Logo

Bahn frei frühestens in sieben Jahren

Das Landratsamt legt sich auf einen Fahrplan fest: Demnach sollen ab dem Jahr 2028 wieder Züge auf der stillgelegten Trasse zwischen Markgröningen und Ludwigsburg fahren. Das gesamte Stadtbahnnetz könnte 2032 in Betrieb genommen werden. Experten sprechen von einem ehrgeizigen, aber realistischen Ziel.

So könnte eine Stadtbahn ab dem Jahr 2032 auf der Ludwigsburger Myliusstraße unterwegs sein. Wann sie allerdings Schwieberdingen erreicht, steht noch nicht fest. Fotomontage: Werner Bischof (p)
So könnte eine Stadtbahn ab dem Jahr 2032 auf der Ludwigsburger Myliusstraße unterwegs sein. Wann sie allerdings Schwieberdingen erreicht, steht noch nicht fest. Fotomontage: Werner Bischof (p)

Kreis Ludwigsburg. Das Vorhaben hat Landrat Dietmar Allgaier von seinem Vorgänger geerbt: Endlich eine Stadtbahn durch den Kreis von Markgröningen über Möglingen und Ludwigsburg nach Pattonville verkehren zu lassen. Was auf die Idee folgte, waren Jahrzehnte der Debatten und Begutachtungen, die jetzt zu einem erfolgreichen Ende geführt werden könnten. „Wir waren mit dem Projekt noch nie so weit wie heute“, bilanzierte Allgaier am Donnerstagvormittag bei einem Pressegespräch im Landratsamt. Er unterfütterte das mit einem Papier, das seine Behörde etwas großspurig Meilensteinplan nennt.

Darin steht, dass das gesamte Stadtbahnnetz mit Ästen in die Ludwigsburger City und die Ortsteile Oßweil und Schlösslesfeld in elf Jahren in Betrieb gehen soll. Bis 2028 wollen Allgaier und sein neuer Geschäftsführer des Stadtbahn-Zweckverbandes, Frank von Meißner, die Linie zwischen Markgröningen und Ludwigsburg in einem Vorlaufbetrieb realisieren – und zwar „mit aller Kraft“ und im Konsens mit den Anliegerkommunen, wie der Landrat betonte.

Plausibilitätsprüfung bestanden

Eine Plausibilitätsprüfung scheint der Meilensteinplan bereits bestanden zu haben. Christian Höglmeier, der Prokurist der beauftragten Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG), die in und um Karlsruhe Stadtbahnen aufs Gleis setzt, nannte den Zeitplan für das Ludwigsburger System zwar „ehrgeizig, aber realistisch“. Höglmeier und sein Projektleiter Florian Czerny peilen für die rund acht Kilometer lange Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg zwar nur eine Bauzeit von anderthalb Jahren an. Allerdings würden Planungen, Genehmigungsverfahren und Ausschreibungen Jahre in Anspruch nehmen. Sie mahnten zudem an, eine Entscheidung für die Elektrifizierung der Strecke frühzeitig herbeizuführen. Die Bauzeit für die Ludwigsburger Innenstadtäste in der Niederflurversion beziffern die Experten mit vier Jahren.

Der AVG-Projektleiter Czerny verwies aber auch auf Unwägbarkeiten, die das „sehr komplexe und zeitintensive Projekt“ begleiten. Dazu gehören artenschutzrechtliche Fragen und Belange der Bürger, die beachtet werden müssten.

„Wir haben ein dickes Brett zu bohren“, sagte der Zweckverbandschef von Meißner, der am Donnerstag seinen Arbeitsvertrag unterzeichnete und sein Amt am 1. Oktober antreten wird. Den Meilensteinplan betrachtet er als „gute Grundlage“. Institutionen wie dem ökologischen Verkehrsclub VCD, die es für möglich halten, die vorhandene Bahntrasse früher wiederzubeleben, rief er zu: „Wir haben es mit einer stillgelegten Strecke zu tun, die wir grundlegend umbauen wollen. Das benötigt Zeit.“

Zugehen wollen Allgaier und von Meißner auf Skeptiker, etwa in Möglingen, die versuchen, die Stadtbahn noch zu verhindern. „Es liegt in unserem Interesse, diese Menschen mit einzubeziehen“, so von Meißner. Er sagte ihnen einen transparenten Prozess zu und zeigte sich optimistisch, einen Konsens herbeizuführen.

Allgaier, von Meißner und die AVG-Fachleute machten am Donnerstag auch deutlich, was nicht Inhalt des Meilensteinplans ist: etwa ein Ast zu Bosch nach Schwieberdingen. Allerdings wolle der Kreis hier noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen. In dem Papier fehlen zudem Anbindungen der Karlshöhe, des neuen W&W-Campus sowie des Ludwigsburger Bahnhofs von Pattonville mit Hochflurzügen. Die geplante Linie von Remseck-Aldingen nach Pattonville falle zudem in den Machtbereich der Stuttgarter Straßenbahnen AG.

Weitere Mammutaufgabe vor der Brust

Rückenwind gibt es aus dem Landesverkehrsministerium. Den Entscheidungsträgern im Kreis attestiert der Referatsleiter Michael Öhmann, „aktiv und engagiert“ voranzugehen. Um die Verkehrswende zu schaffen und dem Klimawandel zu trotzen, brauche es mutige Entscheidungen. Insbesondere bei der Markgröninger Bahn handele es sich um „eine Topstrecke“, die bei einer landesweiten Potenzialanalyse „ganz weit vorne“ gelegen habe. „Die Ausgangslage ist so gut wie nie zuvor“, sagte Öhmann und spielt darauf an, dass Bund und Land das 250 Millionen Euro teure Vorhaben mit mehr als 90 Prozent fördern könnten.

Für den Ludwigsburger Landrat wird es neben der Modernisierung der Kreiskliniken zur größten Baustelle der kommenden Jahre. Er versprach: „Wir werden alles dafür tun, das Projekt zu realisieren.“

Autor: