07. Juni 2012

LKA: Brandenburgs Rocker-Szene hat Basis gestärkt

Potsdam (dpa/bb) - Berliner Rocker sind nach Brandenburg übergelaufen und haben sich den sonst verfeindeten Hells Angels angeschlossen. Eine Situation, die die Polizei mit Sorge betrachtet.

«Wir müssen beobachten, was sich da entwickelt», sagte Frank Adelsberger vom Brandenburger Landeskriminalamt (LKA). Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erläuterte der Dezernatsleiter die Situation.

Wie gefährlich ist die Situation derzeit in Brandenburg?

Adelsberger: «Die Situation ist im Moment durchwachsen. Nach Auflösung und Austritten beim Bandidos MC sowie Übertritten und Angliederungen an die Hells Angels in Potsdam beobachten wir die Lage sehr aufmerksam. Wir müssen schauen, ob es möglicherweise Gegenaktionen gegen diese Bewegung seitens des Bandidos MC gibt, der offensichtlich personelle Basis in Berlin verloren hat. Möglicherweise will man sich neu arrangieren, vielleicht auch mit neuen Anwerbungen. Es ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass der eine oder andere Wechsler gefährdet ist. Das ist ja grundsätzlich nicht üblich und geschieht im Regelfall auch nicht einvernehmlich.»

Wie stellt sich die Situation generell in Brandenburg dar?

Adelsberger: «Von den polizeilich relevanten Rockergruppierungen sind in Brandenburg drei Gruppen vertreten: die Hells Angels mit etwa 200 Mitgliedern und Supporter, die Bandidos mit rund 150 Angehörigen und Gremium MC mit etwa 70 Leuten. Diese nehmen bestimmte Regionen für sich in Anspruch. So besitzen die Hells Angels seit vielen Jahren in Cottbus einen Charter; seit zwei Jahren gibt es in Potsdam ein Vereinsheim, in Frankfurt (Oder) versuchen sie ebenfalls ihre Interessen wahrzunehmen - allerdings bislang ohne festen Standort. Ein Teil der Berliner Hells Angels Nomads will offensichtlich nach Splittung der Gruppierung eine neue Anlaufstelle in Brandenburg einrichten. Wir haben im Raum Oranienburg eine Adresse lokalisiert, wo man offensichtlich ein neues Clubhaus installieren will. Die Bandidos sind vor allem in Lauchhammer und Perleberg sowie Hennigsdorf vertreten. Der Gremium MC hat Clubhäuser in Spremberg, Bad Freienwalde und Frankfurt (Oder).»

Welche Gefahr geht von den Rockern aus?

Adelsberger: «Bezogen auf Auseinandersetzungen war die Situation relativ ruhig. Schlagzeilenträchtige Auseinandersetzungen wie beispielsweise Ende 2011, Anfang 2012 in Königs Wusterhausen gab es wenige. Die Szene hat die Zeit der Ruhe genutzt, um die Basis zu stärken. Leider hat man es dabei auch verstanden, Nachwuchs zu gewinnen. Generell ist die Anzahl der Straftaten von Rockern 2011 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist jedoch die Anzahl der Delikte, die in Beziehung zu der Clubzugehörigkeit stehen, leicht angestiegen. Dieser Problematik müssen wir uns natürlich weiter annehmen.»

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
UMFRAGE
Reisegepäck

Haben Sie auch schon einmal Gepäck bei einer Flugreise verloren?

Die schönsten Seiten des Kreises
UMFRAGE
Tonne statt Kochtopf

Wie häufig werfen Sie Lebensmittel weg?

Zeitschriftenvorteil