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B27-Sperrung in Besigheim sorgt für lange Staus und genervte Autofahrer

Bereits seit Juli wird die B 27 in Besigheim saniert. Gerade zu Beginn der Arbeiten hatte das größere Verkehrsprobleme zur Folge. Archivfoto: Alfred Drossel/LKZ
Bereits seit Juli wird die B 27 in Besigheim saniert. Gerade zu Beginn der Arbeiten hatte das größere Verkehrsprobleme zur Folge. Archivfoto: Alfred Drossel/LKZ
Auto an Auto: die Hofener Straße in Erligheim.
Auto an Auto: die Hofener Straße in Erligheim.
Geduldsprobe für die Autofahrer im nördlichen Landkreis: Seit Donnerstag sind in Besigheim die Brücken über die Enz und den Neckar gesperrt, der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Das führt auf den Ausweichstrecken vor allem im Berufsverkehr zu langen Staus – und zu Frust bei den Autofahrern. Das Regierungspräsidium glaubt, dass sich die Lage bald entspannen wird.

Nördlicher Landkreis. Donnerstagabend, 17.30 Uhr im Berufsverkehr und der Versuch, von Besigheim nach Gemmrigheim zu fahren. Normalerweise eine Sache von wenigen Minuten und ein paar Kilometern, doch nicht in diesen Tagen: Da die B27-Enzbrücke und die Neckarbrücke in Besigheim gesperrt sind, bleibt der Weg über die offizielle Umleitung, die über Löchgau, Erligheim und Kirchheim führt. Man ahnt, dass es sehr voll sein wird, und das bestätigt sich schnell: Auf den Straßen im nördlichen Landkreis geht es streckenweise nur noch im Schritttempo voran. Vor allem die Landesstraße 1107 ist überlastet. In Löchgau staut sich der Verkehr schon rund um die Wette, bis nach Erligheim geht es dann nur noch sehr langsam. Vor Kirchheim auf der B27 das gleiche Bild: Lange vor dem Ortseingang staut es sich erneut, Auto an Auto steht bis zur Neckarbrücke Richtung Gemmrigheim. Erst dann entzerrt es sich etwas. Auch aus Richtung Autobahn stockt es immer wieder. Viele Autofahrer sind gefrustet, suchen sich Schleichwege. Nach 45 Minuten und 14 Kilometern ist das Ziel erreicht.

Umleitung führt über Löchgau, Erligheim, Hofen und Kirchheim

In den sozialen Medien berichten Autofahrer von ähnlichen Erlebnissen. Von Sachsenheim bis Ottmarsheim habe er 40 Minuten gebraucht, schildert ein Mann. Von Erligheim bis Bietigheim sei er eine halbe Stunde unterwegs gewesen, schreibt ein anderer. Die B27 führe derzeit durch Hofen, lautet ein weiterer Kommentar. Denn auch der kleine Bönnigheimer Teilort ist offizielle Umleitungsstrecke, selten ist hier so viel Verkehr unterwegs. Andere Autofahrer fahren abseits der offiziellen Umleitung über Kleiningersheim und Hessigheim, doch auch hier geht es mitunter nicht wirklich flüssig voran.

Autofahrer halten sich nicht an die Vollsperrung

Hintergrund für das Chaos sind zwei Baustellen in Besigheim: Seit Donnerstag lässt hier das Regierungspräsidium Stuttgart die B27-Ortsdurchfahrt sanieren und damit ist auch die Neckarbrücke für den Verkehr gesperrt. Somit entfällt diese als Ausweichroute für die seit dieser Woche ebenfalls gesperrte Enzbrücke, über die die B27 nach Walheim verläuft. Doch nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich zunächst an die Sperrung. Immer wieder fahren Autos über die Neckarbrücke, die eigentlich nur für Busse frei ist. Auch Lastwagenfahrer versuchen ihr Glück, um festzustellen, dass sie nicht weiterkommen und in der Baustelle wenden müssen. Mehrmals am Tag ist deshalb auch die Polizei vor Ort, um den Verkehr zu regeln. Immer wieder gibt es Beschwerden, dass die Vollsperrung nicht beachtet wird. Das Regierungspräsidium sagt dazu auf Nachfrage unserer Zeitung: „Bezüglich des unzulässigen Schleichverkehrs sind wir in Kontakt mit dem zuständigen Ordnungsamt, das bereits vor Ort Kontrollen durchführt.“

Löchgaus Bürgermeister Robert Feil hat ebenfalls bereits am Donnerstagabend wahrgenommen, dass durch die Umleitung noch etwas auf den Ort zurollen wird. „Im Kreuzungsbereich an der Wette habe ich es gemerkt. Die Umleitung wird sich gehörig auf uns auswirken“, meint er. Denn schon seither sei die Landesstraße 1107 (Bietigheimer Straße) sehr stark durch den Verkehr belastet. Die Umleitung könnte zum einen für den Knotenpunkt an der Wette eine Herausforderung werden und dann vor allem für den Kreisverkehr in Richtung Bietigheim-Bissingen. „Aber es wird sich zeigen, das ist nur eine Einschätzung“, betont der Bürgermeister.

Bürger in Erligheim fordern Ampel

Der stellvertretende Schultes von Erligheim, Joachim Obert, berichtet, dass der Umleitungsverkehr so stark im Ort ist, dass in der Bürgerfragestunde vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend sogleich der Wunsch an die Verwaltung nach einer Ampel herangetragen worden ist, um aus den Nebenstraßen auf die Landesstraße einfahren zu können. „Man merkt die Umleitung kolossal. Es ist eine durchgehende Schlange im Ort“, resümiert Obert über das Verkehrsaufkommen.

In Kirchheim kommt laut Bürgermeister Uwe Seibold noch hinzu, dass die Kreisstraße Richtung Hohenstein saniert wird. Diese Arbeiten sind ebenfalls am Donnerstag gestartet. „Es ist gigantisch, der Ausweichverkehr geht über alle Wege. Die Frage ist, ob das anders zu erwarten war“, meint er. Der Donnerstag sei in Kirchheim mit Blick auf den Verkehr ein spannender Tag gewesen. „Es ging wohl nirgendwo mehr richtig etwas“, sagt Seibold. Er hofft, dass sich der Verkehr wieder einpendelt und mit den gestarteten Sommerferien auch weniger auf den Straßen los ist.

Sperrung dauert voraussichtlich bis 5. August

Und was sagt das Regierungspräsidium zu dem Verkehrschaos? „Erfahrungsgemäß kommt es nach einer derartigen Anpassung der Verkehrsführung zu Beginn der Sperrung oft zu Beeinträchtigungen, die sich jedoch nach wenigen Tagen reduzieren. Nach Baubeginn werden bei Bedarf auch noch Anpassungen, beispielsweise an der Beschilderung oder den Lichtsignalanlagen, vorgenommen, damit sich der Verkehrsfluss verbessert.“ Die Sperrung der Neckarbrücke dauert voraussichtlich bis zum 5. August. Dann werden in Besigheim weitere Abschnitte der B27 saniert.