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Bäume unter Langzeitbeobachtung

Welches Klima halten unsere heimischen Baumarten aus? Was gäbe es als Alternativen, und wie vertragen diese sich untereinander? Das will das Land speziell für Eichen bald im Südwesten des Kreises erforschen.

Den Fokus auf Eichen richtet eine geplante Versuchsfläche in Eberdingen. Archivfoto: Ramona Theiss
Den Fokus auf Eichen richtet eine geplante Versuchsfläche in Eberdingen. Foto: Ramona Theiss

Eberdingen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in den Wäldern immer deutlicher zu spüren, die Grundwasserspiegel sinken, Quellen und kleine Waldbäche versiegen, „das Absterben von trockengeschädigten Bäumen schritt nach den schweren Schäden 2018 auch im Jahr 2019 weiter voran“, wurde deshalb auch Michael Nill, Leiter des Fachbereichs Wald beim Landratsamt, in seinem Bericht für den Eberdinger Gemeinderat am Donnerstagabend deutlich. Und: „Eine Entspannung der von Trockenstress gekennzeichneten Situation ist leider nicht in Sicht“, da würden auch regenreichere Frühjahre wenig helfen. Vielmehr setzt man deshalb auf klimaresistentere, hierzulande noch nicht vorkommende Bäume – und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA).

Die Freiburger Einrichtung will, nachdem sie schon im nicht weit entfernten Pulverdinger Holz an der B10 eine Versuchsfläche betreibt, auch eine im Eberdinger Gemeindewald errichten, wie Revierförster Steffen Frank erwähnte. Dem langfristig angelegten Projekt muss der Gemeinderat zwar noch zustimmen, doch bei der FVA ist man sehr zuversichtlich, dass es grünes Licht gibt. Erste Signale zeigten, dass die Pläne „völlig unproblematisch“ gesehen werden.

Denn nicht nur, dass in vielen Kommunen gerade im als „bereits klimatisch gestresst“ geltenden Mittleren Neckarraum die Notwendigkeit solcher Versuche gesehen werde, so die Erfahrung von Professor Ulrich Kohnle, Leiter der Abteilung Waldwachstum, gegenüber der LKZ. Eberdingen bekommt bis zu 6000 Setzlinge für die ein Hektar große Fläche auch vom Land bezahlt und muss sich nur um die Pflanzung und die Vorbereitung der ein Hektar großen Fläche kümmern.

Und die muss ohnehin freigeräumt und neu bepflanzt werden, da die dortigen Bäume dem Eschentriebsterben zum Opfer gefallen sind. Das war auch der Grund, weshalb die FVA Eberdingen in den Blick nahm, denn Kohnle kennt den Revierförster und Frank sei zu ihm gekommen, weil er wusste, dass immer wieder Versuchsflächen gesucht werden, erzählt der aus Bönnigheim stammende Wissenschaftler.

Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats werden dann im kommenden Herbst/Winter mindestens 2500 Bäumchen – die Abstände sind dabei größer als üblich – gesetzt und eingezäunt. Regelmäßig werde dann das Wachstum der hierzulande (noch) nicht heimischen Zerr- und Ungarischen Eiche sowie der nur sehr selten vorkommenden Flaumeiche kontrolliert, als Referenzen – um erkennen zu können, ob etwaige Auffälligkeiten vielleicht alle Arten betreffen – dienen ebenfalls zu pflanzende Traubeneichen. Nach vier, fünf Jahren wird der Rhythmus der Expertenbesuche von etwa halb- auf alle fünf Jahre ausgedünnt. Und das, so wie bei vielen anderen Versuchsflächen, über die nächsten 50 bis 100 Jahre.

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