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Am Standort wird nicht gerüttelt

Stadt und Klinikum setzen sich mit den Anwohnern an einen Tisch – Thema Verkehrsberuhigung steht ganz oben

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Foto: Büro Wick+Parner/LKZ

Ludwigsburg. Im Ratssaal im Kulturzentrum haben sich diesmal nicht die bekannten Gesichter aus der Kommunalpolitik beraten. An den Tischen sitzen – coronagerecht vom Nachbarn abgeschirmt durch die neuen Plexiglasscheiben – die Anwohner aus den Straßen rund um das Klinikum, das jüngst seine Zukunftspläne für eine mögliche Umstrukturierung und weitere Bauten vorgelegt hat. Die Bürger, unter ihnen auch Vertreter des Stadtteilausschusses Oststadt, durften am Mittwochabend ihre Sicht der Dinge darlegen –und davon machten sie reichlich Gebrauch.

Am Standort selbst wird nicht mehr gerüttelt, auch wenn vor Monaten, als die Pläne bekannt wurden, Anwohner dies gefordert hatten und vorschlugen, die Klinik außerhalb der Stadt anzusiedeln. Davon war an diesem Abend nicht mehr die Rede, Stadtplaner Martin Kurt machte für die Stadt Ludwigsburg auch deutlich, dass der Standort nicht infrage gestellt werde, „es gibt keine Alternative dazu“, betonte er. Eine Umsiedlung wäre auch wirtschaftlich nicht darstellbar.

Was die Anwohner wirklich bewegt, ist das Gesamtprojekt. Will das Klinikum größer werden mit noch mehr Lärm- und Verkehrsbelastung für die Anwohner? Wie sieht es mit dem zunehmenden Verkehr in den Wohnstraßen aus, insbesondere aber in der Erlachhofstraße? Werden bei den Schwesternwohnheimen noch mehr Wohnungen entstehen?

Klar ist, dass man sich weniger Verkehr in den Straßen wünscht, die täglich zugeparkt sind: vom Schwesternwohnheim, wo statt die Tiefgarage zu nutzen mehr in den Straßen geparkt wird, von der Dialyse, zu der täglich die Autos und Taxis die Patienten fahren. Dazu die 167 Notfälle, die es täglich im Schnitt zu versorgen gibt und die mit Rettungswagen oder Privatfahrzeug gebracht werden. Wie eine Frau berichtet, werden Patienten und Angehörige im Notfall immer direkt vorfahren und nicht erst ihr Auto im Parkhaus abstellen. Weitere Fragen der Anwohner zu dem Projekt greifen wir hier auf:

Was hat das Klinikum vor? Sollen weitere Fachbereiche dazukommen?

Es gebe ein Plus an Flächen, das Klinikum werde aber seine Bettenzahl nicht verdoppeln, so Anne Matros, Regionaldirektorin des Klinikums, und Projektleiter Michael Schröder vom Büro Wick + Partner. Ziel sei, das Klinikum, das bereits ein Maximalversorger ist, neu zu strukturieren, die einzelnen Bereiche so zu ordnen, dass es für die Patientenversorgung sinnvoll sei, aber auch auf die Anliegen der Anwohner Rücksicht genommen wird. Beispielsweise soll die ambulante und stationäre Versorgung, beide im Haupthaus, räumlich entzerrt werden.

In dem vorgelegten Rahmenplan sollen alle Flächen rund ums Klinikum überbaut werden. Was kommt danach? Und wie weit geht man in die Höhe?

Der Plan soll nicht nur zeigen, wie sich das Krankenhaus weiter entwickeln kann und wo bestimmte medizinische Bereiche angesiedelt werden können. Gedacht ist dabei an einen Zeitraum über Jahre hinweg, der Rahmenplan bezieht sich laut Projektleiter Schröder auf die nächsten zehn bis 15 Jahre. „Der Plan zeigt umgekehrt auch die maximale Grenze auf“, so Stadtplaner Kurt. Er beschränkt also auch die Flächen, Anwohner müssen mit keinen Überraschungen rechnen. Um alle Klinikbereiche zu entzerren und unterzubringen, wird man in die Höhe gehen. An weitere Hochhäuser, in Anlehnung an das Bettenhaus, ist nicht gedacht. An der Harteneckstraße können es bis zu viergeschossige Gebäude werden.

Wo wird der Hubschrauber künftig landen und wie viele Alternativen gibt es?

Der Hubschrauber-Landeplatz ist immer wieder ein Thema bei Anwohnern, insbesondere wegen des täglichen Lärms. Untersucht werden derzeit zwei Alternativen, auf dem Bettenhochhaus, das einen mächtigen Trägeraufbau benötigen würde (wir berichteten), oder auf dem neuen Parkhaus in Richtung Harteneckstraße, aber vom Rand abgerückt. Ziel ist, den künftigen Landeplatz möglichst zentral und nah am Haupthaus zu platzieren. Er soll als Ersatz für den bestehenden dienen. Für die weitere Bearbeitung benötigt man eine luftfahrtrechtliche Genehmigung, die beim Regierungspräsidium beantragt werden muss. Zwei getrennte Landeplätze gleichzeitig zu betreiben, ist nicht (mehr) vorgesehen.

Wie kann der Verkehr in den Straßen beruhigt werden?

Die Planer gehen davon aus, dass langfristig die Erlachhofstraße, die derzeit stark befahren ist, etwas entlastet werden kann. Unter anderem durch eine Umgestaltung und, so Schröder, durch eine Verlagerung der Dialyse (anders im Rahmenplan, siehe Grafik, angedacht) in Richtung Harteneckstraße. Auch die Küche und die Wäscherei versucht das Klinikum zu verlagern. Das Klinikareal soll hauptsächlich über die Harteneckstraße erschlossen werden, die an das übergeordnete Netz angebunden ist. Die Überquerung der Straße ist nach Ansicht der Anwohner ein großes Problem, zumal auch Kita-Kinder und Grundschüler dort unterwegs sind. Auch die Kreuzung ist unübersichtlich, Anliegerschilder werden missachtet. Etwa auch von Besuchern des Blühenden Barock.

Wo kommt das Parkhaus hin und wie geht man mit dem Parksuchverkehr um?

Das Klinikum, dem nach eigenen Angaben rund 400 Stellplätze fehlen, will als Erstes das bestehende Parkhaus erweitern und insgesamt modernisieren. Die Zufahrt erfolgt künftig über die Harteneckstraße. Damit Autofahrer auch wirklich ins Parkhaus fahren, erwarten die Anwohner entsprechende Maßnahmen. Die Stadt beabsichtigt, wie Kurt darlegt, die Straßen wie beispielsweise in der Parkzone Ost zu bewirtschaften. Kostenloses Parken in den Straßen ist dann nicht mehr möglich.

Wenn die Wohnheime abgerissen und neu gebaut werden, werden es dann mehr Wohnungen? Reichen die Parkplätze?

Nach Angaben des Projektplaners werden die Wohnheime für das Klinikpersonal, weil extrem sanierungsbedürftig, abgerissen und neu gebaut. Auch die Dialyse, sobald sie in einigen Jahren verlegt werden kann, soll durch ein Apartmenthaus ersetzt werden. Eine Tiefgarage soll dazu beitragen, dass genügend Parkplätze vorhanden sind. Dass mit diesen Wohnungen, das Klinikpersonal kommt meist von außerhalb, der starke Verkehr bleiben wird, wurde kritisch angemerkt.

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