20. August 2012

Porträt: Gu Kailai - Chinas «rote Prinzessin»

Peking (dpa) - Gu Kailai gehörte ebenso wie ihr Mann Bo Xilai zu Chinas Elite. Als jüngste Tochter von Gu Jingsheng, einem berühmten General in der Volksbefreiungsarmee, genoss die heute 53-Jährige eine privilegierte Stellung in dem Land.

Auch diese Familienbande könnten sie nun im Gefängnis vor der Vollstreckung der Todesstrafe bewahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Nach dem Besuch der renommierten Peking-Universität, wo auch ihr späterer Mann studierte, machte Gu sich mit prestigeträchtigen internationalen Fällen einen Namen als Anwältin. Sie gründete sogar ihre eigene Kanzlei und veröffentlichte 1998 einen Ratgeber mit dem Titel «Wie man eine Klage in den USA gewinnt.» Darin beschrieb sie auch das Strafrecht Chinas: «Wenn wir wissen, dass Sie jemand umgebracht haben, werden Sie verhaftet, verurteilt und hingerichtet.»

Gu, die fließend englisch sprechen soll, verbrachte in den vergangenen 20 Jahren anscheinend viel Zeit im Ausland. Dort soll sie auch den Namen Horus L. Kai benutzt haben - Horus war ein ägyptischer Kriegsgott. Wegen ihrer Ausstrahlung wurde sie zuweilen die «Jackie Kennedy Chinas» genannt. Ihren Mann lernte sie 1984 in der Stadt Dalian kennen, wo er damals Parteisekretär war. An seiner Seite stieg sie zur «roten Prinzessin» auf.

Ihr tiefer Fall kam mit der Anklage wegen des Giftmordes an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood, einem alten Freund und Geschäftspartner der Familie. Gerüchte kamen auf, sie habe ein Verhältnis mit dem 41-Jährigen gehabt.

Auf eine Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe kann sie nicht nur wegen ihrer Abstammung rechnen, wenn sie sich innerhalb von zwei Jahren im Gefängnis nichts zuschulden kommen lässt: Laut Anklage ist Gu Kailai wegen chronischer Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Depression und Paranoia psychiatrisch behandelt worden.

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