19. September 2016

Neckar Open als Zeitreise am Fluss

Smartphone dient zur Orientierung auf den Rad- und Wanderwegen und soll bei der Entdeckung der Natur helfen

„Ludwigsburg ohne Neckar ist mich wie Queen ohne Freddy Mercury“: Auch beim sechsten und letzten Neckar Open in dieser Reihe gaben die zahlreichen Gäste wieder reichlich Herzblut für ihren Lieblingsfluss. Fleißig wurden wieder spontane Sprüche im Casa Mellifera zum Thema Ludwigsburg und Neckar notiert. „Wie Graf Zeppelin ohne Luftschiffe“ wäre Ludwigsburg ohne den Neckar für Günther Mäule. Der Ludwigsburger ist Autor des Buchs „Der Zeppelin kommt“ und zeigte in seinem zehnminütigen Kurzvortrag Skizzen von einem Projekt aus den Jahren 1900 bis 1910. Eine Idee, die man heute nicht für möglich halten würde. Denn am Neckarwehr bei Poppenweiler sollte ein Landeplatz auf dem Neckarwasser entstehen. Gleich daneben auf der Wiese war eine riesige Halle geplant, in der das 130 Meter lange Luftschiff vor Wind und Wetter geschützt werden sollte. Hintergrund: Graf Zeppelin wollte lieber auf dem Wasser landen, weil es dort keine Hindernisse gab. Der Neckar gab ihm bei seinen Fahrten quer durch das Land eine gute Orientierungslinie. 

 

 

INTERESSE AN PFLANZEN IST BEI JUGENDLICHEN GERING

 

 Mehr als 100 Jahre später dient das Smartphone nicht nur zur Orientierung auf den Rad- und Wanderwegen, sondern soll der nächsten Generation auch bei der Entdeckung der Natur helfen. Anabel Haas ist Mitarbeiterin des Instituts für Naturwissenschaften und Technik, Abteilung Biologie, der PH Ludwigsburg und berichtete über das Projekt „Finde Vielfalt“, das am Ludwigsburger Neckar auf Praxistauglichkeit getestet wurde. Mittlerweile ist das Medienprojekt mit dem bundesweiten Qualitätssiegel „Werkstatt N“ vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ausgezeichnet. Ein Geheimnis ist es nicht, dass das Interesse an Pflanzen bei Jugendlichen nicht an erster Stelle steht. Vielmehr eher an letzter Stelle, wie laut Haas auch Zahlen belegen. Laut einer Studie rangieren das Interesse für „Pflanzen in meiner Umgebung“ und „Wie Pflanzen wachsen“ unter den zehn am wenigsten interessanten Themen. Dem gegenüber steht das wachsende Interesse für mobile Endgeräte – Computer und technische Erfindungen liegen auf Platz 3 und 4, die Zahl der Smartphones bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu, so die Pädagogik- Forscherin. Aufenthalte in der Natur nehmen laut Studie stetig ab, die Verweildauer am PC wiederum zu. Marion Bäuerle von den Weingärtnern Marbach stellte zur Pause zwischen den Kurz-Präsentationen drei Weine vor, die von den Ludwigsburger Steillagen direkt gegenüber den Zugwiesen stammen. Den Neckarguides als Veranstaltern geht es darum, auch beim Essen und Trinken die Akteure rund um den Neckar in das Veranstaltungskonzept einzubinden. Susanne Thie vom Neckar-Käpt’n ist von Anfang an als Patin der Neckar Open dabei und überreichte den aktiv Beteiligten einen Freifahrt- Gutschein. Denn vom Schiff aus könne man die Neckarthemen auf eine besondere Art erleben. Angler lieben ihren Sport, weil sie in der Natur sein können und weil man sich am Fluss eine Auszeit von dem durch Medien geprägten Alltag gönnen kann. Doch auch für die Angler ist es reizvoll, bessere und präzise Informationen zu haben, welche Fische in den Gewässern schwimmen. Speziell, wenn es um das Neckarbiotop Zugwiesen geht, in dessen Gewässern sich die Fische wohlzufühlen scheinen. Hans-Hermann Schock vom Württembergischen Anglerverein berichtete von dem neuen „Riverwatch“, einem Gerät zur Erkennung und Aufzeichnung von Fischen, das in diesen Tagen in den Zugwiesenbach eingebaut wird. Noch im Laufe des Frühjahrs, so Schock, werde man sich durch die eingebaute Kameraund Scannereinheit über die Wanderungen der Fische im Umgehungsgerinne des Neckars informieren können. Künftig könne man sich auch als Besucher der Zugwiesen vor Ort Videos von der Fischwanderung auf das Smartphone laden.

 

 

AUF DER BRÜCKE ÜBER DEN LAUF DER WELT NACHDENKEN

 

Als die ersten schwäbischen Riverwatcher gelten jedoch die Herren Häberle und Pfleiderer, so Moderator Ulrich Ostarhild. Die beiden schwäbischen Bruddler, Kunstfiguren aus dem Kabarett der 1960er Jahren, standen stundenlang auf einer Neckarbrücke und philosophierten über den Lauf der Welt im Allgemeinen und über die Fische im Neckar im Besonderen. (red)

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