb seine Kenntnisse an der Musikhochschule Stuttgart, an der sie heute beide als Dozenten wirken. Somit gehören die Räumlichkeiten in der Musikhalle zu den wohlvertrauten Spielstätten der zwei Jazzvirtuosen, die seit über zehn Jahren neben vielen anderen Engagements das Duo Conceptions betreiben.

Hervorragender Ensembleklang: Die GGL Bigband.
Hervorragender Ensembleklang: Die GGL Bigband.
Foto: Holm Wolschendorf

Wie vertraut auch die Musiker miteinander sind, konnte man in ihrem ingeniösen Arrangement von Chic Coreas „La Fiesta“ bewundern: Eingeleitet durch ein grandioses Intro von Acker, übernimmt die Posaune von Gutscher die Führungsstimme, nähert sich einem staubigen Mariachi-Trompeten-Klang an, kongenial begleitet von seinem Duo-Partner. Ebenfalls in dieser ungewöhnlichen Instrumentierung erklingt Deep Purples „Smoke On The Water“: köstlich, das populärste Riff der Rockgeschichte mal auf der Posaune zu hören. Nach kurzen tontechnischen Anlaufschwierigkeiten brillant auch der zweite Teil ihres Sets, für das Gutscher am Flügel Platz nimmt: Nachdem sich jeder der beiden auch als Komponist vorgestellt hatte, laufen sie zum Abschluss nochmals zu Höchstform auf und spielen einen Tune ihrer ersten CD: kraftvolle Kontraste von fragil bis artistisch im „Triple Trouble“.

Bereits zuvor glänzte die von Jörg Lemberg geleitete GGL Bigband mit hervorragendem Ensembleklang und beachtlichen Solisten. Ungeheuer funky und präzise die Rhythmusgruppe bei „Living in America“, verblüffend das Timing beim Auftakt von „Cantaloupe Island“, schließlich „Soul Man“ mit Acker und Gutscher als Solisten. Anhaltende Begeisterung im mit 125 Besuchern ausverkauften Saal, eine bunte Mischung aus Teenagergruppen und reiferen Semestern an den Tischen, als im dritten Set noch ein Gesangstalent aus den Reihen der GGL Bigband vors Mikro trat: In „Fever“ und „Respect“ beeindruckte Charlotte Freitag mit tragender Altstimme. Ob jung, ob alt: weit überdurchschnittlich das Niveau dieses kurz vor Mitternacht mit einem „Night Train“ aller Beteiligten ausklingenden Konzerts.

Harry Schmidt
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