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Anwesenheit für Abschlussklassen

Absolventenklassen an Berufsschulen dürfen auch wieder in Präsenz unterrichtet werden. Der Berufsschullehrerverband warnt vor vollen Klassenzimmern und Bussen. Die Schulleiter bleiben dagegen gelassen.

An der Erich-Bracher-Schule in Pattonville soll es ab nächster Woche für Abschlussklassen im Wechselunterricht weitergehen.Archivfoto: Holm Wolschendorf
An der Erich-Bracher-Schule in Pattonville soll es ab nächster Woche für Abschlussklassen im Wechselunterricht weitergehen. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Zurück in das Klassenzimmer, das erlaubt das Kultusministerium des Landes für Abschlussklassen an Berufsschulen. Die Berufsschullehrer schlagen Alarm und warnen vor mangelndem Infektionsschutz in vollen Räumen und Bussen (siehe unten). Doch gilt die Erlaubnis des Ministeriums nur für gewisse Züge an den Berufsschulen. Die Schulleiter blicken entspannt auf den Präsenzunterricht.

Die Verordnung des Ministeriums erlaubt ab dieser Woche schon in Ausnahmefällen, ab nächster Woche verpflichtend, den Präsenzunterricht. Ausgeschlossen sind hierbei die Schüler der Abschlussklassen der dualen Berufsausbildung, der berufsvorbereitenden Bildungsgänge, der einjährigen Berufsfachschule, des einjährigen Berufskollegs für Sozialpädagogik, des einjährigen Berufskollegs BK I, des Berufskollegs Ernährung und Erziehung und des Dualen Berufskollegs Fachrichtung Soziales. Zudem dürfen, sofern es noch nötig ist, Klassenarbeiten geschrieben werden, deren Noten in das erste Halbjahr zählen. Konkretere Vorgaben soll es ab nächster Woche geben, wenn belastbare Infektionszahlen vorliegen werden.

Nur wenige Schüler im Kreis in Präsenzbetrieb

Am Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen geht diese Woche zunächst der Lehrbetrieb online wieder los. „Wie viele Klassen ab nächster Woche wieder im Haus sein werden, das ist noch nicht ganz klar“, sagt Schulleiter Stefan Ranzinger. Man wolle erst auf konkrete Vorgaben vom Kultusministerium warten. Ranzinger hofft, dass darin ein Hybridunterricht vorgeschrieben wird, also der Wechsel zwischen Präsenz- und Onlineunterricht. Man sei in jedem Falle vorbereitet. „Wir haben eine pädagogische Hilfskraft eingestellt, die nur bei der Prüfungsaufsicht helfen soll“, so Ranzinger. So könne dann eine Klasse auf zwei Räume verteilt werden.

In Pattonville an der Erich-Bracher-Schule sind die Pläne schon konkreter, wie Schulleiter Oliver Schmider erklärt: „Wir werden ab kommender Woche mit dem Hybridunterricht für die Abschlussklassen starten.“ Rund 300 Schüler in zwölf Klassen sind davon betroffen, die die nächsten vier Wochen im wöchentlichen Wechsel in Schule kommen werden. Zudem wurden über das Sofortausstattungsprogramm des Landes 140 Microsoft-Tablets beschafft. Diese werden ab Montag an Schüler verteilt, die kein eigenes Endgerät zu Hause haben.

An der Robert-Franck-Schule in Ludwigsburg geht man sogar noch einen Schritt weiter. Die 280 Schüler aus den 13 betroffenen Klassen werden im Präsenzbetrieb gelehrt. „Wir können die Schüler auf den drei Stockwerken im Haus so verteilen, dass alle Hygieneregeln eingehalten werden“, sagt Schulleiter Wolfgang Ulshöfer. Dabei werden Klassenverbände auf zwei Räume verteilt. Einzelne Schüler können den Unterricht auch online wahrnehmen. Ulshöfer hofft, dass das Ministerium noch Detailfragen klären wird, etwa wie der Sportunterricht laufen soll. Für den Online-Unterricht wurden für die Schüler noch über 100 neue Microsoft-Tablets beschafft, welche ab Montag verteilt werden.

Was die Klassenarbeiten anbelangt, sehen es alle drei Rektoren an ihren Schulen unproblematisch. Die allermeisten Lehrer hätten bereits alle Noten vor den Weihnachtsferien gemacht. Bei dem Großteil der Klassen, denen noch eine Note fehle, könne die Klausur auch noch im zweiten Halbjahr nachgeholt werden. Somit bleibe überall nur ein kleiner Rest an Klassen, die in den nächsten beiden Wochen noch Arbeiten schreiben müssen.

Berufsschullehrer warnen vor vollen Klassen

Wegen der Sonderregeln für Abschlussjahrgänge warnen die Berufsschullehrer vor vollen Klassen und unverantwortbaren Corona-Risiken. In den Berufsschulen könne die Regelung des normalen Unterrichts für Abschlussklassen bedeuten, dass zwei Drittel der Schüler in den Unterricht kommen und Gruppen von bis zu 30 Schülern zusammensitzen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung, Joachim Maiß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Eine solche Vielzahl von Kontakten auf engem Raum ist in dieser Phase der Pandemie weder gegenüber Lehrern noch Schülern verantwortbar.“

Maiß forderte, dass die Länder den Schulleitern die Freiheit geben sollten, den Unterricht selbst zu verantworten. Wo Distanzunterricht möglich sei, sei er eine gute Option. In vielen Fällen ginge es bei Berufsschulen mit mehr als 1500 Schülern. „Man stelle sich nur mal vor, die vielen Schüler aus Abschlussklassen drängen sich alle auf dem Weg zur Schule in Bus und Bahn.“

Als Schulleiter bekomme er auch Anrufe von Betrieben, die wegen der Schulbesuche besorgt seien, sagte Maiß. „Die Schüler müssen ja dann auch wieder in den Betrieben arbeiten und tragen so das Infektionsrisiko aus den Schulkontakten an die Arbeitsplätze - und natürlich auch in ihre Familien.“ (epd)

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