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Auch negative Coronatests bereiten Kopfzerbrechen

Während bei einem positiven PCR-Test die weitere Vorgehensweise mittlerweile klar scheint, sorgt ein negativer PCR-Test bei einer Leserin für Fragen und Unmut

Ein PCR-Test liefert große Genauigkeit. Symbolbild: dpa
Ein PCR-Test liefert große Genauigkeit. Symbolbild: dpa Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Ludwigsburg. Auch nach über einem Jahr Coronapandemie scheinen die Abläufe in Sachen Coronatest immer wieder Fragen aufzuwerfen. Eine Leserin berichtet über „erhebliche Probleme mit dem Corona-Testverfahren“. Neben den langen Wartezeiten, die sowohl eine Terminvereinbarung für einen PCR-Test nach positivem Schnelltest, als auch die Übermittlung des Ergebnisses betrifft, kritisiert die in Besigheim lebende Frau auch eine undurchsichtige Vorgehensweise im Umgang mit einem negativen PCR-Ergebnis. Für sie fehlt hier die Schnittstelle zwischen Arztpraxis und Gesundheitsamt.

Was war geschehen? „Ich erhielt am Freitag, 2. April, einen Anruf von der Logopädin meiner Stieftochter mit der Mitteilung, dass diese positiv auf Corona getestet worden sei und meine Stieftochter demnach zu den nächsten Kontaktpersonen zählen würde“, erzählt die Leserin. Da der Anruf abends kam, entschied sie sich, direkt am nächsten Tag mit ihrer Stieftochter zur Teststelle in das Hallenbad in Bissingen zu fahren. Während sie selbst ein negatives Ergebnis erhielt, schlug der Schnelltest bei ihrer Stieftochter an. „Ich habe meinen Mann angerufen, der schnellstmöglich einen Termin für einen PCR-Test vereinbaren wollte“, sagt die Frau. Das habe sich allerdings alles andere als einfach herausgestellt, da kaum Termine verfügbaren waren. Schließlich ergatterte ihr Mann am Montag, 5. April, einen Termin im Testzentrum am Klinikum in Ludwigsburg.

„Das Testergebnis lag uns am Mittwoch, 7. April, per App vor“, sagt die Frau weiter. Der PCR-Test ihrer Stieftochter war negativ. Zwischen dem falsch-positiven Schnelltest und dem schlussendlich doch negativen PCR-Test lagen also vier Tage. Wie das Landratamt auf seiner Internetseite mitteilt, dauert es in der Regel allein bis zu drei Tage, bis das Ergebnis des PCR-Tests vorliegt. Eine wahnsinnig lange Zeit, wie nicht nur die Leserin bemängelt.

Negativergebnis persönlich abholen

Die Familie erhielt das negative Ergebnis der Tochter über die Corona-Warn-App. „Wohlbemerkt kann man über die App lediglich eine Person anmelden, was bei Familien zu Problemen führen kann“, so die Leserin. Denn die Tochter ist erst neun Jahre alt. Sie und ihr Mann würden die App zwar nutzen, doch wenn sie den in der Teststelle erhaltenen QR-Code einscannen, würde dieser in der App automatisch als ihr eigener Test gewertet werden und das Ergebnis verfälschen. „Wir mussten ein altes Handy herauskramen und dort die App für unsere Tochter installieren, damit wir das Ergebnis abrufen können“, sagt die Frau.

Laut eines Infoblattes des Landratsamtes Ludwigsburg ist ein jeder nach einem zunächst positiven Schnelltest verpflichtet, „ein negatives PCR-Ergebnis unverzüglich zu melden, andernfalls kann dies unter Umständen bußgeldrechtliche Folgen haben“. Doch hier gab es für die Familie Probleme, denn das Gesundheitsamt Ludwigsburg habe den Nachweis über die App nicht anerkannt. „Ein Screenshot reicht uns nicht aus, da keine Angaben zur Person enthalten sind. Es ist nicht nachvollziehbar, bei wem der Abstrich durchgeführt wurde. Ein schriftlicher Laborbefund mit dem Namen und Geburtsdatum sowie Adresse des Getesteten muss uns immer vorgelegt werden“, teilte ein Sprecher des Landratsamtes auf Nachfrage mit. Einmalig seien an einem Wochenende auch die Screenshot-Testergebnisse akzeptiert worden. „Da es um viele Kinder ging, waren wir an diesem einen Wochenende ausnahmsweise großzügig“, so der Sprecher.

Der benötigte schriftliche Laborbefund lag der Familie allerdings nicht vor, was zu Unsicherheiten für den weiteren Verlauf führte, da ohne den Nachweis die Quarantäne nicht vorzeitig beendet werden konnte. Telefonisch sei im Ludwigsburger Testzentrum, wo der PCR-Test genommen worden war, mehrmals niemand zu erreichen gewesen. „Also fuhr ich hin“, sagt die Leserin.

Zwar steht auf der Seite des Landratsamtes, dass Patienten über das negative Ergebnis auch telefonisch von der Praxis Dr. Kolepke informiert werden, wenn der Abstrich im Testzentrum Ludwigsburg durchgeführt worden ist. Doch das ist nicht mehr der Fall, wie Dr. Roland Kolepke auf Anfrage mitteilt. „Das Ergebnis wird üblicherweise nur über die App mitgeteilt. Bei 300 bis 400 Tests am Tag ist es nicht mehr möglich, jeden auch noch telefonisch zu informieren. Ansonsten sind wir telefonisch zu erreichen, auch wenn es bei großem Andrang vielleicht nicht immer direkt klappt.“ Wenn das Ergebnis in der App dem zuständigen Amt nicht ausreicht, kann ein schriftlicher Befund in den Praxisräumen in der Erlachhofstraße 1 in Ludwigsburg abgeholt werden, wie Dr. Kolepke versichert. Per Mail könne dieser Befund nicht verschickt werden.

„Somit ist es mir lediglich möglich, persönlich vorbeizufahren, um mir dort vor Ort ein Negativergebnis ausdrucken zu lassen, welches ich an die Ämter weiterleiten muss“, ärgert sich die Leserin. „Nur weil die Schnittstelle zwischen der Praxis und dem Gesundheitsamt fehlt.“

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