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Bahnhof wird jetzt untersucht

Es wird sicher noch einige Jahre dauern, bis der Kirchheimer Bahnhof barrierefrei ist. Doch mit der nun beauftragten Machbarkeitsstudie dürfte die Kommune ihren jahrelangen Forderungen ein Stück näher gekommen sein.

Das zweite Gleis am Kirchheimer Bahnhof ist über die Treppe zu erreichen. Ein barrierefreier Zugang ist nur über einen mehrere Hundert Meter langen Umweg möglich. Foto: Holm Wolschendorf
Das zweite Gleis am Kirchheimer Bahnhof ist über die Treppe zu erreichen. Ein barrierefreier Zugang ist nur über einen mehrere Hundert Meter langen Umweg möglich. Foto: Holm Wolschendorf

Kirchheim. Die Enttäuschung Ende vergangenen Jahres war groß, als klar war, dass es der Kirchheimer Bahnhof nicht ins zweite Modernisierungsprogramm der Deutschen Bahn geschafft hat. Wie mehrfach berichtet, werden die darin aufgenommenen Stationen im Zuge von Erneuerungen und Modernisierungen barrierefrei ausgebaut. Ausgewählt wurden die Bahnhöfe, die aus Sicht der Deutschen Bahn einen vordringlichen Bedarf haben. Und das trifft demnach im nördlichen Landkreis nur auf Walheim zu; Kirchheim und auch Besigheim blieben außen vor – obwohl Kirchheim, bedingt durch seine Lage an der Landkreisgrenze, ein hohes Pendleraufkommen hat.

„Aber sei’s drum“, sagte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold nun im Gemeinderat. Denn es gibt eine neue Möglichkeit, mit der die Kommune hofft, Abhilfe schaffen zu können: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur plant ein Programm zur „beschleunigten Herstellung der Barrierefreiheit kleiner Schienenverkehrsstationen“ mit 1000 bis 4000 Reisenden pro Tag. Die Kommune wurde auf Grundlage der fachlichen Empfehlung der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und mit Unterstützung der hiesigen Landtagsabgeordneten für die Aufnahme ins Programm angemeldet. Wird Kirchheim aufgenommen, winkt eine Förderung von 90 Prozent beim Umbau.

Notwendig ist dafür allerdings zunächst eine Machbarkeitsstudie der DB Engineering & Consulting GmbH – also des internationalen Ingenieur- und Beratungsunternehmens der Deutschen Bahn. Inklusive Mehrwertsteuer muss die Kommune für die Beauftragung um die 40000 Euro zahlen. Im Gegenzug würden Ingenieure der DB den Kirchheimer Bahnhof genau unter die Lupe nehmen. Wobei eines schon klar ist: „Eine durchgängige barrierefreie Zugänglichkeit ist derzeit nicht gewährleistet“, steht im Angebot zur Machbarkeitsstudie. In Kirchheim gibt es zwei Gleise, das eine ist nur über eine steile Treppe beziehungsweise ohne Treppe nur über einen mehrere Hundert Meter langen Umweg zu erreichen. Die Fachleute wollen nun prüfen, ob eine Rampe oder ein Aufzug sinnvoll wäre. Zudem sollte die Bahnsteighöhe angepasst werden. Auch ein Blindenleitsystem auf dem Gelände wäre möglich. Hier hatte sich die DB Engineering & Consulting GmbH im Vorfeld mit Alexander Lang abgestimmt; dieser berät die Gemeinde seit einiger Zeit bei Barrierefreiheit im öffentlichen Raum (wir berichteten).

„Die Planung würde in den nächsten Monaten erstellt“, sagte Seibold, als es im Gemeinderat darum ging, ob das Gremium die Machbarkeitsstudie in Auftrag geben sollte. Für die Kommune selbst wäre die Studie auch mit Blick auf die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes und die Überlegungen zum daneben liegenden Cronimet-Areal sinnvoll. Gemeinderätin Sabine Reiffert (WKG) hatte allerdings ihre Zweifel: „Warum sollen wir Geld in die Machbarkeitsstudie investieren, die vielleicht nie zur Umsetzung kommt?“. Schließlich sei die Bahn bislang ja nicht bereit, die Haltestelle barrierefrei zu machen. Der Bürgermeister verwies in seiner Antwort zum einen auf die mögliche hohe Förderung, mit der man in Zusammenarbeit mit der Bahn das Vorhaben dann umsetzen könnte. Zum anderen dürfte ein barrierefreier Ausbau durch die kommunale Initiative deutlich schneller gehen, als wenn Kirchheim zehn bis 15 Jahre auf das nächste Modernisierungsprogramm wartet – und hoffen muss, diesmal endlich aufgenommen zu werden.

Sollte die Gemeinde ins Bundesprogramm zur beschleunigten Herstellung von barrierefreien Bahnhöfen aufgenommen werden, dürften bis zur kompletten Umgestaltung des Bahnhofsareals schon noch drei bis fünf Jahre vergehen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.

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