23. Juli 2013

Seelmann-Eggebert: «Sehnsucht nach Kontinuität ist groß»

Hamburg (dpa) - Für den Adels-Experten Rolf Seelmann-Eggebert könnte der royale Nachwuchs das Land als König ins 22. Jahrhundert führen. Der 76-Jährige sieht die Monarchie in Europa insgesamt als gesichert an. «Die Sehnsucht der Menschen nach einer Kontinuität irgendwo ist groß», sagte er im dpa-Interview.

Frage: Was bedeutet die Geburt des kleinen Prinzen für die Monarchie?

Antwort: Das bedeutet, dass es jetzt einen künftigen König gibt, der aller Voraussicht nach das Land bis ins 22. Jahrhundert führen wird. Denn bei der steigenden Lebenserwartung von Frauen und Männern ist es ja keineswegs ausgeschlossen, dass er mit 87 Jahren König von Großbritannien im Jahr 2100 wird. Die Thronfolge ist jetzt absolut in der geraden Linie gesichert für den Rest des Jahrhunderts, denn es stehen jetzt nach der Königin drei künftige Könige bereit. Das ist eine ganz ähnliche Situation wie nach dem Tode von Königin Victoria Anfang des 20. Jahrhunderts. Da waren auch erst vier Könige dran, bevor es mit Elizabeth eine weibliche Königin gab.

Frage: Und hat es eine Rolle gespielt, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?

Antwort: Das hat zum ersten Mal in der Geschichte des Landes keine Rolle gespielt, weil die männliche Thronfolge abgelöst ist. Insgesamt geht es jetzt darum, dass unabhängig, ob es ein Junge oder Mädchen ist, das erstgeborene Kind König wird.

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des englischen Königshauses?

Antwort: Wenn Sie gesehen haben, mit welcher Begeisterung nicht nur die Briten, sondern auch der Rest der Welt die Geburt dieses kleinen Prinzen verfolgt haben, da kann man nur sagen: ein glückliches Haus, dem so viel positive Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Gefahren für die Monarchie in Europa insgesamt sind deswegen gering, weil sie heutzutage keine politische Bedeutung mehr hat. Die Monarchie ist ein rein repräsentatives Amt geworden und dadurch, dass sie so gut wie nur noch repräsentativ tätig ist, begibt sie sich auch nicht in irgendwelche Kritik- und Gefahrenzonen. In der Tat kann man sich ansehen, nicht nur das britische Königshaus, sondern auch die anderen Häuser in Europa, dass es eigentlich nirgendwo eine ernstzunehmende republikanische Bewegung gibt.

Frage: Aber der Rückhalt in der Gesellschaft spielt ja auch eine wichtige Rolle.

Antwort: Ich gehe davon aus, dass der Rückhalt in der Gesellschaft da ist. Das gilt für alle zehn europäischen Königshäuser. Es würde mich sehr wundern, wenn in den nächsten Jahren eine Monarchie in Europa aufgelöst wird. Die Sehnsucht der Menschen nach einer Kontinuität irgendwo ist groß. Der ewige Wechsel von politischen Gesichtern, der ewige Wechsel von Sportlern und Künstlern, ist etwas, was der Monarchie sehr hilft. Wenn man sich an einen kleinen Prinzen gewöhnt, wie den, der da gestern geboren wurde, dann lebt man mit dem für den Rest seiner Tage, weil man einfach weiß, der wird auch für den Rest seiner Tage eine wichtige Rolle im Weltgeschehen spielen.

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