Ludwigsburg | 14. November 2016

Neckar Open in Bewegung

Mit dem Kreislauf des Wassers brachten die Gäste beim ersten „Neckar Open unterwegs“ ihren eigenen Kreislauf in Schwung. Beim Neckar Open, das zum ersten Mal an Bord des MS Wilhelma stattfand, sorgte die Ludwigsburger Ärztin Dr. Uschi Traub mit ihrem Beitrag dafür, dass auf dem Oberdeck des Schiffes viele Hände im Takt der Regentropfen kreisten, Arme wie Wellen auf und ab gingen und die Körper im Takt der Wellen wogten. „Wasser, Bewegung, Entspannung – die gesundheitlichen Effekte des Neckars auf Körper und Seele“ war der erste von drei Beiträgen, die diesmal mitten auf dem Neckar präsentiert wurden.

Auf der Wilhelma ging die Veranstaltungsreihe Neckar Open erstmals auf den Fluss.
Auf der Wilhelma ging die Veranstaltungsreihe Neckar Open erstmals auf den Fluss.
Foto: Wolschendorf

Traub ist Leiterin Gesundheitsförderung im Landratsamt Ludwigsburg und zeigte anhand von wissenschaftlichen Studien, wie Bewegung und Spaziergänge am Wasser Ärger, Angst, Stress reduzieren können. „Ein 90-minütiger Spaziergang am Wasser ist sicher eine gute Möglichkeit, um vom Grübeln loszukommen und positive Gefühle wie Freude, Wohlbefinden, Leichtigkeit, Entspannung zu erleben, so die Ärztin in ihrem Kurzvortrag. Für Entspannung und Rhythmus sorgte die Gruppe „Klangräume“. Alfred Schöffend und Andreas Kleinmann begleiteten das Neckar Open musikalisch mit exotisch anmutenden Instrumenten wie Berimbao und Hang Drum.

Peter Bareiß aus Klein-Ingersheim brachte für den mittlerweile siebten Neckar-Themenabend in der Neckar-Open-Reihe Geschichten mit aus den Zeiten, in der die Wasserkraft des Neckars noch direkt durch Mühlräder genutzt wurde. Bareiß, selbst gelernter Müller, trug einen Text seines Großvaters vor, der als Neckar-Müller von der Schönheit der Neckarlandschaft so fasziniert war, dass er dies in Gedichtform brachte. Der junge Bareiß saß später mit Fotoapparat im Ruderboot, als die erste weiße Flotte in den 1950er Jahren das erste Mal an Ingersheim den ausgebauten Neckar befuhr.

An diese Zeit erinnert sich auch Wolfgang Thie, heute der Neckar-Käpt´n in Person, damals als Vorschulkind an Bord des Frachtschiffes seines Großvaters. „Der dichte Bewuchs am Neckar ist erst nach der Kanalisierung entstanden, so Thie. Zu Zeiten des ungeregelten Flusslaufes gab es dort viele offene Uferbereiche.

Eine andere Zunft, die vom Neckar lebte, sind die Berufsfischer. Rund 600 Berufsfischer waren in den 1950er Jahren einst am Neckar in Brot und Arbeit. Andreas Seybold, Fischhändler in Ludwigsburg, bezeichnet sich selbst als den letzten Berufsfischer am Neckar und zog eine nüchterne Bilanz seines ursprünglichen Berufsstandes. „Die Flussfischerei hatte ein jähes Ende, als der Neckar in den 1960er Jahren zur Abwasser-Kloake verkam. Mittlerweile ist die Wasserqualität des Neckars mit Wassergüte 2,5 wieder ordentlich, der Fisch genießbar und die Artenvielfalt wiederhergestellt“, so Seybold.

Beim „Neckar Open unterwegs“ hatte auch der neue Image-Film zum Neckar in Ludwigsburg Premiere, der von Absolventen der Filmakademie gedreht wurde und auch online auf der Homepage der Neckarguides unter www.neckarguides.de zu sehen ist. Die Landesinitiative „Unser Neckar“ entwickelt und betreut entlang des Neckars eine Reihe von Projekten. „Weil der Fluss unser gemeinsames Engagement verdient“.

Info: Die nächsten Neckar Open sind wie bislang wieder im NaturInfoZentrum Casa Mellifera geplant, und zwar für den 24 November und den 21. Februar 2017.

Guido Ost
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