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Analytischer Blick aus der Ferne

Eventreihe „Narrating Africa: #Step Two“: Die Autoren Nuruddin Farah und Jennifer Nansubuga Makumbi im Gespräch

Katstadt/Manchester/Marbach. Zwei recht unterschiedlich temperierte Stimmen waren nach der Eröffnungsveranstaltung vor einer Woche zum ersten Termin des vom Deutschen Literaturarchiv organisierten Literaturfestivals „Narrating Africa“ geladen, mit dem die gleichnamige Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne ihre Fortsetzung als Eventreihe erfährt (wir berichteten).

Moderiert von Annette Bühler-Dietrich unterhielten sich der in Somalia geborene, in Äthiopien aufgewachsene Schriftsteller Nuruddin Farah und die aus Uganda stammende Autorin Jennifer Nansubuga Makumbi in englischer Sprache über das Thema „Reclaiming the Past, Reshaping the Present“ (Die Vergangenheit zurückerobern, die Gegenwart neu gestalten). Für beide ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Herkunftsländer zentraler Inhalt ihres Schreibens, beiden nehmen dabei eine Position ein, bei der es sich um einen Blick aus der Entfernung handelt. Farah verließ 1976 seine somalische Heimat, um der Verfolgung durch das Regime von Siad Barre zu entgehen – die meisten seiner 13 Romane entstanden im Exil. Makumbi, die in Uganda Englisch und Literatur studiert und unterrichtet hat, emigrierte 2001 nach England, wo sie an verschiedenen Hochschulen lehrte. Für ihre Doktorarbeit, die 2014 erschienene Novelle „The Kintu Saga“, wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen bedacht.

Eine weitere Gemeinsamkeit besteht im Interesse für die Situation der Frauen in afrikanischen Gesellschaften. Seit 1970 sein erster Roman „From a Crooked Rib“ („Aus einer gekrümmten Rippe“) erschien, der die Geschichte eines Nomadenmädchens erzählt, das vor einer arrangierten Ehe flieht, erhalte er an „Mrs. Farah“ adressierte Post, so der aus Kapstadt zugeschaltete 75-Jährige. Zu Beginn hatte er den Anfang von „Maps“ (1986) vorgelesen. Im Wechsel von Erzählperspektiven versuche er, zur Wahrheit zu gelangen. Und: Familie sei die Quelle, aus der sich die Diktatur speise.

Feministische Perspektive

Eine explizit feministische Perspektive nimmt Makumbi in ihren Arbeiten ein: Aus der traditionellen Identifikation von Frauen mit dem Element des Wassers in der ugandischen Folklore folge, dass Frauen kein Landbesitz zustehe, erfährt man, als sie einen Ausschnitt ihrer jüngsten Veröffentlichung „The First Woman“ vorträgt. Gleichwohl sei sie überzeugt, dass „westlicher Feminismus“ sich nicht ohne weiteres auf afrikanische Verhältnisse übertragen lasse, meinte Makumbi von Manchester aus: Der müsse „aus dem Inneren der indigenen Gesellschaften selbst“ entwickelt werden. Hierbei helfe das Studium traditioneller Mythen und Sagen, die es zu „decodieren“ gelte. Erst in diesen Erzählungen habe sie ihre Wurzeln gefunden: „Geschichten rahmen und unterweisen mein Schreiben.“

Sowohl die 1967 geborene Autorin als auch Farah, Jahrgang 1945, betonten, beim Schreiben nicht viel über Literatur nachzudenken: „Strukturen sind nur der Zug, mit dem die Story reist“, sagte Makumbi. „Geschichte und Fiktion sind Geschwister“, allerdings sei Erstere für sie ein Werkzeug und der Story untergeordnet. In seinem Buch gebe es „keine Trommeln, keine Tänze, keine mit dem Hintern wackelnden Frauen“, erinnert Farah die Vorbehalte eines Verlegers bei der Frankfurter Buchmesse. „Afrikanische Literatur ist immer noch vom Westen determiniert“, pflichtete Makumbi bei. Bedächtig und gelassen in Wortwahl und Tonfall, hielt Farah dagegen: „Bücher finden Freunde, auch unabhängig vom Markt.“

Info: Ein Mitschnitt des Gesprächs ist in Kürze auf www.literatursehen.com abrufbar.