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Angeklagter äußert sich zu den Vorwürfen

Zwei gesprengte Bankautomaten, zahlreiche Zeugen, mehrere Täter. Einer davon wird erschossen. Sein Komplize hat sich gestern zu den Vorwürfen der Tat in Erligheim geäußert. In Ottmarsheim will er nicht beteiligt gewesen sein.

Heilbronn. Kurz nach Beginn des zweiten Verhandlungstags am Landgericht Heilbronn im Prozess um die Sprengung zweier Bankautomaten, bat die Verteidigerin darum, sich mit ihrem Mandanten zu besprechen. Nach gut einer Stunde gab der 29-Jährige an, sich zu den Tatvorwürfen äußern zu wollen. Wie mehrfach berichtet, wird ihm zur Last gelegt, einen Geldautomaten der Kreissparkasse in Besigheim-Ottmarsheim sowie in Erligheim gesprengt zu haben. „Zu Ottmarsheim kann ich nichts sagen“, meinte der Angeklagte. Er sei nicht nur das „komplette Wochenende“, sondern auch zum Zeitpunkt der dortigen Automatensprengung am 20. Oktober vergangenen Jahres bei seiner Verlobten und deren Familie gewesen. Am Abend habe er Steaks und Bratkartoffeln gemacht, erinnerte sich der Angeklagte, alle hätten Wein getrunken und zusammen einen Film angeschaut. „Gegen halb zwei bin ich schlafen gegangen.“

Zu der Sprengung des Geldautomaten in Erligheim könne er mehr sagen, gab der Angeklagte zu Protokoll. „Den Toten habe ich gekannt“, sagte er. Mit dem 58-Jährigen, der in der Tatnacht des 12. Novembers 2020 erschossen worden war, habe er seit 2019 etwa alle drei Monate geschäftlich zu tun gehabt. „Er hat Interesse an alten Autos gezeigt“, sagte der 29-Jährige, der in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen) seinen Vater in dessen Autowerkstatt mit einem Fahrzeughandel unterstützen wollte.

Der 58-Jährige ihn „einen Tag vor der Tat“ angerufen und gefragt, wo er sich aufhalte, sagte der Angeklagte. „Er hat erzählt, dass er ein Auto verkaufen will. Ich sollte ihn begleiten, weil er nicht gut Deutsch sprechen konnte. Dann wollte er mich nach Hause fahren.“ Der 58-Jährige habe ihn bei seiner Verlobten abgeholt. Auf der Fahrt habe er sich „den Jungen, der ihn im Stich gelassen hat“ aufgeregt. Der 58-Jährige habe ihn gefragt, ob er ihm nicht helfen wollte, ein Auto zu klauen, sagte der Angeklagte. „Ich sollte draußen Schmiere stehen.“

In Erligheim seien sie auf den Parkplatz eines Discounters gefahren. Dort hätte der 58-Jährige ihn nicht nur aufgefordert, die „Klamotten des Jungen“ anzuziehen, sondern auch sein Handy herauszurücken. Sie hätten Rum mit Cola getrunken und Bier. Er habe Angst gehabt, erklärte der 29-Jährige. Schlussendlich seien sie mit einem gestohlenen Auto zur Kreissparkasse gefahren, wo der 58-Jährige den Geldautomaten sprengen wollte. „Ich habe ihn davon abbringen wollen. Er wurde aber aggressiv, wir stritten, er gab mir eine Backpfeife. Er drohte, mich umzubringen, weil ich nun zu viel wusste“, sagte der Angeklagte.

Der 58-Jährige sei mit einem Kabel zum Kreissparkassengebäude gegangen. Er habe außen gewartet, sagte der Angeklagte. Zehn Minuten später sei das MEK, das Mobile Einsatzkommando, da gewesen. „Ich habe Schüsse gehört, bin hinter das Gebäude gelaufen, über eine hohe Mauer gesprungen, zur Hauptstraße gelaufen, so die Polizei mich geschnappt hat“, sagte der 29-Jährige. „Ich wusste nicht, was mit mir passiert.“

Wer der „Junge“ gewesen sei?, fragte der Vorsitzende Richter. Er habe eine Vermutung, antwortete der Angeklagte, „hierzu möchte ich mich aber nicht äußern.“ Woher die Gasflaschen gekommen sind, mit denen der Geldautomat gesprengt worden war? Das wisse er nicht, sagte der 29-Jährige.

Zeugen trugen hingegen ein wenig zur Erhellung der Tat in Ottmarsheim bei. Das im dortigen Gewerbegebiet entdeckte Fluchtfahrzeug meldeten zwei Männer, die in Ilsfeld eine Autowerkstatt betreiben, als gestohlen ebenso einen Feuerlöscher, mit dem vor Ort die Spuren beseitigt werden sollten. Ein Mann und sein Sohn, die gegenüber der Kreissparkasse wohnen, hörten gegen 2 Uhr in der Tatnacht nicht nur einen Knall, sondern beobachteten zwei mit Strumpfmasken vermummte Männer: Einer sei von der Statur her korpulenter gewesen, der andere schlanker. Und einer der Täter hätte eine „große Tüte“ getragen. In einem Auto mit Heilbronner Kennzeichen seien sie „sehr schnell weggefahren“. Ob noch weitere Personen in dem Fahrzeug saßen, konnten die beiden Zeugen nicht sagen.

Der Prozess wird am Mittwoch, 23. Juni, 9 Uhr fortgesetzt.

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