REMSECK
Ludwigsburg | 18. Juni 2015

Mehr Farbe in der Stadt

Drei Tage lang wird das typische Zischen der Spraydosen zu hören sein. Bunte Figuren und Schriftzüge zieren dann einst grauen Beton. Und das alles ganz legal. Die Stadt Remseck hat Unterführungen freigegeben, damit Graffiti-Künstler sie gestalten können.

Frederik Merkt in der Unterführung der U-Bahn-Endhaltestelle.Archivfoto: Oliver Bürkle
Frederik Merkt in der Unterführung der U-Bahn-Endhaltestelle.Archivfoto: Oliver Bürkle

Initiator der nicht alltäglichen Aktion ist Frederik Merkt, selbst begeisterter Sprayer und Grafik-Designer. Für das Graffiti-Festival vom 26. bis 28. Juni hat der Remsecker 35 Kollegen aus dem In- und Ausland eingeladen. Verschiedenen Plätzen in der Stadt werden sie mit ihren Farbdosen ein neues und attraktives Erscheinungsbild verschaffen.

Die Stadt stellt den Sprayern Flächen in den Unterführungen an den U-Bahn-Haltestellen Mühle und Brückenstraße in Aldingen sowie an der Endhaltestelle in Neckargröningen zur Verfügung. Von Freitag bis Sonntag werden die Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen und gemeinsam für mehr Farbe in Remseck sorgen. Jeder Künstler hat seine eigenen Styles. Wer mag, kann mit ihnen ins Gespräch kommen und sich über ihre Arbeit informieren. Das Festival ist während der drei Tage frei zugänglich.

Frederik Merkt freut sich schon auf die außergewöhnliche Aktion, bei der er natürlich auch selbst mitmacht. Und er weiß es zu schätzen, dass sich die Stadt Remseck so offen zeigt für Graffiti-Kunst. Schon seit 20 Jahren bestehe guter Kontakt mit dem städtischen Kulturamt, erzählt er im Gespräch mit der LKZ. Zusammen mit Freunden hat er bereits einige Wände in Remseck gestaltet. „In jeder Stadt gibt es verlassene und ungepflegte Flächen. Mit etwas Farbe kann da viel gemacht werden“, ist der 37-Jährige sich sicher. Ein gutes Beispiel: die Unterführung an der U-Bahn-Haltestelle in Neckargröningen.

Frederik Merkts Grundgedanke für das Festival: Die drei Objekte sollen mit unterschiedlichen Stilen gestaltet, durch die Farbgebung aber zusammengebracht werden. Verwenden will er die Remseck-Farben Blau und Gelb in verschiedenen Nuancen, dazu noch Weiß und Schwarz. Die Künstler haben keine Vorgaben für die Motive „Gewalt und Pornografie ist natürlich tabu“, so Merkt. Für das Festival bei bekannten Sprayern anfragen, wollte er bewusst nicht. „Das passt einfach nicht zu Remseck. Da muss es familiär sein“, so seine Meinung. Also hat er Freunde aus der Szene eingeladen, die haben wiederum ihre Bekannten mobilisiert – und so ist ein ganz illusteres Trüppchen zusammengekommen, das am letzten Juniwochenende in Remseck zugange sein wird. Die Künstler kommen aus dem Großraum Stuttgart, Augsburg und Köln, reisen aber auch für die drei Tage aus Paris und aus der Schweiz an. Mit dem Festival möchte Merkt noch mehr Akzeptanz für Graffiti erreichen. Denn er weiß nur zu gut, dass einige diese Kunstform als Schmierereien abtun. Deshalb möchte er gerne mit vielen neugierigen Besuchern ins Gespräch kommen. Die Künstler werden den ganzen Tag über bei der Arbeit anzutreffen sein.

Frederik Merkt plant noch mehr Graffiti-Aktionen. So wird er in Kooperation mit dem Jugendreferat und der Realschule Remseck Anfang Juli Workshops für Jugendliche anbieten. Er hat schon öfter Kurse gegeben und weiß. „Sobald die Kids das Zischen der Spraydose hören, geht’s ab“. Da werde schnell mal was bunt, was gar nicht bunt werden sollte.

VON KRISTINA WINTER
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