19. September 2016

Raum für Natur, Sport und Schiff

Bei den Neckar Open der Zugwiesenguides dreht sich alles um die Bedeutung des Flusses für Mensch und Umwelt

Der Neckar prägt nicht nur die Landschaft, sondern erfüllt viele Funktionen. Er ist eine wichtige Wasserstraße, Lebensraum für Libellen und lässt sich beim Stand-Up-Paddling erleben. Bei der Veranstaltung „Neckar Open“ am Dienstagabend im Naturzentrum Casa Mellifera haben Referenten aus ihrer Sicht über ihre Erlebnisse und Beobachtungen an und auf dem Necker berichtet. Das Konzept der Veranstaltung, die von dem Verein Neckarguides ins Leben gerufen worden ist, hat sich bewährt: Die Vorträge der Referenten sind kurz und knackig, in der Pause haben die Zuhörer Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Moderator Uli Ostarhild konnte zahlreiche Gäste zu dem Event begrüßen. Wer oft an den Zugwiesen unterwegs ist, der hat Michael Koch bestimmt schon mal gesehen. Der Landschaftsökologe ist ein echter Libellenkenner und dokumentiert seit dem Jahr 2012, wann und an welcher Stelle er welche Libellenart gesehen hat. Zahl der Libellenarten gestiegen Für den Laien sind sie fast nicht zu unterscheiden, doch Koch weiß genau, mit wem er es zu tun hat. Die Insekten tragen so schöne Namen wie Großer Blaupfeil, Große Königslibelle, Gemeine Keiljungfer oder Pechlibelle. Hat der Experte zu Beginn der Bestandsaufnahme im Jahr 2012 gerade mal sechs verschiedene Arten identifizieren können, so ist die Zahl inzwischen auf 32 gestiegen. Elf von ihnen stehen auf der Roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht. Allerdings variiert die 

 

Zahl der Arten: So hat Koch im Jahr 2014 28 verschiedene Arten entdeckt, im Jahr darauf waren es nur noch 23. „Das vergangene Jahr war schlecht für Insekten“, nannte er einen Grund für diese Entwicklung. Außerdem machen sich die Bewohner der Zugwiesen mittlerweile gegenseitig Konkurrenz. Nach dem rapiden Anstieg des Artenreichtums könnte es nun zu einem Rückgang kommen. Das Fazit von Michael Koch: „Natur ist machbar“. Wenn man Tieren einen Lebensraum anbiete, kämen sie auch. Walter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stuttgart, machte die Zuhörer mit der wirtschaftlichen Seite des Neckars vertraut und nahm sie anhand zahlreicher Fotos mit auf eine Schiffstour. Auf den Schiffen, die bis 105 Meter lang und elf Meter breit sind, werden unzählige Tonnen an Gütern, vor allem Sand, Kies und Salze, transportiert. Voll beladen verfügen sie über einen Tiefgang von 2,80 Metern. „Dann fahren die Schiffe mit 20 Zentimeter Wasser unter dem Kiel“, machte der Experte deutlich. Fast schon Millimeterarbeit sei es auch, wenn sie durch eine Schleuse fahren, die nur wenig breiter als die Schiffe selbst seien. Die Ladung eines Schiffes entspricht der Ladung von 60 bis 80 Lastern. Umschlagstellen befinden sich unter anderen in Neckarweihingen und Remseck. 27 Schleusen zwischen Mannheim und Plochingen sorgen dafür, dass die Schiffe 160 Meter Höhenunterschied bewältigen können. Die Schleusen sollen Zug um Zug auf die Steuerung mit Fernbedienung umgestellt werden – Schleusenwärter dürften dann der Vergangenheit angehören. Um Schleusen und große Schiffe macht Anna Bröll nach Möglichkeit einen Bogen, wenn sie mit ihrem „muskelbetriebenen Kleinfahrzeug“, wie es in der Behördensprache heißt, auf dem Neckar unterwegs ist. Die junge Frau, die bei dem Veranstalter „Die Zugvögel“ als Guide im Einsatz ist, hat das „Stand-Up-Paddling“, kurz Sup, für sich entdeckt. „Supen“ heißt es, wenn sie auf ihrem Board stehend auf einem Gewässer unterwegs ist. „Im Stehen Paddeln klingt einfach bescheuert“, so Anna Bröll, die schon in der Schule das Fahren mit dem Kajak für sich entdeckte. Auf dem Paddelbrett unterwegs Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildungs als Kanu-Guide in Schweden und erntete viele Kommentare, als sie vor einigen Jahren auf einem Kanadier über den Waikato-River in Neuseeland „supte“. Inzwischen hat sie auch eine Ausbildung als Sup-Guide absolviert, steht mittlerweile nicht mehr auf einem Kanadier, sondern auf einem Board, einem speziellen Brett, und begleitet Menschen, die diese Form der Fortbewegung ausprobieren wollen. „Wir bleiben dabei in Ufernähe“, betonte sie. Ebenso wie Kajakfahren sei das Supen eine Ganz-Jahres-Sportart, so Anna Bröll.

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