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B10-Ausbau: Hoffen auf coronabedingtes Aus

Grüne kritisieren die Pläne zur Umgehung Enzweihingen und den vierspurigen Ausbau, sehen aber keine Lösung und fordern überregionalen Blick auf Verkehrsprobleme

Die Grünen Markus Rösler (links) und Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz beim Termin an der B 10. Foto: Alfred Drossel
Die Grünen Markus Rösler (links) und Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz beim Termin an der B 10. Foto: Alfred Drossel

Markgröningen/Vaihingen. Der Ort, um über die Probleme von Verkehr und Lärm zu sprechen, hätte kaum besser passen können. Unablässig rauschen die Lastwagen über die Pulverdinger Kreuzung, immer mal wieder hupt jemand, weil es an der Ampel stockt oder die aus Markgröningen oder Hochdorf Kommenden lange nicht auf die B10 einbiegen können. Irgendwann soll die Situation besser werden, wenn die Bundesstraße von der A81-Anschlussstelle Zuffenhausen bis hinter Enzweihingen vierspurig ausgebaut ist, samt Umgehung des Vaihinger Teilorts. Doch ist das wirklich die bessere Lösung? Darum ging es bei einem Termin des Fraktionschefs der Landtagsgrünen, Andreas Schwarz, mit dem Wahlkreisabgeordneten Markus Rösler.

Und dabei wurde schnell klar, dass zwar auch die Mehrheit der anwesenden Grünen von Korntal-Münchingen bis Vaihingen gegen den B10-Ausbau ist. Denn der würde beste Ackerfläche zerstören, inklusive der Ausgleichsflächen sei man bei 100 Hektar, so Rösler, der da ebenso den Kreisbauernverband hinter sich wisse. Und auch Schwarz äußerte Zweifel, „ob das hier gut und richtig geplant ist“. Es sei zwar verständlich, dass man mit der Umgehung im Norden von Enzweihingen den Verkehr raus aus dem Ort haben möchte. Doch mit einem B10-Ausbau laufe man Gefahr, zusätzlich zu der ohnehin „schon sehr starken Belastung“ von täglich 20000 Fahrzeugen noch mehr anzuziehen.

Und mehr Verkehr habe Markgröningen schon jetzt, wenn es auf der A81 und in der Folge auf der B10 Stau gebe, sagte GAL-Stadtrat Arndt Zwicker. Es gebe also durchaus auch Argumente für den Ausbau, zumal der Druck aus der Bevölkerung sehr groß sei – ebenso wie in Enzweihingen – pro Umgehung, ergänzte der Vaihinger Stadtrat Wilfried Breit. „Wir brauchen eine Lösung, die für alle verträglich ist. Aber ich habe keine“, so Zwicker.

Auch Schwarz forderte den überregionalen Blick und setzt auf Autobahnen, die den Verkehr aufnehmen könnten – und darauf, dass der Bundesverkehrswegeplan, der den B10-Ausbau als „vordringlich“ einstuft, nach Corona ein anderer sein werde, angesichts der Schulden, aber auch wegen der Kosten für Aus- oder Neubau des Glemstalviadukts. „Das macht es hoffentlich zu teuer“, so Elisabeth Simpfendörfer-Paul aus Schwieberdingen.

Stattdessen, da waren sich alle einig, sollten die Bundesmittel vielmehr in den Ausbau der Schiene fließen. Das habe nicht nur mit Klimaschutz zu tun, sondern bringe die Menschen auch schneller an ihr Ziel. Beispiele seien die Verlängerung der S5 bis Mühlacker, vor allem aber die Stadtbahn von Ludwigsburg nach Markgröningen und gar bis Schwieberdingen. Das klare Bekenntnis der betroffenen Bürgermeister und des Landrats sei deshalb wichtig, so Rösler. Ebenso, dass nach Angaben des Chefs von Bosch in Schwieberdingen unter den Beschäftigten nicht der B10-Ausbau diskutiert werde, sondern die Stadtbahn, weil viele gar kein Auto haben. Doch bis diese kommt, dauere es Jahre.

Lösungen müssten aber jetzt her, auch mit Blick auf den Verkehr durch Enzweihingen. Hier brauche es ein Tempolimit, um die Lärmbelastung zu reduzieren, forderte Breit, doch da tue sich nichts. Auch Gerhard Joos von der Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal zeigte sich etwas resigniert, denn beim Erörterungstermin des Regierungspräsidiums, den es wie berichtet im Juli gab, sei es um Lärm und die Geräusche vor allem beim maximal zulässigen Überfahren von Brücken und den Schnittstellen nicht wirklich gegangen. Man könne ja langsamer fahren, sei da nur die Reaktion auf eine Tempolimitforderung gewesen.

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