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Bagger erst gemietet, dann verkauft

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Mit einer skurrilen Geschäftsidee hat ein Ehepaar – er 35 und ohne Beruf, sie 56 und ehemalige Prostituierte – versucht, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Beide haben teure Gartengeräte anderer Besitzer einfach weiterverkauft.

Kreis Ludwigsburg. Der Staatsanwalt am Amtsgericht Ludwigsburg brauchte eine Weile, um alle Anklagepunkte zu verlesen, die dem 35-jährigen Mann in dem aktuellen Prozess vorgeworfen werden. Denn als die Ersparnisse der Frau aufgebraucht waren, musste sich das Paar eine neue Einkommensquelle erschließen – und stöberte dazu im Internet Firmen und Privatpersonen auf, die tageweise hochwertige Gartengeräte zu vermieten hatten, darunter Aufsitzrasenmäher, Mulcher, Bodenfräsen, Minibagger und Anhänger. Die Geräte wurden gemietet – und meist noch am gleichen Tag deutlich unter Wert weiterverkauft.

Wie zum Beispiel ein Aufsitzrasenmäher (Neupreis: knapp 8000 Euro), der für 5000 Euro in andere Hände kam. In Vaihingen war es ein Rasenmäher im Wert von 6500 Euro; ein rund 20000 Euro teurer Minibagger aus Hemmingen ging für 5500 Euro nach Nersingen, ein anderer Minibagger, in Steinheim gemietet, wurde für 3500 Euro verscherbelt. Eine in Castrop-Rauxel gemietete Bodenfräse samt Anhänger tauchte in Steinheim wieder auf. In Freiberg mietete das Paar gleich zwei Bagger und verkaufte sie weiter. Wurden die über E-Bay-Kleinanzeigen gefundenen Käufer misstrauisch und fragten nach Papieren, bekamen sie immer die gleiche Geschichte aufgetischt: Der Rasenmäher/Bagger/Mulcher/Anhänger gehöre einem dementen Onkel, dessen Haushalt aufgelöst werde; Papiere oder Unterlagen seien deshalb gerade nicht greifbar.

Die Geschichte flog auf, als ein Betrogener dem Paar eine Falle stellte: Über einen Strohmann ließ er einen Bagger suchen, und als die Frau angebissen hatte und tatsächlich einen Bagger an den Lockvogel verkaufen wollte, schlug die Polizei zu und verhaftete die 56-Jährige. Sie ist inzwischen verurteilt worden und sitzt im Gefängnis; der Polizei hatte sie gesagt, die Idee, Mietsachen weiterzuverkaufen, stamme von ihrem Mann, der nicht gewollt habe, dass sie weiterhin als Prostituierte arbeite.

Verurteilte Ehefrau schweigt

Das Ehepaar lebt inzwischen in Scheidung. Vor dem Amtsgericht Ludwigsburg, wo die Frau in Handschellen als Zeugin vorgeführt wurde, machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch: Sie werde nichts sagen. Aber ob sie vielleicht ihrem Noch-Ehemann eine Frage stellen dürfe? „Nein!“, beschied die Richterin. So war ihr Auftritt in zwei Minuten beendet und ließ die Frage offen, wer denn nun eigentlich die treibende Kraft hinter den Verkäufen war.

Eindeutiger scheint das im Fall der Urkundenfälschungen zu sein. Zweimal hatte der Angeklagte Überweisungen von einem Konto, das nicht seines war, bei einer Fellbacher Bank eingereicht. Die Unterschrift der echten Kontoinhaberin hatte er gefälscht. Einmal 1000 und einmal 1600 Euro sollten auf das Konto des Angeklagten bei einer englischen Bank überwiesen werden. Einmal floss das Geld, bei der zweiten Überweisung war der Bank die gefälschte Unterschrift aufgefallen.

Aber wie war der Angeklagte überhaupt an die Kontodaten der ihm völlig Unbekannten gekommen? Die Fellbacherin hatte ein Wohnmobil zum Kauf angeboten, der Angeklagte hatte sich dafür interessiert und von der Eigentümerin einen Kaufvertrag zugeschickt bekommen – mit ihren Kontodaten. Daraufhin war das Interesse des „Kunden“ erloschen.

Sein Mandant sei drogenabhängig und wolle so schnell wie möglich eine Therapie machen, sagte der Verteidiger des 35-Jährigen. Deshalb muss nun ein psychiatrischer Gutachter bestellt werden, damit der Prozess weitergehen kann. Der nächste Termin ist für Mitte März angesetzt.