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Consulting

Autobauer auf der Krankenstation

Das Unternehmen Porsche Consulting kümmert sich auch um die Abläufe in Krankenhäusern. Erste Gehversuche in Sachen Gesundheitswesen machte das Bietigheimer Tochterunternehmen des Stuttgarter Sportwagenherstellers im Bietigheimer Krankenhaus. Die Freundschaft zwischen zwei Männern sorgte für die Kooperation.

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Regelmäßige Untersuchung der Abläufe soll die Krankenhäuser patientenfreundlicher machen. Archivfoto: Daniel Reinhardt (dpa)

Ludwigsburg. Dass Krankenhauswesen ist ein kostenintensives Geschäftsfeld, daher werden Abläufe untersucht und Ausgaben überprüft. Vor über zehn Jahren saßen zwei Herren zusammen, die es gut miteinander konnten – Wendelin Wiedeking und Dr. Michael Butters. Der eine leitete die Firma Porsche, der andere die chirurgische Abteilung des Krankenhauses in Bietigheim. Der Mediziner wollte wissen, wie er am besten mit seinem Etat umgehen konnte, der andere hatte für seine Consultingtochter erst vor kurzem ein neues Geschäftsfeld aufgemacht: Mit den Augen eines Autobauers wurden Krankenhäuser untersucht. Erste Erfahrungen sammelte das Unternehmen an der Uni-Klinik in Freiburg, dann ging es nach Bietigheim, dem Wohnort von Wendelin Wiedeking.

Personal für die Dokumentation

„Die Firma Porsche Consulting brachte die Erfahrung aus der Autoindustrie ein, das konnte uns nur helfen, die Prozesse zu verschlanken und die Schwachstellen zu erkennen“, sagt Thorsten Hauptvogel, zuständig für das Qualitätsmanagement der Kliniken-Gesellschaft. So stellte sich heraus, dass die Dokumentation der Krankendaten auch ganz anders organisiert werden kann.

Bis zum damaligen Zeitpunkt war dafür ausschließlich das Pflegepersonal zuständig. Nach dem Consulting wurde Personal eingestellt. Das hatte zur Folge, dass das Pflegepersonal mehr Zeit für die Patienten hatte, ebenso die Ärzte.

Auch das Belegungsmanagement wurde damals nicht einheitlich organisiert. Wie viele Patienten auf die Stationen kamen, war nur selten damit koordiniert, wie viele Patienten tatsächlich auf der Station lagen und wie viele entlassen wurden. „Die einzelnen Bereiche wurden in unterschiedlichen Medien dokumentiert. Anschließend gab es einen einheitlichen Kalender, in dem alle Daten aufgeführt waren und nach dem gehandelt werden konnte. Das System läuft heute noch“, so Qualitätsmanager Hauptvogel.

Der Prozess, der vor zehn Jahren angestoßen wurde, halte noch immer an. Alte Vorgehensweisen würden überprüft und dabei stelle sich regelmäßig ein Aha-Effekt ein. „Noch immer gibt es die Begründung: Das haben wir schon immer so gemacht. Es ist unsere Aufgabe, die eingefahrenen Arbeitsweisen zu erkennen und auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen“, so Hauptvogel.

Inzwischen gebe es standardisierte Verfahren. Darin sei geregelt, was, wann und von wem gemacht werde. Auf diese Weise könne vermieden werden, dass es doppelte Untersuchungen und Kosten gebe, das spare Geld. Und auch die Behandlungszeit der Patienten würde sich verringern. So würden alle von den Veränderungen profitieren. Inzwischen gibt es für die Patienten feste Sprechzeiten, nach denen sich auch die Ärzte richten müssen. Und die Visite finde in der Regel stets zum gleichen Zeitpunkt statt, darauf könnten sich die Kunden der Krankenhausgesellschaft einrichten.

Eine weitere Erkenntnis: Die Mitarbeiter müssen in die Planungen einbezogen werden. Hauptvogel: „Das haben wir von den Porscheleuten gelernt, und das beherzigen wir bis heute. Es ist besser, kleine Schritte zu gehen, als große Veränderungen zu machen, bei welchen am Ende keine dabei ist.“