15. April 2014

RWE liefert Gas an die Ukraine

Essen/Velke Kapusany (dpa) - Die Ukraine braucht dringend Energie. Nach der drastischen Gaspreiserhöhung aus Russland springt nun der deutsche Energieriese RWE mit Lieferungen über Polen ein. Für eine weit größere Pipeline durch die Slowakei gibt es noch keine politische Einigung.

Gasspeicher
RWE will der Ukraine Gas liefern. Foto: RWE/Symbolbild
dpa

Das Gas werde zu europäischen Großmarktpreisen einschließlich der Transportkosten abgerechnet, teilte RWE mit. Verhandlungen der Ukraine mit der Slowakei für eine Nutzung der weit leistungsfähigeren Slowakei-Pipeline brachten allerdings noch keine Einigung.

Es gebe technische und vertragsrechtliche Hindernisse, teilte der slowakische Wirtschaftsminister Tomas Malatinsky nach einem Treffen mit dem ukrainischen Energieminister Juri Prodan mit.

Die Pipelines dienten dazu, Erdgas des russischen Versorgers Gazprom nach Westeuropa zu befördern, betonte Malatinsky in der Grenzstadt Velke Kapusany. «Wir sind bereit der Ukraine zu helfen, müssen aber auch auf slowakische und europäische Interessen achten», sagte er. Die Ukraine hofft auf eine zeitweise Umkehr des Gasflusses in den bestehenden Leitungen, um Lieferungen aus dem Westen zu ermöglichen.

Die slowakische Regierung schlug als Alternative vor, eine nie fertiggestellte Pipeline allein zu diesem Zweck auszubauen. Diese würde das slowakische Vojany mit Uschgorod in der Ukraine verbinden. Neben der EU-Kommission hatten auch US-Vertreter die slowakische Regierung des Sozialdemokraten Robert Fico zu einer Einigung gedrängt. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden.

RWE teilte nicht mit, wieviel Gas aktuell geliefert wird. Grundlage ist ein 2012 unterzeichneter Rahmenvertrag mit dem ukrainischen Staatsunternehmen Naftogaz über die Lieferung von jährlich bis zu 10 Milliarden Kubikmetern Gas. Das ist eine erhebliche Menge: Der gesamte Gasverbrauch Deutschlands liegt bei 80 bis 90 Milliarden Kubikmetern im Jahr.

Russland hatte im Zuge des Konfliktes mit der Ukraine den Gaspreis für seine Lieferungen in das Nachbarland massiv erhöht. Der von Gazprom aktuell verlangte Preis liege nun nicht mehr deutlich unter dem europäischen Niveau, sondern rund 100 Dollar (72,50 Euro) pro 1000 Kubikmeter darüber, hieß es aus Marktkreisen. Deshalb seien Lieferungen aus dem Westen für die Ukraine derzeit äußerst attraktiv. Gas kostet auf den europäischen Märkten in etwa 380 Dollar (275 Euro) pro 1000 Kubikmeter.

RWE hat 2013 bereits eine Milliarde Kubikmeter Gas an die Ukraine geliefert und deshalb Erfahrungen mit den Abläufen. RWE bezieht sein Gas unter anderem aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Nach dem milden Winter 2013/2014 sind die Speicher bei vielen europäischen Versorgern gut gefüllt.

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