Ludwigsburg | 10. Oktober 2016

Neue Ära bei Greiner

Lange lag die Fläche brach, nun hat der Pleidelsheimer Stuhlhersteller Greiner vier Millionen Euro in eine neue Firmenzentrale samt Kundencenter investiert. Von dort ausgehend will das Familienunternehmen die Markenbekanntheit stärken und den Absatz steigern.

Sichtbeton und Wendeltreppe aus Corten-Stahl: Die reduzierte, moderne Architektur schafft eine spannende Raumwirkung.
Sichtbeton und Wendeltreppe aus Corten-Stahl: Die reduzierte, moderne Architektur schafft eine spannende Raumwirkung.
Vor Stühlen aus der eigenen Produktion: Kristina und ihr Vater Siegfried Greiner.Fotos: Oliver Bürkle
Vor Stühlen aus der eigenen Produktion: Kristina und ihr Vater Siegfried Greiner.Fotos: Oliver Bürkle

Pleidelsheim. Der Wow-Effekt stellt sich ein, wenn man den von der Deckenhöhe niedrig gehaltenen Eingangsbereich hinter sich gelassen hat: Der Raum öffnet sich nach oben und gibt den Blick frei, knapp zwölf Meter in die Höhe. Die Wendeltreppe aus rostrotem Corten-Stahl und die quadratisch auf der Sichtbetonwand angeordneten LED-Glühbirnen erzeugen eine tiefe Raumwirkung.

 

Das Pleidelsheimer Unternehmen Greiner hat vier Millionen Euro in eine neue Firmenzentrale inklusive Kundencenter an der Wettestraße 1 investiert. Die reduzierte, am Bauhaus-Stil angelehnte Architektur des Stuttgarter Büros fmb Architekten unter der Projektleitung von Norman Binder markiert für das Familienunternehmen den Schritt in eine neue Ära, wie Juniorchefin Kristina Greiner sagt. Die Diplom-Betriebswirtin ist seit 2009 im Unternehmen, leitet Vertrieb und Marketing und ist bereits in die Geschäftsführung eingestiegen. Heute Abend wird das Kundencenter mit vielen geladenen Gästen feierlich eröffnet. Von der ersten Idee sind dreieinhalb Jahre vergangen.

 

Die Produkte kann Greiner nun in einem edlen Showroom präsentieren. „Mein Onkel und mein Vater haben in den letzten Jahrzehnten viel Energie in die Entwicklung neuer, hochwertiger Produkte gesteckt. Jetzt haben wir die passende Umgebung dafür.“ Im ersten und zweiten Stock befinden sich die Büros, die große Dachterrasse mit zusätzlichem Konferenzbereich erlaubt weite Blicke.

 

Das Familienunternehmen stellt Stühle her: 45 Prozent für den medizinischen Einsatz in Krankenhäusern und Arztpraxen, 30 Prozent für Friseursalons, plus Sitze für Fahrzeuge. So erwirtschaftet Greiner mit seinen 85 Mitarbeitern mehr als zehn Millionen Euro im Jahr. Hinter der neuen Zentrale schließt sich die Produktion an.

 

Verwaltung, Entwicklung, Prototypenbau und Konstruktion – alles ist in Pleidelsheim gebündelt. Insgesamt belegt das Unternehmen 17 000 Quadratmeter.Etwa die Hälfte des Umsatzes erzielt Greiner in Deutschland. Direkt in der Region steht das Unternehmen in starkem Wettbewerb mit dem Stuttgarter Friseureinrichter Olymp. Greiner hat Kunden weltweit. „Je weiter weg von Deutschland, desto unbekannter sind wir“, sagt Kristina Greiner, bezogen auf internationale Märkte. Das soll sich nun ändern, sie will den Vertrieb stärken, Markenbekanntheit und Absatz steigern sowie das Händlernetz erweitern. „Wir sind stets um fünf bis sechs Prozent gesund gewachsen, da wollen wir weiter zulegen.“ Sie setzt dabei auf eine hohe Qualität made in Germany, leistungsfähige Mitarbeiter, guten Service und innovative, am jeweiligen Markt orientierte Produkte. Eine Stärke sei die Flexibilität: Greiner sieht sich in der Lage, Kundenaufträge in 40 verschiedenen Farben in zweiwöchiger Produktionszeit umsetzen zu können.

 

Als Beitrag zum Wachstumskurs habe das Unternehmen nun in die neuen Flächen investiert, wo internationale Kunden empfangen und trainiert werden können. „Wir sind ein junges Team und wollen etwas Modernes, das diese Kultur widerspiegelt.“ Der Clou: Mit dem Einzug in das neue Gebäude kehrt Greiner zurück auf jenen Fleck, auf dem das Unternehmen einst gegründet wurde. Im Jahr 1922 startete Walter Greiner, Großvater des heutigen Geschäftsführers Siegfried Greiner, als Metallverarbeiter mit der Fertigung von Stuhlbeschlägen und Kopfstützen für Friseurstuhlhersteller. Nach dem Krieg stiegen auch sein Onkel und Vater in den Betrieb ein, sie begannen mit dem Bau von Stahlrohrgestellen für Friseurstühle. Wenige Jahre später gaben einige Hersteller die Produktion von Friseurstühlen auf. „Mein Onkel und Vater erkannten eine Chance, entwarfen eigene Friseurstühle und gliederten eine Polsterei an“, erinnert sich Siegfried Greiner, der 1979 ins Unternehmen eintrat und es ab 1984 gemeinsam mit seinem Bruder Walter führte.

 

1972 übernahm Greiner das Programm der Firma Röder, inklusive dem Angebot an medizinischen Stühlen – Startpunkt fürs zweite Standbein, das immer mehr an Bedeutung gewann. 1987 dann der Schock: Einbruch und Brandstiftung, das Bürogebäude wurde unbenutzbar. „Das Gebäude an der Riedbachstraße war dann 30 Jahre lang unser Zuhause“, so Siegfried Greiner. Dieses wird nun aufgegeben und vermietet. Wenig später kam das dritte Standbein hinzu, durch die Übernahme der Firma Scheelmann: Produktion und Vertrieb von Sondersitzen für Fahrzeuge, zum Beispiel für Kässbohrer.

 

Um die Nachfolge muss sich Siegfried Greiner keine Sorgen machen. „Die vierte Generation steht bereit“, sagt der 63-Jährige nicht ohne Stolz. Neben seiner Tochter Kristina ist auch Tochter Katja seit 2006 im Unternehmen. Die Prokuristin leitet die Abteilung Personal und Finanzen.

 

Sie freuen sich auf die Zukunft: „Wir haben unheimlich viele Chancen, das Unternehmen langfristig weiterzuentwickeln“, sagt Kristina Greiner. Auch weitere Investitionen in den Standort seien geplant.

 

Michael Müller
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