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Angst macht nur noch die Ampel

Von Zuversicht war am Samstagnachmittag der CDU-Kreisparteitag in der Hemminger Gemeinschaftshalle geprägt. Angesichts guter Umfragewerte blicken die Christdemokraten optimistisch auf die anstehende Bundestagswahl – wenn nur nicht das Damoklesschwert namens Ampelkoalition im Raum schweben würde.

Innenminister Thomas Strobl beim Kreisparteitag der CDU in Hemmingen.Foto: Andreas Essig
Innenminister Thomas Strobl beim Kreisparteitag der CDU in Hemmingen. Foto: Andreas Essig

Hemmingen. Die Suche nach einem Kanzlerkandidaten verlief für die Union, um es vorsichtig zu formulieren, ein wenig unglücklich und stellte die Partei vor eine Zerreißprobe. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet. Dennoch lässt es sich Innenminister Thomas Strobl am Samstagnachmittag nicht nehmen, eine Stippvisite in Hemmingen einzulegen und beim CDU-Kreisparteitag gut zwei Monate vor der Bundestagswahl noch einmal die Werbetrommel für Armin Laschet zu rühren.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident sei immer sein Favorit gewesen, betont Strobl – auch wenn 75, wenn nicht gar 80 Prozent der Christdemokraten im Südwesten das gänzlich anders gesehen hätten. „Aber die CDU ist eine Partei, in der jeder seine eigene Meinung deutlich sagen darf“, meint Strobl. „Das gilt auch für mich.“

Und auch für Wilfried Gentner. Der Vorsitzende des Hemminger CDU-Ortsverbands nutzt sein Grußwort, um dem Innenminister die Leviten zu lesen. Eine von Strobls Aussagen im Zusammenhang mit der Kandidatenkür haben ihn fast dazu gebracht, sein Parteibuch zurückzugeben, so Gentner. Strobl habe gesagt, dass mit Kanzlerin Angela Merkel eine erfahrene Kapitänin das Cockpit verlasse und man die Nachfolgeregelung nicht den Passagieren, also der Basis, überlassen dürfe. „Das hat mich tierisch aufgeregt, ich fand das unglaublich arrogant“, wettert Gentner. „Die Basis hat im vergangenen Jahr ohnehin stark gelitten. Ich habe mir ernsthaft überlegt, ob ich zum Oberrealo bei den Grünen werde.“

Strobl antwortet mit der Abgeklärtheit des Berufspolitikers: „Das habe ich nie gesagt.“ Doch, habe er, beharrt Gentner. Doch Strobl lässt sich nicht beirren. Es liege ein klassisches Missverständnis zwischen Sender und Empfänger vor. Er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass das Flugzeug nach dem Abgang der erfahrenen Kapitänin in Turbulenzen geraten könne, „dass es ein bisschen ruckeln könnte, bis wir einen neuen Kapitän haben.“

Warnung vor trügerischer Sicherheit

Nun aber seien die Fronten geklärt. Laschet könne Kanzler, betont Strobl, „und er wird’s auch.“ Angesichts der jüngsten Umfragewerte ist Optimismus berechtigt. Das Umfrageinstitut Forsa und die Forschungsgruppe Wahlen sehen die CDU wieder bei 30 Prozent, die Grünen dümpeln um die 20 Prozent.

„Laschet liegt meilenweit vor Baerbock“, frohlockt auch Steffen Bilger, der erneut als Kandidat im Wahlkreis Ludwigsburg antritt. Allerdings warnt der Staatssekretär im Berliner Verkehrsministerium vor allzu trügerischer Sicherheit. Die Frage, wer das Land am besten aus der Coronakrise führt, werde die Entscheidung vieler Wähler beeinflussen. „Es wird auf die konkreten Konzepte ankommen“, sagt Bilger. „Und die haben wir, in der Wirtschaftspolitik und beim Klimaschutz. Die weltweiten Klimaschutzziele können wir nur mit Innovationen aus einer starken Wirtschaft erreichen.“

Strobl gibt sich zuversichtlicher. Die Ausgangsposition sei gut, immerhin beginne die Bundestagswahl streng genommen bereits mit dem Start der Briefwahl im August. „Damit sich da noch groß was dreht, müsste man schon einen ganz großen Bock schießen“, meint der Innenminister. „Das sollten wir nicht machen.“

Angst bereitet Strobl derzeit nur noch die Ampel, also ein Regierungsbündnis zwischen Grünen, SPD und FDP. In diesem Fall könne die CDU auch als stärkste Fraktion in die Oppositionsrolle gedrängt werden und müsse sich mit einer Regierungskoalition auseinandersetzen, die ein breites gesellschaftliches Spektrum abdecke. Laut Strobl wäre das ein keinesfalls auszuschließendes Horrorszenario. „Die FDP macht das, so schnell könnt ihr gar nicht gucken“, so der gebürtige Heilbronner. „Die Unzuverlässigkeit der FDP-Spitze im Bund wird nur von der Unzuverlässigkeit der FDP-Spitze im Land übertroffen.“

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