16. Oktober 2012

Wirtschaftsforscher: Folgen steigender Strompreise nicht absehbar

Halle (dpa) - Steigende Strompreise bergen nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die Gefahr, dass Unternehmen ins günstigere Ausland abwandern. Gleichwohl seien die Folgen für das Wachstum noch nicht absehbar.

«Man kann jetzt nicht belastbar beziffern, wie viel Wachstumspunkte es kosten oder vielleicht auch bringen würde», sagte IWH-Chefin und Leiterin der Abteilung Strukturökonomik, Jutta Günther, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dazu müsse man in der Lage sein, exakt den Saldo aus den Kosten, die die Energiewende verursacht, und den Nutzen, den sie auch mit sich bringt, zu bilden.

Die auf den Strompreis aufgeschlagene und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien - dazu gehören Sonne, Wind und Biomasse - steigt 2013 um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde. Das hatten die für die Verteilung des Ökostroms zuständigen Netzbetreiber am Montag in Berlin bekanntgegeben. Strom dürfte damit mindestens zehn Prozent teurer werden.

Die Energiewende ist nach Ansicht der Wirtschaftsforscherin wichtig und unumgänglich. «Da stecken Probleme, aber auch Chancen drin.» Die Kosten für konventionelle Energieträger, wie Öl und Gas, würden auf jeden Fall steigen. «Zum einen, weil sie sich mittel- und langfristig verknappen, zum anderen weil die Kosten für deren Gewinnung immer höher werden, etwa für Bohrungen und den Betrieb von Bergwerken.» Man müsse daher in Alternativen investieren. Die Energiewende werde aber wegen der Ökostromumlage auch die Produktionskosten besonders für einige Branchen in Deutschland erhöhen, unabhängig von etwaigen Ausnahmeregelungen, sagte Günther.

Damit bestehe die Gefahr der Abwanderung von Betrieben, die sehr stromintensiv produzieren. Zwar ließe sich etwa eine Chemiefirma nicht von heute auf morgen «einpacken» und in Osteuropa aufbauen. Von strategischer Bedeutung bei Entscheidungen von Unternehmen sei die Höhe der Stromkosten aber auf jeden Fall. «Andererseits bestehen auch Wachstumschancen in den Sektoren, die Umwelttechnologien entwickeln und herstellen, beispielsweise erneuerbare Energien oder Speichertechnologien», sagte Günther. «Da ist Deutschland international auch sehr wettbewerbsfähig, da muss man mit Innovationspolitik Anreize schaffen.» Die bisherige EEG-Förderpolitik sei verfehlt.

IWH

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