Ludwigsburg | 02. Februar 2018

Versöhnliche Töne in schwerer Zeit

Beim 33. Stiftungsfest des Pädagogisch-Kulturellen Centrums ehemalige Synagoge Freudental zogen die Verantwortlichen eine positive Bilanz der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel. Nahost-Expertin Inge Günther gab Einblick in ihre Erfahrungen. Zudem wurde der 2016 verstorbene ehemalige Geschäftsleiter Ludwig Bez posthum zum Ehrenmitglied ernannt.

Israel-Korrespondentin Inge Günther gibt als Stiftungsrednerin einen eher düsteren Blick auf den Friedensprozess im Nahen Osten. Foto: Theiss
Israel-Korrespondentin Inge Günther gibt als Stiftungsrednerin einen eher düsteren Blick auf den Friedensprozess im Nahen Osten. Foto: Theiss

Die deutsch-israelischen Beziehungen sind eine Herzensangelegenheit für die Mitglieder des Vereins Pädagogisch-Kulturelles Centrum ehemalige Synagoge Freudental. Das zeigte sich beim gestrigen Stiftungsfest sehr deutlich. Der Vorstandsvorsitzende Herbert Pötzsch blickte auf ein erfolgreiches vergangenes Jahr zurück. Vor allem das Ahnentreffen im Herbst sei für alle Seiten positiv verlaufen. Allerdings mahnte Pötzsch, dass die Welt durch das Erstarken von Autokraten und Diktatoren Gefahr laufe, Gewalt als Lenkungsmittel zu akzeptieren. Auch die aktuelle Lage in Nahost, wo Israelis und Palästinenser seit Jahren vergeblich auf die friedliche Beilegung ihres Konflikts hoffen, sei vertrackt. „Der Raum ist ein Pulverfass“, so Pötzsch. Das PKC will mit seinem Konzept des Erinnerns, Gedenkens, Lernens und Weitergebens dem Trend entgegenwirken.

Landrat Dr. Rainer Haas betonte ebenfalls, dass die Welt eine Institution wie das PKC immer dringender brauche. „Wer hätte denn gedacht, dass ein Mensch wie Trump mal US-Präsident wird“, rief er einer Delegation aus dem Landkreis Oberes Galiläa auf Englisch zu. Zudem sei Putin eine Herausforderung für die Politiker im Westen. „Nicht zu vergessen, dass wir selbst in der EU Mitgliedsländer haben, die sich wieder in eine negative Richtung entwickeln.“

Viel Lob und die Aussicht auf eine bessere Welt brachte Maren Steege. Sie ist Repräsentantin des Staates Israel in Baden-Württemberg. Sie argumentierte mit hebräischer Zahlensymbolik. So sei das Alter des PKC mit 33 gleichzusetzen mit dem Wert des Wortes „Amen“ und der des Davidssterns. Für Juden habe diese Gleichheit eine große Aussagekraft. „Wir müssen gemeinsam zukunftsorientiert Neues schaffen“, so ihr konkreter Aufruf.

Als Festrednerin hatte das PKC Inge Günther engagiert. Sie ist seit über 20 Jahren Israel-Korrespondentin und kennt Israelis und Palästinenser sowie deren Konflikte sehr genau. „Es wäre schön, wenn sich diese beiden eigentlich wirklich sympathischen und herzlichen Völker einigen könnten“, sagte Inge Günther. Nach dem Scheitern des Osloer Friedensprozesses im Jahr 2000 gebe es dafür jedoch in naher Zukunft keine Chance.

Die Israelis, vor allem, wenn sie weitab des Westjordanlands lebten, hätten kein großes Interesse mehr Mühen auf sich zu nehmen, weil sie von den Problemen nicht direkt betroffen seien. Die Palästinenser wiederum hätten ihr Vertrauen nicht nur in die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu, sondern auch in ihre Politiker verloren und hielten sie für korrupt. Hoffnung, den diplomatischen Stillstand zu durchbrechen, gebe es zurzeit nur dank Bewegungen wie „Frauen wagen Frieden“ sowie „Zwei Staaten eine Heimat“. Doch auch diese hätten einen beschwerlichen Weg vor sich.

Tobias Bumm
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