Ludwigsburg | 02. Februar 2018

Perfektion ist nicht alles, der Ausdruck zählt

Auf den Fluren des Schulzentrums in der Glemsaue ist es mucksmäuschenstill. Hinter verschlossenen Türen klingt ein Hauch von Musik. 200 Schüler stellten sich am Wochenende dem Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“.

Lynn My Le Trinh Stiegler (16) aus Ludwigsburg mit Raphael Kohlhäufl (15) aus Stuttgart (linkes Bild) qualifizierten sich ebenso wie Lilian Fusenig (14) aus Besigheim für den Landeswettbewerb. Fotos: Holm Wolschendorf
Lynn My Le Trinh Stiegler (16) aus Ludwigsburg mit Raphael Kohlhäufl (15) aus Stuttgart (linkes Bild) qualifizierten sich ebenso wie Lilian Fusenig (14) aus Besigheim für den Landeswettbewerb. Fotos: Holm Wolschendorf

Einer von ihnen ist der zwölfjährige Julian Wasser aus Ludwigsburg. Gerade hat er seinen Auftritt mit der Trompete hinter sich. Auch wenn es nicht ganz zur Nominierung für den Landeswettbewerb gereicht hat, ist er mit seinem Auftritt zufrieden. Vor allem, dass er die Nervosität vor dem Premierenauftritt beim Wettbewerb in den Griff bekommen hat. Seit knapp drei Jahren spielt er das Instrument, seit drei Monaten übe er etwa eine halbe Stunde am Tag drei klassische Stücke für den 20-minütigen Auftritt. „Ich bekomme die Melodien gar nicht mehr aus dem Kopf, ich summe sie ständig vor mich hin.“

Früher sei der Ehrgeiz der Eltern manchmal größer gewesen als der der Schüler, beobachtet der Ditzinger Musikschulleiter Manfred Frank, der auch den diesjährigen Regionalwettbewerb organisiert hat. Zum 55. Mal wurde er ausgetragen, seit 16 Jahren in Ditzingen. „Mit Druck geht gar nichts“, sagt er. Wer erfolgreich sein wolle, müsse neben Disziplin und Fleiß auch Leidenschaft und Ausdruck mitbringen, um die Juroren zu überzeugen. Dann werde auf diesem Level auch der ein oder andere Patzer verziehen. „Das Gesamtpaket muss stimmen.“ Es zähle nicht alleine die Perfektion, sondern auch Darbietung und Ausdruck.

Mit dem Musiklehrer würden die passenden Stücke ausgesucht. Mit einer Ausnahme: Beim „gemischten Doppel“ mit Klavier würden Vorschläge gemacht, sagt Frank. Damit sich beide Instrumente gleichwertig präsentieren können und das eine nicht nur Begleitung sei. Jeder Nachwuchsmusiker könne jedes Jahr mitmachen, aber nicht immer in der gleichen Kategorie. Solo, Ensemble und im Duett mit dem Flügel müssten sich abwechseln, erklärt Frank. Die jüngsten Teilnehmer sind sechs Jahre alt, die ältesten 22. Das Hauptfeld liege irgendwo dazwischen, meint der Ditzinger Musikschulleiter.

Die 20 Juroren – Musiklehrer, Dozenten, Professoren und Musiker – hören en bloque die Vorträge in den unterschiedlichen Instrumentengruppen an. Danach beraten sie, wie viele der maximal 25 Punkte sie vergeben wollen. Wer 23 hat, schafft den Einzug in den Landeswettbewerb, der Mitte März in Bietigheim-Bissingen ausgetragen wird (siehe nebenstehenden Artikel). 19 ausgewählte Stücke wurden dann beim gestrigen Preisträgerkonzert präsentiert.

Thomas Faulhaber
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