17. August 2012

Porträt: Richterin Syrowa fürchtet um ihre Sicherheit

Moskau (dpa) - Von Leibwächtern lässt sich Richterin Marina Syrowa zum Finale des aufsehenerregendsten Prozesses in Russland seit Jahren begleiten. Die 50-Jährige hat angeblich zahlreiche Drohungen von Anhängern der kremlkritischen Punkband Pussy Riot erhalten und fürchtet nun um ihre Sicherheit.

In gerade einmal acht Verhandlungstagen hat die Juristin das Verfahren gegen drei junge Künstlerinnen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot durchgezogen. Aus Sicherheitsgründen betrat die Frau mit der kinnlangen Betonfrisur immer erst den Saal, als Gerichtsdiener die Fotografen und Fernsehteams bereits hinausgescheucht hatten. Auch die Videokameras, die das Verfahren live im Internet übertrugen, fingen die Richterin nie ein.

Das Verfahren ist ihr erster großer Prozess. 2008 wurde Syrowa von Putin zur Richterin ernannt. Vor dem Pussy-Riot-Verfahren hat sie sich nur um kleinere Delikte wie Einbrüche oder Taschendiebstahl gekümmert, wie der Kolumnist Dmitri Butrin schreibt. Berüchtigt ist Syrowa für ihre schnellen Urteile. 10 bis 15 Fälle pro Tag habe sie in der Vergangenheit durchgepeitscht.

Mit scharfem Blick verfolgte die Vorsitzende über ihre randlose Brille die Ausführungen von Anklage und Verteidigung. Regungen erlaubte sie sich nicht: Ihre nach unten gezogenen Mundwinkel schienen stets wie in Stein gemeißelt. Nachfragen presste sie leise zwischen ihren schmalen Lippen hervor.

Kritiker halten die Juristin für eine willfährige Verwalterin in einem politisch motivierten Verfahren. Und Syrowa tat wenig, um diesen Eindruck zu zerstreuen. Sieben Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen sich wies sie ab. Den Angeklagten gönnte sie nur kurze Pausen. Mehrere Entlastungszeugen ließ sie nicht zu.

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