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Akrobaten und Fußball auf dem Arsenalplatz

Schon früher ein Ort, der vielfältig genutzt wurde – Baumpflanzung als Klimapolitik auch vor über 150 Jahren

Heller Kies mit hoffentlich bald Schatten spendenden Zierkirschen am Hotel-Vorplatz in der Bauhofstraße: So oder so ähnlich könnte es auf dem Arsenalplatz aussehen. Foto: Holm Wolschendorf
Heller Kies mit hoffentlich bald Schatten spendenden Zierkirschen am Hotel-Vorplatz in der Bauhofstraße: So oder so ähnlich könnte es auf dem Arsenalplatz aussehen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der Arsenal- und Schillerplatz sollen umgestaltet werden. Inzwischen liegen Entwürfe dafür vor, in einer Online-Umfrage werden die Bürger befragt. Der erste Preis schlägt vor, einen Stadtplatz mit chinesischen Glockenbäumen zu schaffen – um das Klima in der Innenstadt zu verbessern. Im Kleinformat kann der Platz in der Bauhofstraße damit verglichen werden: Der Untergrund mit hellem Kies, die Bäume sollen Schatten spenden. Wobei es dort jedoch Zierkirschen sind.

Klimapolitik scheint keine Erfindung von heute zu sein. Ludwigsburg bekommt bald ein Wetter wie Mailand, hieß es, als die Stadt vor einiger Zeit ein Klimakonzept vorstellte, das nach mehr Grün und mehr Schatten rief. Doch schon in den 1860er Jahren haben Ludwigsburger die in der hochsommerlichen Mittagsglut unerträglich heißen und staubigen Straßen bemängelt, die den Schreiber geradezu an die Sahara erinnerten.

Und was schlagen „die Väter unserer Stadt“, wie es damals hieß, vor? Einen begrünten Arsenalplatz, einen begrünten Marktplatz und einen grünen Boulevard. Und das nicht allein der Schönheit willen, sondern um das Klima in der Stadt zu verbessern. Damals sprach man von der „örtlichen Salubrität“, der Klimaverträglichkeit, worin auch das lateinische Wörtchen Gesundheit versteckt ist. Und die war anscheinend auch den Bürgern was wert, die sich bereit erklärten, die auf ihren Bereich entfallenden Bäume zu finanzieren – wobei auch an Alleen gedacht war, in der Schorndorfer Straße und in der Lindenstraße.

Überlegt wurde zudem, ob eine „doppelte Baumreihe“ vom Rathaus über den Marktplatz bis zum Holzmarkt gepflanzt werden soll, wie die Ludwigsburger Zeitung, heute LKZ, damals berichtete. Während die Bäume auf dem Arsenalplatz „von den Franzosen“ (waren es Kriegsgefangene?) gepflanzt wurden, ließ man wohl von dieser Idee ab.

Aber auch schon damals gab es Stimmen, die nur entlang der Straße zwei Baumreihen auf dem Arsenalplatz befürworteten, zumal dieser auch für andere Zwecke benötigt wurde. Nach wie vor war dort die Kaserne belegt, der Platz, auch Exerzierplatz, hatte noch militärischen Charakter. Die Garnison ging sogar so weit, auf dem Gelände öffentlich Soldaten den Prozess zu machen. So wird berichtet, dass 1863 in Anwesenheit der Truppen das „kriegsrechtliche Urteil“ gegen drei Soldaten verhängt wurde, die des Diebstahls überführt worden waren. Sie wurden aus dem Militär ausgestoßen und zu Haftstrafen verurteilt. Ein Schauspiel, wie die Zeitung berichtete, wie es das schon länger nicht mehr gab.

Mit großem Geprotze ist auch nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 jede Menge Kriegsgerät auf dem Platz ausgestellt worden, wobei dies vor allem Auswärtige in den Bann zog, die Ludwigsburger selbst aber weniger beachteten, weil sie an das Militär in der Garnisonsstadt gewöhnt waren.

Mit der Zeit kamen andere Themen auf. Der Arsenalplatz wurde in späteren Zeiten immer mehr zum bürgerlichen Platz, auf dem man sich schon früh Veranstaltungen wünschte, von „Spiel und Tanz, Karussell, Theater“ war die Rede, wie die Autorin Christa Lieb bei der Durchsicht der frühen Ausgaben der LKZ feststellte. Und tatsächlich: Der Exerzierplatz wurde sogar zum Fußballplatz. Ab 1911 begannen die „Ludwigsburger Kickers“ dort gegen die Soldaten anzutreten, verloren aber gleich mal 5:1. Später wurden Spiele gegen Pforzheim und Zuffenhausen ausgetragen.

Und dann kam auch noch der Zirkus, wie man 1919 begeistert von der „Hochflut an Genüssen für Aug’ und Ohr“ berichtete. Es gab dressierte Pferde zu sehen sowie, eine Begrifflichkeit, die heute bedenklich wäre, „Arabergruppen mit akrobatischen Künsten, Kamerun-Neger und Feuerspeier“. Auf dem Platz machte auch eine weltberühmte Seiltänzerfamilie halt, um ihre Künste zu zeigen.

Doch wie stand es um das Grün auf dem Platz? Der Rasen und die Hecke, meinte ein Leser, sollte entfernt werden. Aber vor allem wegen des Hundeproblems.

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