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An der Strohgäubahn wehen die roten Fahnen

SPD-Spitzenkandidat Stoch nimmt das Nebenbähnle und wirbt für eine City-Maut – die Anlieger für eine Verlängerung nach Feuerbach

Bitte Abstand halten: Der Spitzengenosse Stoch (2. v. re.) mit den Rathauschefs Makurath und Wolf sowie Landtagskandidat Liebig. Foto: Wolschendorf
Bitte Abstand halten: Der Spitzengenosse Stoch (2. v. re.) mit den Rathauschefs Makurath und Wolf sowie Landtagskandidat Liebig. Foto: Wolschendorf

Strohgäu. Als die Strohgäubahn am Donnerstagmittag im Korntaler Bahnhof abfahrbereit ist, will keiner den ersten Schritt in den Zug machen. Die (Ober-)Bürgermeister Michael Makurath aus Ditzingen und Joachim Wolf aus Korntal-Münchingen nicht – und auch nicht der Asperger SPD-Landtagskandidat Torsten Liebig. Also marschiert Andreas Stoch voran, der sozialdemokratische Fraktionschef im Landtag und Spitzenkandidat der Genossen. Er hat noch vor Augen, wie bei den Koalitionsverhandlungen 2016 die CDU-Unterhändler Guido Wolf und Thomas Strobl sich nicht einig waren und dann gemeinsam im Türrahmen klebten.

Als sich das Bähnle dann in Richtung Münchingen, Schwieberdingen, Hemmingen und Ditzingen-Heimerdingen in Bewegung setzt, nutzen die Akteure aus dem Strohgäu die Chance, um für ihre Schienenverbindung zu werben – und das Bewusstsein des Spitzengenossen Stoch für die Probleme zu schärfen. Dafür haben sie etwas mehr als 20 Minuten Zeit. Knapp 52 Millionen Euro hat die Modernisierung der Strohgäubahn die Kommunen und den Kreis gekostet, etwa die Hälfte kommt wieder über Zuschüsse herein.

Die S-Bahn geht gerade vor

Der Kandidat Liebig, der im grünen Verkehrsministerium arbeitet, lobt das Projekt als Baustein für die Mobilität der Zukunft. Der Asperger erinnert daran, dass bei der Ertüchtigung vier Kommunen und der Kreis nicht gewartet hätten, sondern selbst aktiv geworden seien. Allerdings für einen hohen Preis: Denn für die neue Strohgäubahn ist bekanntlich anders als vorher in Korntal Schluss. Der Bürgermeister Wolf und der Ditzinger Makurath sprechen sich seit langem dafür aus, das Bähnle wieder über Korntal hinaus ins S-Bahn-Netz Richtung Feuerbach zu führen. Für die nötige Technik haben sie viel Geld bereitgestellt.

Allerdings blockiert der Stuttgarter Regionalverband weiter die Pläne. Er will lieber zusätzliche S-Bahnen der Linie 6 aufs Gleis setzen, die auch Wolfs und Makuraths Kommunen anbindet. Chancen räumt der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler der Strohgäubahn im hochbelasteten Schienennetz erst nach S21 ein.

Stochs Parteifreund Liebig hat sich längst pro Strohgäubahn positioniert. Er ist auch für die Stadtbahn zwischen Markgröningen und Ludwigsburg, die Verlängerung der S5 über Bietigheim hinaus und für eine Mobilitätsabgabe – besser bekannt als City-Maut. Die Idee: Autofahrer bezahlen einen Betrag x, um in die Innenstädte zu kommen, und erhalten dafür Fahrscheine für Busse und Bahnen. Mit den Einnahmen wird der ÖPNV ausgebaut. Das Problem schildert Stoch, als die Strohgäubahn Schwieberdingen erreicht. Bisher fehle ein rechtlicher Rahmen, der es den Kommunen erlaube, solch eine Abgabe zu erheben. „Wir würden in der Landesregierung den Städten und Gemeinden diese Möglichkeit geben.“

50 Prozent weniger Fahrgäste

Den Einsatz der Anrainerkommunen und des Kreises für das Nebenbähnle bewertet der Spitzenkandidat als vorbildlich. Vor Corona nutzten knapp 4000 Fahrgäste die grün-gelben Züge am Tag – Schüler, Auszubildende, Berufstätige und Freizeitfahrer. Dann ging es laut Horst Windeisen von der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft um bis zu 50 Prozent herunter.

An der Endstation in Heimerdingen begrüßen nun örtliche Genossen die Delegation mit roten Fahnen. Die Stadträtin Erika Pudleiner überreicht Stoch ein Fläschchen – einen Roten, klar. Dann geht es für den Spitzenkandidaten weiter in den Enzkreis.

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