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Auf Ackerflächen und am Friedhof

Bei der Planung von Geißhälden gibt es noch einige Hürden zu nehmen – Bisher keine Einigung mit Eigentümern der Felder

Großbottwar. Bedenken zum neuen Gewerbegebiet Geißhälden, das im Westen von Großbottwar entstehen soll, haben bei der frühzeitigen Beteiligung mehrere Behörden, andere Träger öffentlicher Belange und Privatleute geäußert. „Es gibt keine unüberwindbaren Hürden“, fand aber Stadtplaner Manfred Mezger vom Büro mquadrat, als er am Mittwoch dem Gemeinderat aufzeigte, wie man diesen Punkten begegnen will. Man müsse diese nun abarbeiten und die Hausaufgaben machen.

Das Gebiet soll wie berichtet aus drei Teilen bestehen: einem Gewerbegebiet mit einer Fläche von 3,5 Hektar im Westen, einem eingeschränkten Gewerbegebiet von einem Hektar im Osten als Puffer zum noch zu planenden Wohngebiet Südweststadt sowie einem Gewerbecampus im Nordosten am künftigen Kreisverkehr. Dieser soll zwar Kreisstraßen verbinden, aber die Stadt Großbottwar muss ihn dennoch selbst finanzieren, weil er der Erschließung des Gebiets Geißhälden dient.

Der geäußerten Befürchtung, dass der Eingang zur Stadt „sehr unattraktiv verbaut“ wird, entgegnete Manfred Mezger, dass man ihn mit dem Gebiet stattdessen sogar aufwerten wolle: „Der Charakter wird sich aber verändern.“ Stadtrat Paul Wien (FDP) hofft, dass gerade der Gewerbecampus nicht in 30 Jahren zur Industriebrache wird. Dass es zu einer Ansammlung von Einzelhändlern kommt, soll durch entsprechende Festsetzungen im Bebauungsplan verhindert werden.

Auch dass der Gewerbecampus direkt an den städtischen Friedhof grenzt, wurde bemängelt. „Sind Trauernde und Andachtsuchende denn nicht schutzwürdig?“, fragte etwa der Landesnaturschutzverband. Doch, findet der Stadtplaner und möchte den Campus als „Übergangszone“ gestalten, so dass etwa keine Produktionsbetriebe direkt am Friedhof liegen dürfen. Da das Gelände zur Straße hin um 30 Meter abfällt, wurde auch befürchtet, dass die Fläche nicht optimal genutzt werden kann. Doch dem will man bereits mit einer Terrassierung begegnen.

Das Landratsamt Ludwigsburg empfahl unter anderem auch, ein Starkregenrisikomanagementkonzept zu erstellen, was vom Land derzeit mit 70 Prozent gefördert werde. „Das würde ich Ihnen unabhängig vom Gewerbegebiet für das ganze Stadtgebiet ans Herz legen“, so der Planer. Auch unter dem Eindruck der Überschwemmungen im Westen Deutschlands wollte Angelika Maier (SPD) später in der Sitzung Näheres dazu wissen. Beim Hochwasserschutz sieht Bürgermeister Ralf Zimmermann die Stadt gut aufgestellt, doch in bestimmten Bereichen müsse man noch nachschärfen. Mit dem Handbuch für das Krisenmanagement lägen bereits Pläne vor, wie man die Bevölkerung warnt und informiert. Ein Konzept für Starkregen könne ein weiterer Baustein sein.

Zum Baugebiet Geißhälden resümierte Stadtrat Thomas Stigler von der FBWV: „Da gibt es noch viel zu regeln.“ Er regte auch im Hinblick auf das künftige Wohngebiet ein Energiekonzept sowie ein Blockheizkraftwerk an, für das man dann bereits eine Fläche reservieren müsse. Ob durch das Gebiet eine Lärmbelästigung für die nördlich gelegenen Aussiedlerhöfe sowie das Wohngebiet Braunersberg im Nordosten entsteht, wird die Fortschreibung eines bestehenden Lärmgutachtens zeigen. Da auf den zu bebauenden Äckern unter anderem Zauneidechsen und Vögel wie Feldlerchen und Bluthänflinge zu finden sind, muss auch ein Ausgleichskonzept für den Artenschutz ausgearbeitet werden. Zudem muss der Flächennutzungsplan angepasst und an der Bedarfsbegründung für ein Gewerbegebiet nochmals gearbeitet werden. Mit einem Planentwurf ist laut Manfred Mezger erst Anfang kommenden Jahres zu rechnen.

Eine Hürde könnte noch besonders schwierig zu nehmen sein: Das Gebiet liegt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, für die ein Ausgleich gefunden werden muss. Dabei geht es nicht nur um die Eigentümer, sondern auch um die Pächter der Äcker. „Es ist wichtig, dass man alle Betroffenen ins Boot holt“, betonte Daniela Fähnle (CDU). Auch untereinander sollten sich die Landwirte einig sein – laut dem Bürgermeister eine „Idealvorstellung“. Der Prozess dauere nun schon länger als gedacht, doch das bekomme man auch hin. Einen kompletten Flächenausgleich werde es aber nicht geben können: „Die Wahrheit ist, dass diese Flächen der Landwirtschaft entzogen werden, die kann man nicht irgendwo schaffen.“

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