Alkoholmissbrauch
Kreis Ludwigsburg | 06. November 2018

Junge Frauen trinken mehr

Noch immer landen viele Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Nachdem die Zahl der jungen Komatrinker in den vergangenen zehn Jahren stetig gesunken war, bleibt sie seit 2016 etwa gleich. Im Kreis kam es im Vorjahr zu knapp 100 Krankenhausaufenthalten.

Etwa viermal im Jahr geht in der Kinderklinik in Ludwigsburg die Tür auf und ein zwölfjähriges Kind wird mit einer Alkoholvergiftung gebracht. Ein sehr junges Alter, um zu tief in die Flasche zu schauen, so Matthias Walka, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Die Zahl der 13-Jährigen und Älteren, die wegen zu viel Alkohol in die Klinik eingeliefert werden, ist sehr viel höher. Etwa 40 bis 50 Kinder werden jährlich dort behandelt. Ab 16 Jahren kommen die Jugendlichen nicht mehr in die Kinderklinik, sondern in die Innere Medizin, um dort auszunüchtern.

Nach Zahlen des Statistischen Landesamts sind es 96 junge Menschen zwischen 13 und 19 Jahren, die im Kreis 2017 wegen Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Damit bleibt die Zahl etwa gleich wie im Vorjahr (2016: 104 Fälle). Fünf Jahre zuvor waren es 171 Jugendliche. In der Statistik von 2017 sind jedoch nur Fälle von Jugendlichen erfasst, die in ein Krankenhaus in Baden-Württemberg eingeliefert wurden. Die Daten von früheren Jahren umfassen auch bereits die Aufenthalte in Krankenhäusern anderer Bundesländer.

Mit 96 alkoholbedingten Krankenhausaufenthalten steht der Kreis Ludwigsburg im landesweiten Vergleich jedoch noch gut da. 2733 Jugendliche wurden 2017 im gesamten Bundesland ins Krankenhaus eingeliefert. Bei den männlichen Jugendlichen ist ein Rückgang von 102 auf 1575 Fälle zu beobachten. Junge Frauen hingegen holen auf: 1158 weibliche Teenager wurden 2017 wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert, 25 mehr als im Vorjahr. Im Kreis Ludwigsburg ist das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen ausgeglichen, so Walka. „Man kann nicht sagen, dass es nur die Jungs übertreiben“, so der Ärztliche Direktor.

80 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden am Freitag- oder Samstagabend in die Ludwigsburger Kinderklinik eingeliefert. Jedoch kommt es auch an allen anderen Tagen zu Alkoholvergiftungen. Die Patienten nüchtern über Nacht aus und werden am Vormittag ihren Eltern übergeben. Die Ärzte raten den Erziehungsberechtigten außerdem zu einem Besuch bei der Drogenberatung Chillout, mit der die Ludwigsburger Klinik seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeitet. „Zu diesem Zeitpunkt sind Eltern dafür am besten ansprechbar“, so Walka. Davor seien sie sich oft nicht bewusst, dass ihr Kind Alkohol trinkt.

Die größere Gruppe in der Kinderklinik bilden diejenigen, die einen Alkoholspiegel von 0,5 bis ein Promille haben. „Das sind die einmaligen Ausrutscher, die davor noch nie Alkohol getrunken hatten“, weiß Walka. Jedoch haben er und sein Team auch immer wieder mit Kindern zu tun, die 1,5 bis zwei Promille haben. „Sie trinken bereits regelmäßig“, so der Arzt. Diese seien den Gefahren des Trinkens noch stärker ausgesetzt als erwachsene Alkoholiker. Vor allem Leber und Gehirn seien stark betroffen. Bei den Kindern und Jugendlichen, die einmalig zu viel trinken, gebe es keine langfristigen Schäden. Dennoch seien die Gefahren nicht zu verachten, so Walka. Das Unfallrisiko sei groß, bei Mädchen steige vor allem die Gefahr, missbraucht zu werden, solange der Alkohol das Gehirn vernebelt.

Es sei auch schon vorgekommen, dass eine halb erfrorene Jugendliche ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ihre Freunde hatten sie an der Bushaltestelle abgesetzt, dort war sie eingeschlafen. Dass die Zahlen landesweit nicht weiter ansteigen, liege daran, dass immer mehr Zeit in die Beratung der Betroffenen investiert wird, vermutet Walka. Direkt nach einer Alkoholvergiftung sei die Chance am besten, dass eine Beratung Früchte trägt.

Carolin Schneider
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