07. Juni 2012

Kriminologe: Rockerclub-Verbote nur bedingt eine Lösung

Berlin (dpa) - Verbote von Rockerclubs sind aus Expertensicht kein Mittel zur Kriminalitätsbekämpfung.

Hells Angels Berlin City verboten
Polizisten verladen vor dem Clubhaus der Hells Angels in Berlin-Reinickendorf Mobiliar in Lastwagen. Foto: Florian Schuh/Archiv
dpa

«Dass sich mit einem Vereinsverbot die kriminellen Machenschaften von Rockern unterbinden lassen, ist ein Irrglaube», sagte Joachim Kersten, Kriminologe an der Deutschen Hochschule der Polizei (Münster). Maßnahmen wie zuletzt das Verbot des «Hells Angels Motorcycle Club Berlin» seien aber richtig, da sie Normen aufzeigten.

«Es handelt sich schließlich nicht um einen Kaninchenzüchterverein, sondern um eine äußerst gewalttätige und rabiate Szene», sagte Kersten. Eine freiheitliche Gesellschaft müsse klarmachen, dass sie kriminelle Strukturen nicht als rechtmäßig ansehe und daher auch nicht akzeptiere. Verbote bewirkten zumindest, dass Hells Angels oder Bandidos ihren Geschäften nicht mehr legal nachgehen könnten.

Verbote dürften jedoch auch zur Folge haben, dass die bisherigen Mitglieder ins Umland auswichen und sich dort neu sortierten, sagte der Kriminologe weiter. Dass sich Rocker nach Auflösung eines Vereins wieder in neuen Cliquen zusammenschlössen, könne in einer freiheitlichen Demokratie jedoch nicht verhindert werden.

Wer zudem einmal in der organisierten Kriminalität unterwegs gewesen sei, bleibe es auch. «Diese Kerle haben in der Schattenwirtschaft ihren Status gefunden», erklärte Kersten. Sie legten ihr Gehabe nicht ab und ließen auch ihre Geschäfte nicht ruhen. Solange sich zudem illegal mit Menschenhandel oder Prostitution Geld verdienen lasse, sei ein «Ausmerzen» krimineller Strukturen nicht möglich, sagte der Wissenschaftler.

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