19. August 2012

Sauna allerorten: Sportler und Fans leiden unter Hitze

Berlin (dpa) - Unterwäsche aus dem Eisfach, Faltkartons als Fächer, regelmäßige Trinkpausen: Der vorläufige Höhepunkt des Hochsommers hat am Wochenende auch Profisportler und Fans gehörig ins Schwitzen gebracht.

Erzgebirge Aue
In Aue wurden Frankfurts Fans wegen der großen Hitze von der Auer Feuerwehr per Wasserschlauch abgekühlt. Foto: Thomas Eisenhuth
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1. FC Saarbrücken - FC Schalke 04
Nach dem vierten Gegentor ließen sich viele Saarbrücker auf den Stufen in der Sonne nieder. Foto: Fredrik von Erichsen
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Um die Auswirkungen von Hoch «Achim» und Tief «Xenja» besser zu ertragen, war im Glutofen Deutschland Kreativität gefragt. Temperaturen bis an die 40 Grad machten den Profisportlern zu schaffen, Zuschauern und Amateuren aber noch mehr.

Beim Jedermann-Rennen der Hamburger Cyclassics wurden laut Rennchef Frank Bertling 38 Personen in Krankenhäuser gebracht, nach Angaben der Hilfskräfte waren «sehr viele Fälle davon hitzebedingt». Darüber hinaus mussten am Sonntag 156 Fahrer ärztlich behandelt werden. «Es gab heute sehr viele Fahrer, die letztlich kraftlos aufgeben mussten oder dehydriert sind», sagte Bertling.

Clever verhielten sich einige spanische und portugiesische Radsportler. Während sich fast alle Fahrer wenige Minuten vor Beginn hinter der Linie einfanden, warteten die Spanier und Portugiesen vom Team Movistar so lange bei den Teamfahrzeugen im Schatten, bis der Rest des Feldes gestartet war. Erst dann setzten sie sich auf die Räder und rollten los.

Wie beim Saunagang musste sich auch manch ein Fußballer fühlen. Schiedsrichter Felix Zwayer unterbrach die Erstrundenpartie im DFB-Pokal zwischen Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach (0:2) im Glutofen Tivoli am Samstag in beiden Hälften je einmal. Bei fast 40 Grad erhielten die Akteure wie auch auf vielen anderen Plätzen willkommene Trinkpausen. Beim Pokalspiel von Saarbrücken gegen Schalke (0:5) kreisten bis zu drei Krankenwagen auf der Tartanbahn, mehrere Zuschauer wurden weggebracht.

Die Piloten des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) kämpften am Sonntag mit gekühlter Unterwäsche gegen die Hitze im Rennwagen. Bei Mercedes-Benz tauchten einige Fahrer ihre feuerfeste Unterwäsche vor Beginn des Rennens am heißesten Tag des Jahres in kaltes Wasser.

Zudem waren die Piloten angehalten, rund zweieinhalb Liter mehr Wasser als üblich zu trinken. Dem Physiotherapeuten der Fahrer von Mercedes-Benz zufolge, Toni Mathis, heizt sich nämlich das Wageninnere bei Temperaturen in der Eifel von 32 Grad in der Luft und 45 Grad auf dem Asphalt auf 60 Grad auf.

Jeder Pilot habe sein eigenes Rezept gegen die Hitze, erklärte Daniel Schuster von Audi Sport. So würden die Audi-Fahrer vor Rennbeginn Kühlwesten tragen, ihre Unterwäsche im Eisfach lagern oder, ganz klassisch, feuchte gekühlte Tücher in den Nacken legen.

Bundesweit nutzten Fans im Hitzegefecht etwa Faltkartons als Fächer - Regenschirme waren ein fast unabdingbares Utensil. In den Genuss des Abspritzens mit Wasserschläuchen kam am Pokal-Wochenende so mancher Fußball-Fan. Beim Mixed-Skispringen in Hinterzarten verschafften sich Athleten Abkühlung im Lift: Mit nacktem Oberkörper legten sie die letzten Meter bis zum Flug zurück.

Auch Deutschlands «Riesen» gerieten ins Schwitzen - doch das lag weniger am Basketball-Zwerg Luxemburg als an den tropischen Temperaturen am Samstagabend in Hagen. Beim klaren Sieg gegen den Außenseiter in der EM-Qualifikation hatte das Team von Bundestrainer Svetislav Pesic in erster Linie mit fast 40 Grad und stickiger Luft in der Halle zu kämpfen. «Schwitzen tun wir als Leistungssportler sowieso», meinte Aufbauspieler Bastian Doreth gelassen.

Bei den Deutschen Meisterschaften der Kanuten in Brandenburg an der Havel sorgte Olympia-Bronzemedaillengewinner Max Hoff für eine unfreiwillige Einlage. Nach seinem vierten Meistertitel am Sonntag im Kajak-Einer über 5000 Meter hüpfte der Essener während der Siegerehrung wild auf dem Podest herum. Grund: Die Metallplattform hatte sich durch die Sonneneinstrahlung aufgeheizt - und Hoff war wie gewohnt barfuß unterwegs.

Deutscher Wetterdienst DWD

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