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Aldinger misst Rekordniederschlag

Unwetter wüteten am Montag und Dienstag im Landkreis. In Aldingen prasselte der Regen besonders heftig vom Himmel: Wolfgang Schweizer hat im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes ein Niederschlagsvolumen von 81 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen – mehr als jemals zuvor im Remsecker Stadtteil.

Seit 2005 misst Wolfgang Schweizer für den Deutschen Wetterdienst die Niederschlagsmengen in Aldingen. So viel Regen wie von Montag auf Dienstag sei bisher einmalig, sagt er. Foto: Andreas Becker
Seit 2005 misst Wolfgang Schweizer für den Deutschen Wetterdienst die Niederschlagsmengen in Aldingen. So viel Regen wie von Montag auf Dienstag sei bisher einmalig, sagt er. Foto: Andreas Becker

Remseck. Als gelernter Gärtner ist es Wolfgang Schweizer gewohnt, das Wetter genau zu beobachten. Schon sein Vater habe das so gehandhabt, erzählt er, und in seiner Lehrzeit habe er ein Tagebuch geführt, in dem er alltäglich seine Wetterstudien notierte.

An ein solches Unwetter wie zu Wochenbeginn aber kann sich auch Schweizer nicht erinnern. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Aldinger. Der Deutsche Wetterdienst, in dessen Auftrag er die Niederschlagsmengen auf seinem Betriebsgelände misst, hatte Turbulenzen mit heftigem Starkregen zwischen 50 und 70 Litern pro Quadratmeter und Stunde sowie Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern vorausgesagt.

In Aldingen wurde es dann sogar noch ein bisschen heftiger. Es regnete so stark, dass Schweizer den Auffangbehälter seiner Messstation sieben Mal in einen Messzylinder gießen musste. Von Montag bis Dienstagmorgen – der Deutsche Wetterdienst lässt die Niederschläge stets in 24-Stunden-Intervallen erfassen – hatten sich 81 Liter pro Quadratmeter angesammelt.

Das sei absolut außergewöhnlich, betont Schweizer. Bei einem kurzen, aber intensiven Gewitter registriere er in der Regel etwa sieben Liter. An einem ausgiebigen Regentag kämen zehn, vielleicht auch mal zwölf Liter zusammen. „Aber 81 Liter an einem Tag, das ist etwa das Zehnfache eines normalen Gewitters“, wundert er sich.

Auch die Windstärke in der Region Stuttgart war extrem. Der Sturm blies von Südwesten, eine Windböe erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 111 Stundenkilometern. Das war zu viel für Schweizers Gewächshaus. Schon Böen von 70 bis 80 Stundenkilometern verursachten Schäden am Gebäude, erzählt er. Zu Beginn der Woche aber habe der Wind gleich fünf Scheiben aus der Verankerung geblasen. Durch die jeweils einen Quadratmeter großen Öffnungen schoss das Wasser hinein, „ich stand bis zu den Knien im Schlamm“.

Schon im vergangenen Sommer hatte ein starker Nordwind eine Fensterscheibe des Gewächshauses beschädigt. Wolfgang Schweizer, der bereits seit 2005 die Niederschlagsmengen für den Deutschen Wetterdienst erfasst, ist überzeugt, dass sich das Klima in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. Die Winter seien wärmer, die Sommer trockener geworden, trotz der im Vergleich zu den Vorjahren bisher üppigen Niederschläge in diesem Jahr.

Auch Extremwetterereignisse wie Hagelniederschläge seien nun häufiger zu beobachten. „Als ich als kleiner Junge einmal mit meinem Vater im Gewächshaus stand, hatte es gerade gehagelt“, erinnert sich Schweizer. „Mein Vater fand das damals so bemerkenswert, dass er das ausdrücklich erwähnte. Ich hatte noch nie Hagel gesehen – heute weiß jedes Kind, was das ist.“

Er wolle nichts dramatisieren, betont Schweizer. Unwetter, auch heftiger Natur, habe es früher schon gegeben. „Aber das Wetter hat sich verändert. Das kann jeder feststellen, der aus dem Fenster schaut.“

Schweizer würde gerne auch in Zukunft ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst arbeiten. Es bereitet ihm Freude, den Wetterfrosch zu spielen. Allerdings könnte die Offenbacher Behörde seiner Hoffnung einen Riegel vorschieben. Alle paar Jahre werden die Areale, auf denen sich Messstationen befinden, kontrolliert. Die letzte Inspektion ergab, dass einige Bäume auf Schweizers Betriebsgelände zu groß geworden sind und die Messergebnisse verfälschen könnten.

„Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich keine Probleme damit hätte, den Baum zu fällen“, sagt Schweizer. Doch dann zimmerten sich seine Enkel just auf jenem Gehölz ein Baumhaus zusammen und legten ihr Veto ein, die Baumfällung war vom Tisch. Der Gärtner hat allerdings einen Plan B in der Hinterhand. „Ich werde dem Wetterdienst vorschlagen, die Messstation auf meinem Grundstück zu versetzen. Das hat aber noch Zeit bis zur nächsten Überprüfung.“

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