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Aus Groß und Klein wird ein Ganzes

Zentrale Figur des Zusammenschlusses von Groß-und Kleinsachsenheim und später mit dem Kirbachtal wird Karl-Heinz Lüth

21. September 1971: In dieser Sitzung der beiden Gemeinderäte wurde die Fusion der beiden Sachsenheims beschlossen. Archivfotos: Alfred Drossel
21. September 1971: In dieser Sitzung der beiden Gemeinderäte wurde die Fusion der beiden Sachsenheims beschlossen. Foto: Alfred Drossel
Als Bürgermeister von Groß- und Kleinsachsenheim unterzeichnet Karl-Heinz Lüth den Vertrag.Links Stadtpfleger Robert Grotz, rechts Gemeinderat Fritz Sauer und Siegfried Menner.
Als Bürgermeister von Groß- und Kleinsachsenheim unterzeichnet Karl-Heinz Lüth den Vertrag.Links Stadtpfleger Robert Grotz, rechts Gemeinderat Fritz Sauer und Siegfried Menner.
Als alles über die Bühne gegangen war, feierten Lothar Späth, damals Innenminister (links), und der Bietigheimer Oberbürgermeister Karl Mai (rechts) mit Karl-Heinz Lüth.
Als alles über die Bühne gegangen war, feierten Lothar Späth, damals Innenminister (links), und der Bietigheimer Oberbürgermeister Karl Mai (rechts) mit Karl-Heinz Lüth.

Sachsenheim. Nicht immer gelingt, dass sich Namensvettern zusammenfinden. So blieben Ober- und Unterriexingen oder Groß- und Kleinbottwar bis heute getrennt. Gelungen ist der Zusammenschluss jedoch den Nachbarn Groß- und Kleinsachsenheim. Seit jetzt 50 Jahren bilden beide die Stadt Sachsenheim, die einige Monate später noch durch die Kirbach-Orte ergänzt wurde.

Zentrale Figur dieser Fusion vom September 1971 war – noch vor der landesweiten Gemeindereform 1972 – der Kleinsachsenheimer Bürgermeister Karl-Heinz Lüth, der sich in der Phase des Zusammenschlusses auch zum Großsachsenheimer Bürgermeister hatte wählen lassen. In Beiträgen zum Jubiläum sprechen Lokalhistoriker von einem „holperigen Weg“ des Zusammenschlusses. Das kann Siegfried Menner nicht bestätigen. „Alles ist sehr gut gelaufen. Aber ohne Karl-Heinz Lüth wäre dieses Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht zustande gekommen“, sagt er. Menner war damals als 28-jähriger Hauptamtsleiter der Mann hinter den Kulissen, was alle alten Fotos beweisen. Menner, der später 32 Jahre Bürgermeister in Erdmannhausen war, hatte alle Verträge vorbereitet und zur Unterschrift vorgelegt. Eine besonders schöne Urkunde sei die des Zusammenschlusses von Groß-und Kleinsachsenheim, sagt er.

Diese Urkunde hat der Besigheimer Schriftkünstler Friedrich Leonhard Mundi, der bei unserer Zeitung Schriftsetzer gelernt hatte, gestaltet. Darauf gibt es nur eine Unterschrift, nämlich die von Karl-Heinz-Lüth, der zu diesem Zeitpunkt sowohl Kleinsachsenheimer wie auch Großsachsenheimer Bürgermeister war.

Die damalige Landesregierung mit Hans Filbinger (CDU) als Ministerpräsident und Walter Krause (SPD) als Innenminister hatte in Stuttgart ohnehin eine Gemeindereform im Sinn, um größere Verwaltungseinheiten zu bilden. In Großsachsenheim war Paul Roller Bürgermeister gewesen. Sein größtes Verdienst war es, das Wasserschloss für die Stadt zu erwerben. In Kleinsachsenheim war seit fünf Jahren der aus Schleswig Holstein stammende Gewerkschaftssekretär Karl-Heinz Lüth Bürgermeister, der zuvor im Gemeinderat saß.

