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Selbstversuch

Auch Schokolade gibt es unverpackt

Alle Welt spricht davon, Müll zu vermeiden und auf Verpackungen beim Einkauf zu verzichten. Doch wie gut funktioniert das in Ludwigsburg? LKZ-Redakteurin Carolin Schneider hat den Selbstversuch gewagt.

Im Unverpackt-Laden kann man Nudeln in ein mitgebrachtes Glas füllen. Fotos: Holm Wolschendorf
Im Unverpackt-Laden kann man Nudeln in ein mitgebrachtes Glas füllen. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Die Herausforderung ist groß: Schaffe ich es, in Ludwigsburg alle Zutaten für ein Abendessen unverpackt zu kaufen? Spaghetti Carbonara mit Salat soll es geben, die wenigen Zutaten für das Gericht schreibe ich auf einen Einkaufszettel. Außerdem noch Müsli, Joghurt und Früchte fürs Frühstück. Und Schokolade, weil die einfach dazugehört. Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass ich Dosen einpacken muss, um den Einkauf zu transportieren: Drei Gläser, drei Plastikdosen und eine Eierschachtel packe ich in meinen Rucksack.

Erster Stopp ist ein Supermarkt. In der Gemüseabteilung mache ich mich auf die Suche nach einem Salat ohne Plastikverpackung. Etwas versteckt entdecke ich einen unverpackten Kopfsalat – und er ist im Angebot. Das fängt ja gut an, denke ich mir und mache mich auf den Weg zur Wurst- und Käsetheke. Da die Ernüchterung: Jeder Käse ist in Plastik eingepackt und auf meine Frage, ob sie den Schinken in eine Plastikdose legen kann, schüttelt die Verkäuferin den Kopf. „Aus hygienischen Gründen geht das nicht“, erklärt sie. Die Dose könnte nach Hygiene-Maßstäben nicht ganz sauber sein. Ein Pfandsystem sei im Gespräch gewesen, durch das Kunden ihre Verpackung wieder zurückgeben könnten, doch das ist vom Tisch, sagt die Verkäuferin – auch aus hygienischen Gründen. Also packe ich die Dose wieder ein und mache mich auf die Suche nach Joghurt. Da habe ich mehr Glück: Ich nehme ein Glas statt eines Plastikbechers aus dem Kühlregal. Das kann ich bei einem späteren Einkauf schließlich wieder mit Nudeln, Reis oder Müsli füllen. Ein Blick auf das Süßigkeitenregal lässt mich fast schwach werden: Schokolade ist im Angebot. Wer kann da widerstehen? Doch sie ist in lilafarbene Folie eingepackt und kommt deswegen heute nicht in meinen Einkaufskorb.

Bio-Supermarkt verkauft lose Eier

Bei einem Metzger in der Innenstadt frage ich wieder, ob die Verkäuferin den Schinken direkt in meine Dosen legen kann. Sie nickt. Ich soll die Box auf der Theke abstellen, sie legt die Scheiben hinein, ohne die Dose zu berühren. „Für Sie wäre doch der neue Unverpackt-Laden etwas“, rät sie mir währenddessen. Da will ich auch noch hin, sage ich.

Doch zuerst geht es in einen Bio-Supermarkt. Ich will schauen, was ich dort von meiner Einkaufsliste streichen kann. Als ich den Laden betrete, sieht es nicht anders aus als zuvor im Supermarkt. In der Gemüseabteilung sehe ich viel Plastik. Der unverpackte Kopfsalat ist ausverkauft – zum Glück habe ich den schon zuvor besorgt. Eier werden jedoch lose verkauft. Super, denn zehn oder sechs Eier wären mir zu viel. Vorsichtig setze ich zwei Eier in meine mitgebrachte Schachtel. Direkt daneben werden für Eier Behälter aus Plastik angeboten, die mehrmals verwendet werden können. Auch eine Idee, doch die Schachteln aus Pappe können ja auch immer wieder benutzt werden. Ansonsten finde ich im Bio-Supermarkt nichts von meiner Liste.

Deshalb ist mein letzter Stopp der neue Unverpackt-Laden. Dort gibt es alles, was geht, ohne Verpackung. Auch ich werde fündig. Doch obwohl ich mir vor dem Einkauf viele Gedanken gemacht habe, fällt mir auf, dass ich kein Gefäß für Spaghetti mitgebracht habe. Kurzerhand entscheide ich mich für kleine Makkaroni, die ohne Probleme ins Glas passen. Die Auswahl an Müsli ist so groß, dass ich mich kaum entscheiden kann. Schließlich fülle ich eine Körnermischung in ein Glas. Auch den Parmesan kann ich endlich von der Liste streichen. An der Theke bekomme ich ihn in meine Plastikdose verpackt. Das Abendessen ist gerettet.

Gutes Gefühl nach erfolgreichem Einkauf

Mein Fazit: Im Vergleich zu sonst habe ich viel mehr Zeit gebraucht, weil ich in vier verschiedenen Läden war. Doch das gute Gefühl wiegt das wieder auf: Ich bin stolz, als ich merke, dass ich alles auf meiner Einkaufsliste abgehakt habe. Schließlich vergleiche ich, was ich bezahlt habe und wie viel Geld ich hätte ausgeben müssen, wenn ich wie immer eingekauft hätte. Das Ergebnis erstaunt mich: Die Produkte, die ich für gewöhnlich kaufe, hätten knapp 15 Euro gekostet. Bei meinem Selbstversuch habe ich gerade einmal zehn Euro ausgegeben. Gut, ich hätte Nudeln, Müsli und Eier im Vorrat gehabt und nicht wie jetzt genau die Portion, die ich brauche. Doch heruntergerechnet auf den Preis pro 100 Gramm kosten die beiden Einkäufe etwa gleich viel. Damit hätte ich nicht gerechnet. Übrigens: Auch Schokolade habe ich im Unverpackt-Laden gefunden und mir ein paar Stückchen ins Glas gepackt. Lecker, wenn auch etwas teurer als die mit der Kuh in der Werbung.

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