Ludwigsburg | 20. Juni 2017

Langsam fahren und genießen

Vor drei Jahren will ein über 80-jähriger Nachbar von Stephan Eckmaier seine Zündapp C 50 Sport wegschmeißen. „Ich habe sie dann gerettet und wieder hergerichtet“, erzählt der Murrer, wie er zu seinem Oldtimer Baujahr 70 kam. Begeistert von den Ausfahrten mit dem alten Moped kommt Eckmaier auf die Idee, eine organisierte Tour für seinen Ski-Club zu organisieren. Am Samstag fand die Oldtimerle-Moped-Tour nun zum dritten Mal in Murr statt.

Einfache, robuste Technik und der Duft von Zwei-Takt-Gemisch: Mehr braucht es auf der Oldtimerle-Moped-Tour durchs Bottwartal nicht.
Einfache, robuste Technik und der Duft von Zwei-Takt-Gemisch: Mehr braucht es auf der Oldtimerle-Moped-Tour durchs Bottwartal nicht.
Foto: Ramona Theiss

„Im ersten Jahr waren es 17 Teilnehmer, vergangenes Jahr waren wegen des schlechten Wetters nur ganz wenige dabei. Diesmal habe ich 26 Anmeldungen erhalten“, sagt Eckmaier, der sich über den wachsenden Zuspruch gefreut hat. Tatsächlich kamen bei schönstem Frühsommerwetter noch mal zehn Teilnehmer mehr, so dass sich drei Dutzend Mopedfahrer auf den Weg machten. Doch bevor es losging, bewunderte man gegenseitig die herausgeputzten Schmuckstücke und tauschte sich über die gemeinsame Vorliebe aus. „Ich nehme für die Felgen den Badreiniger von meiner Frau“, verriet ein Herr, der damit auch kundtat, dass Hausputz in dieser Familie offenbar Frauensache ist. Mopeds polieren ist hingegen Männersache – so wie auch an der Ausfahrt ausschließlich Herren der Schöpfung teilnahmen.

Die wenigsten der Teilnehmer gehören zum Ski-Club Murr, viele hatten über unsere Zeitung von der Oldtimerle-Moped-Tour erfahren. So wie Dieudonné Gillet aus Ludwigsburg, der mit himmelblauer Vespa PX 80 und passend lackiertem Helm vorfuhr. Den Motorroller habe er seiner Tochter Yvonne Ende der 1980er Jahre zum 16. Geburtstag gebraucht gekauft. „Als sie zwei Jahre später den Führerschein machte, blieb die Vespa in der Garage stehen“, erzählt Gillet. Über 20 Jahre habe sich niemand um sie gekümmert. „Doch als ich den verrosteten Roller zum Schrott geben wollte, wehrte sich meine Tochter dagegen“, erzählt Gillet, der das Kraftrad dann richten ließ und für sich selbst die Faszination des Oldtimer-Fahrens entdeckte.

Schon als Jugendlicher war Jürgen Hanisch aus Oberriexingen begeisterter Mopedfan. „Mein Vater hatte eine Hercules, daran habe ich schon mit 14 Jahren herumgeschraubt und bin illegal gefahren“, setzt er darauf, dass dieser Verstoß mittlerweile verjährt sein dürfte. Die Hercules besitzt er immer noch, doch zur Ausfahrt ist er mit einer Puch Jahrgang 75 erschienen, weil diese etwas zuverlässiger sei. Andererseits gehöre es bei Ausfahrten mit mehreren Oldtimern einfach dazu, dass eine stehenbleibe und dann gemeinsam repariert werde, erzählt Hanisch. Verrußte Kerzen oder verstopfte Vergaser seien die übliche Ursache für kleine Pannen.

Und was macht die Faszination eines Oldtimer-Moped aus? „Das langsame Fahren und das Genießen“, sagt Jürgen Hanisch. Auch der Mitorganisator Stephan Eckmaier mag das gemütliche Dahingleiten und schwärmt zudem von der „einfachen, robusten Technik, dem schönen Geräusch und dem Duft vom Zwei-Takt-Gemisch“.

Besondere Bewunderung erntet die NSU Quickly 1958, mit der Heinrich Meister aus Steinheim vorfährt. „Das ist das Geilste, was ich je gesehen habe“, schwärmt ein junger Mann. Heinrich Meister erzählt, dass er schon immer eine NSU hatte, die erste mit 18 Jahren. Und das erklärt für ihn auch, warum er dieses Gefährt faszinierend findet.

Und dann wird es langsam Zeit für den Aufbruch. Das Motorengeräusch, das alle so lieben, unterbricht die Stille im Wohngebiet bei der Murrer Gemeindehalle. Durchs Bottwartal geht es nach Besigheim mit Einkehr im Hirsch, später führt die Tour am Neckar entlang zurück nach Murr. Gemütlichkeit hat oberste Priorität.

Beate Volmari
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