Bei einer ersten Bürgeranhörung im Juli 1970 stimmten die Kleinsachsenheimer mit einer knappen Mehrheit gegen einen Zusammenschluss. Die Großsachsenheimer aber gaben mit 90,7 Prozent Ja-Stimmen ein deutliches Votum für Zusammenschluss ab. Als Paul Roller in den Ruhestand ging, wagte es Lüth, sich auch als Bürgermeister in Großsachsenheim zu bewerben. Er bekam mit dem späteren Mundelsheimer Bürgermeister Hans Wetzel und dem Kleiningersheimer Schultes Siegfried Breitling sowie dem späteren Oberbürgermeister von Kirchheim/Teck, Werner Hauser, Konkurrenz. Im zweiten Wahlgang setzte er sich mit einem Vorsprung von 72 Stimmen gegen Hauser durch.

Mit diesem Vertrauen konnte er jetzt als Bürgermeister von Groß- und Kleinsachsenheim den Zusammenschluss angehen. Die Landesregierung lockte mit Geld. Knapp drei Millionen Mark sollten fließen. Am 21. September 1971 setzten sich die Gemeinderäte von Groß- und Kleinsachsenheim zusammen. Die Gremien einigten sich auf einen Zusammenschluss ohne erneute Bürgermeisterwahl.

Ein Vorfall störte die Fusionsbemühungen: Großsachsenheimer hatten die neue Bahnunterführung zum Bahnhof mit Latten zugenagelt. Weil das Lokalblatt darüber mit Foto berichtete, bestellte Lüth die Zeitung verärgert eine Zeit lang ab.

Die Fusion hatte einige Unterstützer, auf Kleinsachsenheimer Seite unter anderem Fritz Sauer und Helmut Xander. Auf Großsachsenheimer Seite war es vor allem der Fotografenmeister Kurt Bader, der auch Vorsitzender des mächtigen Gewerbevereins und Aufsichtsratsvorsitzender der Bank war. Bader sah durch die Fusion eine Stärkung seiner Gremien.

Unterstützung kam auch von der SPD mit dem aus Untermberg stammenden Gewerbeschullehrer Werner Hald und dem Architekten Gerhard Pöge. Sie wollten ihr Parteimitglied Lüth unterstützen. Nach einer Bürgerversammlung votierten auch die Kleinsachsenheimer mit 88,2 Prozent für einen Zusammenschluss. Die beiden Gemeinderäte billigten am 28. Oktober 1971 die Vereinbarung und am 1. Dezember 1971 trat sie in Kraft. Die Stadt Sachsenheim war geboren.

Nun war das Geschick des neuen Bürgermeisters gefordert, auch die Kirbachtal-Gemeinden Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Hohenhaslach ins Boot zu holen. „Das war harte Arbeit“, erinnert sich Siegfried Menner. Im Februar 1972 fand in der Hohenhaslacher „Rose“ die entscheidende Bürgerversammlung statt. Zur Diskussion standen auch eine Mettertalgemeinde mit Sersheim, Horrheim und Gündelbach hie und eine Einheitsgemeinde Kirbachtal da. Diese wäre allerdings nicht lebenfähig gewesen. Eine weitere Option war ein Zusammenschluss mit Vaihingen.

Da die bevorstehende Kreisreform zur Auflösung des Landkreises Vaihingen führen sollte, tendierten die Kirbachtäler in Richtung Sachsenheim. Am 27. Februar 1972 entschieden sie sich mit fast 91 Prozent für Sachsenheim. Allerdings lag die Wahlbeteiligung nur bei knapp über 44 Prozent. Am 22. März 1972 unterschrieben die Bürgermeister Helmut Hartstern (Hohenhaslach), Erwin Schenk (Spielberg und Ochsenbach) sowie Horst Bildmann (Häfnerhaslach), der später Ortsvorsteher in Ensingen wurde, die Eingemeindungsurkunde. Am 1. Januar 1973 trat der Vertrag in Kraft. Die Stadt Sachsenheim war komplett. Für Karl-Heinz Lüth begann die schwere Aufgabe, diesen Vertrag auch mit Leben zu erfüllen und allen Bürgern das Gefühl zu geben, einer gemeinsamen Stadt anzugehören.

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