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Ärztehaus soll Löchgau viele Vorteile bringen

Auf dem Parkplatz Nonnengasse, direkt neben dem Rathaus gelegen, soll das Ärztehaus gebaut werden. Foto: Andreas Becker
Auf dem Parkplatz Nonnengasse, direkt neben dem Rathaus gelegen, soll das Ärztehaus gebaut werden. Foto: Andreas Becker
So euphorisch ist die Stimmung bei einer Gemeinderatssitzung selten: Als „Segen und großen Glücksfall“ bezeichnen die Löchgauer Gemeinderäte die Pläne, im Ortskern eine neue Hausarztpraxis anzusiedeln. Nicht nur, weil damit langfristig die ärztliche Versorgung in Löchgau gesichert ist. Die Kommune verspricht sich noch weitere Vorteile.

Löchgau. Diese Entscheidung dürfte viele Löchgauer freuen: Auf dem Parkplatz Nonnengasse, direkt neben dem Rathaus gelegen, soll wie berichtet eine neue Hausarztpraxis entstehen. Einstimmig haben sich die Gemeinderäte am Donnerstagabend dafür ausgesprochen, die Pläne mit Nachdruck und Priorität weiterzuverfolgen. Mittelfristig sorgt diese Entscheidung für Entlastung bei der Arztsuche in Löchgau, denn die zwei vorhandenen Hausärzte sind jetzt schon sehr gut besucht. Nicht immer können Patienten sofort aufgenommen werden. „Gerade die Sicherstellung der hausärztlichen Grundversorgung stellt eine große Herausforderung für die Städte und Gemeinden dar und gestaltet sich zunehmend schwierig“, zeigte Bürgermeister Robert Feil eine Entwicklung auf, von der viele Kommunen betroffen sind.

Bubeck-Praxen kommen nach Löchgau

Umso größer war die Freude im Gremium, dass für Löchgau eine Lösung gefunden wurde: Die Bubeck-Praxen mit Sitz in Vaihingen und Niederlassungen unter anderem in Sachsenheim und Besigheim sind bereit, eine Praxis im Ort zu eröffnen. Details zum Konzept der Gruppe stellte Bubeck-Sprecher Frank Breckwoldt im Gremium vor. Man werde eine „moderne und sich auf höchstem Niveau befindliche Praxis betreiben“, warb er. Das Besondere: Ärztliche Versorgung und administrative Aufgaben seien voneinander getrennt. „Ärzte können bei uns Ärzte sein“, machte Breckwoldt deutlich; sie müssten weder Rechnungen schreiben, noch auf Personalsuche gehen. In den Gemeinschaftspraxen arbeiten üblicherweise angestellte Ärzte – aus Sicht von Experten ein Konzept mit Zukunft, da immer weniger Allgemeinmediziner eine eigene Praxis gründen oder übernehmen wollen. Bei Krankheit oder Urlaub könne man von anderen Standorten Personal einsetzen und so Schließungen weitgehend vermeiden, erläuterte Breckwoldt. Ansonsten laufe alles ähnlich ab wie in klassischen Hausarztpraxen: Patienten würden in der Regel immer vom selben Arzt betreut, Besuche im Pflegeheim seien selbstverständlich. Ebenso wie Hausbesuche, wenn die Patienten nicht mobil seien. Nach den künftigen Öffnungszeiten und danach, wie viele Patienten in Löchgau aufgenommen werden können, fragte Gemeinderat Oliver Siegel (FWL). Doch dazu gab es noch keine konkreten Aussagen. Frank Breckwoldt versprach aber: „Einen Aufnahmestopp wie in anderen Praxen wird es nicht geben.“ Bei Bedarf stelle man weiteres Personal ein.

Seniorengerechte Wohnungen in den Obergeschossen

Wie genau die Planungen auf dem Parkplatz Nonnengasse aussehen, stellte Michael Kerker vom Büro KMB vor. Entstehen soll das Ärztehaus im östlichen Bereich des Geländes, beim Grünwall. Weil dadurch einige Parkplätze wegfallen, ist eine Tiefgarage vorgesehen. Die Praxis selbst werde im Erdgeschoss untergebracht sein, vier Behandlungsräume sind in den Plänen eingezeichnet. „Daneben könnten weitere Räumlichkeiten für Fachärzte, ergänzende Dienstleistungen im Gesundheitsbereich oder für seniorengerechte Wohnungen vorgesehen werden, wobei der Bedarf noch zu klären wäre“, erläuterte Bürgermeister Feil. Die zwei Vollgeschosse und das Dachgeschoss seien barrierefrei erschlossen und mit einem behindertengerechten Aufzug erreichbar. Bei Bedarf könne das Gebäude erweitert werden, informierte Kerker. Der Parkplatz, der vor rund 25 Jahren als Provisorium angelegt worden war, wird neu begrünt und bekommt eine neue Oberfläche. Fahrradstellplätze sind ebenfalls vorgesehen. Ebenso wie Platz für eine Bühne – Feste und Veranstaltungen können also weiterhin auf dem Platz stattfinden.

Eine Zahnarztpraxis wäre toll

Bürgermeister Feil bezeichnete die Planung als „absoluten Segen“, denn man könne damit gleich mehrere Ziele erreichen: Er sieht nicht nur die Hausarztversorgung langfristig gesichert, sondern auch die Ortsmitte als Ganzes gestärkt. Die umliegenden Einzelhändler und die Apotheke würden vom Publikumsverkehr profitieren. „Darüber hinaus würde eine Neuordnung des Parkplatzes auch städtebaulich einen erheblichen Mehrwert bieten.“ Ähnlich argumentierten auch die Gemeinderäte: „Ich freue mich riesig, dass die Planungen so weit sind. Das ist ein Segen für den Ort“, meinte Birgit Griesinger (FWL). Robert Fiesel (SPD) sprach von einem „Glücksfall“ und fände es super, wenn sich vielleicht noch eine Zahnarztpraxis in dem Gebäude niederlassen würde.

Baubeginn könnte im nächsten Jahr sein. Die Umgestaltung des Parkplatzes bildet auch den Auftakt für die weitere Sanierung der Ortsmitte mit Rathaus- und Marktplatz sowie Hauptstraße. Die Pläne dafür sollten eigentlich zeitnah umgesetzt werden, stehen nun aber erst mal zurück, machte Feil deutlich.