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Abschied nach 17 Jahren: Pfarrer Bührer sagt ade

Die Amanduskirche sei für ihn immer ein Sehnsuchtsort gewesen, sagt Andreas Bührer. Schon als er als Kind mit seinen Eltern regelmäßig aus Kornwestheim zum Familiengrundstück im Bottwartal fuhr, sei ihm das markante, um 1500 entstandene Gotteshaus stets ins Auge gestochen. „Mit der Amanduskirche verbindet mich eine Herzensbeziehung“, so Bührer.

Pfarrer Andreas Bührer – auf dem Foto mit seiner Frau Ute – kehrt der Freiberger Amanduskirchengemeinde nach 17 Jahren den Rücken. Foto: Holm Wolchendorf
Pfarrer Andreas Bührer – auf dem Foto mit seiner Frau Ute – kehrt der Freiberger Amanduskirchengemeinde nach 17 Jahren den Rücken. Foto: Holm Wolchendorf

Freiberg. Doch es sollte lange dauern, bis er an seinem Sehnsuchtsort als Pfarrer tätig werden durfte. Nachdem er 1992 sein Studium der evangelischen Theologie in Tübingen abgeschlossen hatte, heuerte er in Reutlingen zunächst zehn Monate als Pflegehelfer an. Er war bereits mit seiner Ehefrau Ute verheiratet, das erste von vier Kindern war noch während des Studiums zur Welt gekommen. „Damals kam man nach dem Studium nicht sofort ins Vikariat, weil es zu viele Bewerber gab“, erzählt Bührer. „Deshalb habe ich erst mal ein Jahr Pause eingelegt. Mit dem Job als Pflegehelfer konnte ich meine Familie zumindest einigermaßen durchbringen.“

Schließlich aber fand er doch eine Vikariatstelle in Kirchdorf an der Iller. Anschließend zog die Familie auf die Schwäbische Alb. Acht Jahre lang war Bührer Pfarrer in Herbrechtingen. Dort wurde er irgendwann auf eine Stellenausschreibung aufmerksam: Die Pfarrstelle in der Amanduskirchengemeinde in Freiberg war vakant.

Bührer ergriff die Gelegenheit beim Schopf und bewarb sich erfolgreich. 2004 wechselte er an seine neue Wirkungsstätte am Neckar. 17 Jahre sind seitdem vergangenen. Eine Zeit, in der seine Gemeinde etwa 20 Prozent ihrer Mitglieder verloren hat. Trotz dieses Schrumpfungsprozesses gab es viel zu tun. Etwa in der Notfallseelsorge, die er neben seinem Hauptamt von 2005 bis 2012 ehrenamtlich für den östlichen Landkreis Ludwigsburg leistete. Oder von 2013 bis 2017 als Asylpfarrer des evangelischen Dekanats Ludwigsburg, im ökumenischen Arbeitskreis Asyl Ludwigsburg und als Initiator des politischen Nachtgebets, das bis 2019 abwechselnd in der evangelischen Stadtkirche und der katholischen Dreifaltigkeitskirche auf dem Ludwigsburger Marktplatz stattfand.

Überhaupt sei ihm die ökumenische Zusammenarbeit eine Herzensangelegenheit, betont Bührer. Das gelte auch für die Eucharistiefeiern. „In Freiberg ist es uns in den vergangenen 17 Jahren gelungen, Möglichkeiten zu finden, die sehr nah an eine gemeinsame Tischgemeinschaft herankommen.“

Am Sonntagabend verabschiedete sich Bührer bei einem Freiluftgottesdienst auf dem Kirchplatz vor der Amanduskirche. Der scheidende Pfarrer betont, dass er Freiberg nicht im Groll verlässt, im Gegenteil. „Ich werde die Menschen, die vielen bekannten Gesichter und die Ehrenamtlichen vermissen“, ist er überzeugt.

Nun aber sei es an der Zeit für einen Neuanfang. Nach 17 Jahren sei es unvermeidlich, dass manches einschlafe. Sowohl er selbst als auch die Gemeindemitglieder hätten sich im eingespielten Verhältnis von Nähe und Distanz eingerichtet. „Um es in der Fußballsprache zu sagen: Der Mannschaft schadet es nicht, wenn sie einen neuen Trainer bekommt, der neue Impulse setzt.“

Pfarrer Andreas Bührer selbst will diese Impulse künftig in Esslingen setzen. Ab September betreut er dort als Pfarrer die beiden Stadtteile Hegensberg und Liebersbronn. Über seine Nachfolge in der Freiberger Amanduskirchengemeinde ist offenbar noch nicht entschieden. Bührer: „Es liegt eine Bewerbung vor, aber der Kirchengemeinderat wird sich erst im September mit der Nachfolge beschäftigen.“

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