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Auch in Gerlingen sollen sich nun Türen öffnen

Stadt und Bürgerstiftung kooperieren mit der Caritas zur Schaffung von Wohnraum für Benachteiligte – Kosten: 10000 Euro jährlich

Die Wohnungssuche auch im Kreis gestaltet sich schwierig, hier will die Caritas helfen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Wohnungssuche auch im Kreis gestaltet sich schwierig, hier will die Caritas helfen. Foto: Holm Wolschendorf

Gerlingen. „Die Caritas ist eine sichere Bank“, sagt Ellen Eichhorn-Wenz. Sie leitet deren Initiative „Türöffner“, die sie am Mittwochabend einem weiteren interessierten Kooperationspartner im Gerlinger Gemeinderat vorstellte. Ziel ist es, leerstehende Wohnungen aufzuspüren, anzumieten und weiterzugeben an Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion oder Sprache, solche, die Transferleistungen beziehen oder alleinerziehend sind, Familien mit mehr als zwei Kindern – kurzum: alle, die auf dem knallhart umkämpften freien Wohnungsmarkt ihre liebe Müh’ und Not haben, ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu finden. Ihnen wird die Tür oft aus Misstrauen vor der Nase zugeschlagen. Vermieter trauen ihnen nicht. Sie haben Sorge, ob die Miete zuverlässig auf das Konto überwiesen und die Wohnung dann auch pfleglich behandelt wird.

„Einige Immobilienbesitzer haben schlechte Erfahrungen gemacht“, erzählt Eichhorn-Wenz. Sie mussten der Miete ständig hinterherlaufen oder haben eine vermüllte Messi-Wohnung nach dem Auszug vorgefunden. Deshalb würden sie lieber nicht wieder vermieten und auf die Einnahmen verzichten.

Das will die Wohnraumoffensive „Türöffner“ der Caritas Ludwigsburg-Rems-Murr durchbrechen. Sie löst in Gerlingen Ende des Jahres die kommunale Aktion „Raumteiler“ ab, bei der die Stadt zwei Jahre lang zwischen Mieter und Vermieter als Vermittler auftrat. Der Erfolg war aber mäßig. Nur drei Verträge wurden auf diesem Weg geschlossen, erklärt Amtsleiter Stefan Fritsche. „Trotz aller Bemühungen.“

Da sieht die Bilanz der Katholiken deutlich besser aus. Auch sie sind erst seit zwei Jahren in den Landkreisen Ludwigsburg und Rems-Murr tätig. Aber sie haben im gleichen Zeitraum bereits 32 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von über 2300 Quadratmetern akquiriert, die mittlerweile von mehr als 109 Menschen bewohnt werden. „Meistens scheiterten die Verhandlungen an den Preisvorstellungen“, erklärte Eichhorn-Wenz. 500 Bewerbungen zählt das Programm aktuell. Die Nachfrage ist also zweifelsfrei vorhanden.

Die Initiative der Caritas, des Dekanats Ludwigsburg und der katholischen Kirchengemeinden bietet ein Full-Service-Angebot für Immobilienbesitzer an. „Türöffner“ mietet die Wohnung und kümmert sich um den ganzen anderen Rest. Sie zahlt die Kaution und die Miete, sie sucht die passenden Mieter für die Immobilie und kümmert sich individuell um deren soziale Betreuung, sie schaut regelmäßig nach dem Rechten und übernimmt die komplette Verwaltung mit professioneller Nebenkostenabrechnung und Co. „Bei uns ist Ihre Immobilie in sicheren Händen“, verspricht Eichhorn-Wenz.

Der Vermieter bekommt die Mietobergrenze, die für jede einzelne Kommune im Landkreis festgesetzt ist. Die „kalten Nebenkosten“ inklusive, also Abwasser, Versicherungen, Grundsteuer und so weiter. Davon zieht „Türöffner“ zehn Prozent ab. Als Verwaltungsbeitrag und Risikorücklage für Reparaturen. Ein Beispiel für Gerlingen: Eine dreiköpfige Familie hat Anspruch auf eine Wohnung für 890 Euro Miete, dem Vermieter bleiben am Ende 801 Euro auf dem Konto. Die aber sicher und ohne jeden weiteren Aufwand.

Die Bürgerstiftung der Stadt Gerlingen unterstützt die Initiative mit jährlich 10000 Euro. Und auch im Gemeinderat bekommt sie die volle Rückendeckung. Alle Fraktionen und Bürgermeister Dirk Oestringer wünschten Eichhorn-Wenz viel Erfolg bei ihren Anstrengungen. Die wiederum meinte: „Wir sind auf Ihre Unterstützung und Informationen angewiesen.“ Denn auch die „Türöffner“ brauchen eben manchmal Türöffner.

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