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Ärger über zugeparkte Wohnstraßen in Großbottwar

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Statistiken wollen richtig gedeutet werden, das zeigte sich jetzt bei den dem Technischen Ausschuss des Gemeinderats präsentierten Zahlen zu Straftaten in Großbottwar. Die sind im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das hat aber einen positiven Grund.

Großbottwar. Fabian Strasser, der neue Leiter des Polizeipostens, erläuterte den Stadträten, was hinter dem Anstieg von 222 Delikten im Jahr 2020 auf 269 in 2021 steckt: eine hohe Aufklärungsquote, und zwar vor allem in zwei Fällen. Zum einen sei im Bereich Sexualdelikte eine mit Kinderpornografie in Verbindung gebrachte Chat-Gruppe geknackt und entsprechende Verfahren in die Wege geleitet worden. Zum anderen gehe es um einen Anstieg bei den Rauschgiftdelikten. Hier konnten laut Strasser wegen guter Ermittlungsarbeit der Polizei Drogenhändler dingfest gemacht werden. „Die Täter sind alte Bekannte“, meinte Andreas Mistele vom Polizeiposten. Die Frage aus dem Ausschuss, ob es in Großbottwar Drogen-Hotspots gibt, verneinte Fabian Strasser, und meinte nur: „Die gibt’s überall.“

Erfolgreiche Aufklärungsarbeit

Ebenfalls angestiegen sind die Zahlen bei den Körperverletzungen und den Sachbeschädigungen, während Diebstähle und Betrugsdelikte stark rückläufig waren. Auch das gehört zur Wahrheit: Durch die erfolgreiche Aufklärungsarbeit verdoppelte sich die Zahl der Tatverdächtigen im Vergleich zum Vorjahr auf 170 fast, darunter sind 136 Männer. Von rückläufigen Zahlen bei den Verkehrsunfällen berichtete zudem Andreas Mistele. Verzeichnet wurden 61 Unfälle, darunter keiner mit tödlichem Ausgang. Als Grund für den Rückgang nannte Mistele den Trend zum Homeoffice. „Es waren eben nicht so viel Leute unterwegs“, so der Polizeibeamte.

Dafür parken sie dicht an dicht die Wohnstraßen zu. Das wurde beim Tätigkeitsbericht des Gemeindevollzugsdienstes für 2021 deutlich. „Es gibt keine Ausweichmöglichkeit bei Gegenverkehr“, sagte CDU-Rat Matthias Wien. Markus Brosi (Freie Wähler) fügte an, dass die Gehwege auch noch mit Mülleimern zugestellt würden. Und wenn das Müllauto durchfährt, gehe es für die Autofahrer gar nicht mehr vorwärts, darauf machte Oliver Hartstang (SPD) aufmerksam. Er regte das Anbringen von Markierungen an, damit Ausweichmöglichkeiten eingerichtet werden können.

Das darf aber laut Bürgermeister Ralf Zimmermann bei einer Wohnstraße von fünf Metern Breite laut Vorschrift nicht gemacht werden. Ordnungsamtsleiterin Tanja Dinkel verwies darauf, dass Parken auf dem Gehweg jetzt 55 Euro kostet und versprach, stärker zu kontrollieren.

1263 Ordnungswidrigkeiten

Das geschah auch schon im vergangenen Jahr, denn es wurden insgesamt 1263 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen und damit 556 mehr als im Vorjahr. Was das im Alltag bedeutet, berichtete die Gemeindevollzugsbedienstete Hannelore Weber. Da treffe sie dann auf sehr ungehaltene Autofahrer, wenn sie sie etwa darauf aufmerksam mache, dass beim Parken in der Innenstadt eine Parkscheibe benötigt werde. „Ich muss mir da schon viel anhören“, so Weber.

Der Platz vor der Harzberghalle sei auch weiterhin Treffpunkt der Autoposer-Szene, bestätigte sie auf Nachfrage. Durch mehr Präsenz vor Ort könnte das verhindert werden. Aber Hannelore Weber machte auch deutlich, dass sie da nicht allein erscheinen werde. „Wir gehen da mal zusammen“, versprach Ralf Zimmermann.