Ludwigsburg | 17. April 2018

Sehnsucht, Schönheit, Liebesleid

Selten gespielte Werke der Romantik in der Marbacher Stadthalle Schillerhöhe

Wohltemperierter Liederabend: Klarinettist Christian Treiber mit der Sopranistin Johanna Pommranz und der Pianistin Ilonka Heilingloh.Foto: Ramona Theiss
Wohltemperierter Liederabend: Klarinettist Christian Treiber mit der Sopranistin Johanna Pommranz und der Pianistin Ilonka Heilingloh.Foto: Ramona Theiss

Marbach. „Kostbarkeiten aus der Romantik in Lied und Poesie“ standen am Sonntagabend beim Liederabend des Marbacher Klarinettisten Christian Treiber auf dem Programm. Gemeinsam mit der Sopranistin Johanna Pommranz und der Pianistin Ilonka Heilingloh brachte Treiber tatsächlich einen bunten Frühlingsstrauß historischer Lieder zu Gehör, die im Original für diese ungewöhnliche Besetzung geschrieben wurden. Unterstützung erhielten sie dabei durch Rüdiger Erk, der kurze Erläuterungen zu Komponisten und Textdichtern gab, vor allem aber die Liedtexte des Programms rezitierte, bevor diese dann als Musik erklangen. Auch wenn Erk nicht an allen Stellen davor gefeit war, ins melodramatische Deklamieren abzurutschen, wirkte es an diesem Ort, der mit Schillerworten übersäten Stadthalle, äußerst stimmig, das Gedicht als Auslöser einer Komposition erst gesprochen zu erfassen, um dann zu vergleichen, wie der Komponist die Gedanken, Ideen und Stimmungen darin in Musik übersetzt hat.

Schlanker Sopran, köstliche Dialoge

Verschiedener Librettisten hat sich Louis Spohr für seine „Sechs deutschen Lieder“ bedient, darunter Hoffmann von Fallersleben, Emmanuel Geibel und Ernst Koch, von dem „Das heimliche Lied“ stammt. Rasch wirkte das wohltemperierte Trio akklimatisiert, wobei dessen hochkultiviertes Zusammenklingen umso mehr beeindruckte, als Heilingloh kurzfristig für die ausgefallene Sarah Giesen eingesprungen war. Seit zehn Jahren unterrichtet Heilingloh an der Stuttgarter Musikhochschule Gesangskorrepetition, ihre Begleitung war nicht nur makellos, sondern auch offenkundig inspirierend und instruktiv: Unbedrängt konnte Pommranz ihren schlanken, aber skalierbaren Sopran erstrahlen lassen, in ausgezeichneter Artikulation mit offenen Vokalen und konturierten Konsonanten ließen sich die Verse über Themen wie Sehnsucht, Naturschönheit oder Liebesglück und -leid mühelos verfolgen.

Köstlich auch immer wieder die Dialoge mit der Klarinettenstimme, Treiber die Geschmeidigkeit in Person. Angemessen drastisch geriet Conradin Kreutzers „Das Mühlrad“ mit einem Text von Ludwig Uhland nach Joseph von Eichendorff: „Ich möcht’ am liebsten sterben / Da wär’s auf einmal still!“ In Giacomo Meyerbeers „Hirtenlied“ korrespondierten Pommranz, jetzt auf der Empore, und Treiber quer durch den Saal. Mit Felix Lachners „Frauenliebe und -leben“ rückte der Liederabend, auch das allerdings vollkommen überzeugend, leicht in Richtung Operette. Grandioser Höhe- und Schlusspunkt „Der Hirt auf dem Felsen“, formidabel realisiert die von Franz Schubert auskomponierten Echos im „Widerhall der Klüfte“, nun endgültig frappierend die sicher geführten Koloraturen von Pommranz – da ist dann die Mozart’sche Oper nicht mehr fern. „Ach“, seufzte es aus den Reihen: Mit einer versöhnlichen Zugabe, der traurig-tröstlichen „Romanze der Helene“ aus Schuberts „Die Verschworenen“, verabschiedeten sich die Musikerinnen, Treiber und Erk vom stehend applaudierenden Publikum.

Harry Schmidt
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