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Ausgedienter Tannenbaum fliegt Zeitungszustellerin vom Balkon an den Kopf

In vielen Familien ist es Tradition, den Weihnachtsbaum nach Heilige Drei Könige am 6. Januar zu entsorgen. Doch die Frage, wie dies geschieht, kann entscheidend sein. Davon kann Zeitungszustellerin Bianca Pribyl jetzt ein Lied singen.

In der Jägerhofallee in der Ludwigsburger Oststadt liegen die wild entsorgten Tannenbäume auf dem Mittelstreifen. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Wer seinen Baum aus dem Fenster werfen will
In der Jägerhofallee in der Ludwigsburger Oststadt liegen die wild entsorgten Tannenbäume auf dem Mittelstreifen. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Wer seinen Baum aus dem Fenster werfen will, sollte vorher dringend schauen, dass dabei niemand verletzt wird. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Die 37-Jährige war am frühen Morgen des 7. Januars in der Ludwigsburger Oststadt unterwegs, als gegen halb fünf ein ausgedienter Tannenbaum von einem Balkon flog und dabei ihren Kopf traf. „Das war vielleicht ein Schreck“, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Zum Glück hat mich nicht der untere Stamm getroffen, sondern ein Teil der Spitze.“ Die stattliche Nordmanntanne hätte sonst womöglich eine schlimmere Verletzung angerichtet. „Ich hatte glücklicherweise nur eine leichte Gehirnerschütterung mit Kopfschmerzen“, sagt Bianca Pribyl, die vor Schreck und Schmerz aufgeschrien hatte. Doch der Bäumewerfer hat sich trotz des Schreis nicht zu erkennen gegeben. „Ich habe noch geschaut, ob irgendwo in dem Mehrfamilienhaus Licht zu sehen ist, aber es war alles dunkel.“ Kein Wunder, denn der unbekannte Bäumewerfer wird sich vermutlich ganz bewusst die frühen Morgenstunden ausgesucht haben, um unerkannt seinen Baum loszuwerden. Im Schutz der Dunkelheit haben in der Jägerhofallee Dutzende Anwohner ihre Bäume auf dem Mittelstreifen entsorgt, statt sie am Samstag zu einer der Sammelstellen zu bringen, an denen der CVJM die Bäume abgeholt hat. Im vergangenen Jahr war diese Sammlung mit Blick auf die Pandemie recht kurzfristig abgesagt worden. Unzählige Tannenbäume, auf Grünstreifen, Gehsteigen und an Straßenlaternen wild entsorgt, waren die Folge. Tagelang haben im vergangenen Jahr Mitarbeiter der Technischen Dienste die ausgedienten Tannenbäume entsorgt – zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben.

Nicht nur im Rathaus wundert man sich bisweilen, dass die Bäume vor Weihnachten zwar ohne Probleme angeschafft werden können, ihre ordentliche Entsorgung dann aber nicht klappen will. In einer Pressemitteilung hatte die Stadtverwaltung zuvor noch auf die zahlreichen Sammelstellen hingewiesen. Wer die Aktion verpasst hat, kann beispielsweise seinen alten Baum kostenfrei auf dem Oßweiler Häckselplatz entsorgen. Denn: Wer seine nadelnde Tanne einfach auf den nächsten Grünstreifen schmeißt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Und wie reagiert die Stadt darauf? „Die Technischen Dienste und die städtische Grünpflege werden in den nächsten Tagen tätig werden“, so eine Sprecherin im Rathaus.

Bianca Pribyl hat auf eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei verzichtet, weil sie die Aussicht auf einen Ermittlungserfolg nicht für groß hält. Sie ist froh, dass ihr nichts Schlimmeres passiert ist und hat ihr Lachen nicht verloren. Aber wenn sie nächstes Weihnachten „Oh Tannenbaum“ hört, wird sie sicher an ihre frühmorgendliche Begegnung mit dem Baum denken.

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