17. Januar 2013

Nach Pannenserie Flugverbot für Boeings «Dreamliner»

Washington/Tokio (dpa) - Boeings Vorzeigeflieger «Dreamliner» muss nach einer Reihe von Pannen vorerst fast weltweit am Boden bleiben. Die Aufsichtsbehörden von USA, Japan, Europa, Indien und Chile verhängten am Mittwoch und Donnerstag ein Flugverbot für das jüngste Modell des US-Flugzeugbauers.

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Nach mindestens zwei Vorfällen mit den im «Dreamliner» eingebauten Batterien müssen die Maschinen am Boden bleiben und überprüft werden. Foto: Kamil Krzaczynski
dpa

Als Grund nannten sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. Auslöser für das Verbot ist die Notlandung eines «Dreamliners» am Mittwoch in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte. Vor einem erneuten Start soll nun sichergestellt werden, dass die Batterien kein Risiko mehr sind.

In den USA ist es das erste Mal seit 34 Jahren, dass die Luftsicherheitsbehörde FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat. Vor weiteren Starts müssen nun das Batteriesystem modifiziert oder andere Maßnahmen ergriffen werden, denen die US-Behörde FAA zugestimmt hat.

Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA schloss sich der Verfügung aus den USA an, wie ein Sprecher der Behörde am Donnerstag sagte. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT «Dreamliner» in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt. In Deutschland hat bislang keine einzige Fluggesellschaft den «Dreamliner» in der Flotte. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. In anderen Teilen der Welt haben zudem Qatar Airways und Ethiopian Airlines den «Dreamliner» in ihrer Flotte.

Die japanischen Fluglinien All Nippon Airways (ANA)und Japan Airlines (JAL) hatten nach dem jüngsten Zwischenfall am Mittwoch zunächst alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. Die beiden Gesellschaften betreiben insgesamt 24 Jets des Typs, fast die Hälfte der bisher von Boeing ausgelieferten 50 Maschinen.

US-Experten sind unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen. Die FAA will mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber schwierig werden: Das hochmoderne Flugzeug ist stärker als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden «Dreamliners» der JAL in Boston Feuer gefangen, außerdem verlor ein Flugzeug vor dem Start rund 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster.

Bislang hat Boeing 50 «Dreamliner» ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen US-Dollar teuren Flieger vor. Bislang sind keine Stornierungen infolge der Pannenserie bekannt.

In den USA fliegt damit bisher nur United Airlines. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA. In Indien lässt die Fluglinie Air India ihre sechs Maschinen des Typs vorerst am Boden. Das gleiche gilt für die drei Jets von LAN Airlines aus Chile.

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