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Beitrag zur Vermessung des Orients

Die Sammlerin Monika Höhne (links), der Vorsitzende des Tobias-Mayer-Vereins Armin Hüttermann und Jutta Müller vom Dithmarscher Landesmuseum freuen sich, dass in Marbach nun auch der Oktant zu sehen ist (rechts), den Carsten Niebuhr auf der Reise nut
Die Sammlerin Monika Höhne (links), der Vorsitzende des Tobias-Mayer-Vereins Armin Hüttermann und Jutta Müller vom Dithmarscher Landesmuseum freuen sich, dass in Marbach nun auch der Oktant zu sehen ist (rechts), den Carsten Niebuhr auf der Reise nut
Carsten Niebuhr.
Carsten Niebuhr.
Ansicht der Stadt Raschid (Rosette) im Nildelta von Expeditionsteilnehmer Georg Wilhelm Baurenfeind.
Ansicht der Stadt Raschid (Rosette) im Nildelta von Expeditionsteilnehmer Georg Wilhelm Baurenfeind.
Während in Europa der Siebenjährige Krieg tobte, brach Carsten Niebuhr mit einer Expedition im Auftrag des dänischen Königs nach Arabien auf. Seine Vermessungen und Dokumentationen waren Grundlage für weitere Forschung und sogar für den Bau des Suezkanals. Auf die Reise vorbereitet hatte ihn der aus Marbach stammende Tobias Mayer.

Marbach. „Mit der Ausstellung hat sich ein langjähriger Traum erfüllt“, sagte der Vorsitzende des Tobias-Mayer-Vereins, Armin Hüttermann, als er am Freitag vor der offiziellen Eröffnung von „Niebuhr. Mayers Schüler reist durch den Orient“ die Presse durch die Museumsräume führte. Besonders macht die neue Sonderausstellung, dass neben eigenen Exponaten auch Leihgaben der privaten Sammlung M & K Höhne in Cuxhaven sowie des Dithmarscher Landesmuseums in Meldorf zu sehen sind. Beide Orte waren wichtige Stationen im Leben von Carsten Niebuhr.

Die bedeutendste Zeit in diesem mit 82 Jahren für damalige Verhältnisse langen Leben dürften die knapp sieben Jahre gewesen sein, die Carsten Niebuhr als Vermesser im Auftrag des dänischen Königs FriedrichV. auf einer Expedition durch Arabien verbrachte. Anfang 1761 brach er mit fünf weiteren Teilnehmern auf einem Kriegsschiff in Kopenhagen auf. Nur Niebuhr sollte überleben, die anderen starben unterwegs an Malaria. Weil es der Wind so wollte, führte die Route zunächst dicht an Island vorbei, dann ging es nach Süden und durchs Mittelmeer bis nach Konstantinopel. Dort legten die Reisenden morgenländische Kleidung an und ließen sich Bärte wachsen, um sich anzupassen.

Als die Expedition in Ägypten Station machte, vermaß Carsten Niebuhr die Cheopspyramide mit einem Astrolabium und lag dabei nur 66 Zentimeter daneben. Vom Jemen fertigte er eine Karte, die noch im 19.Jahrhundert sehr geschätzt wurde. Auch das Rote Meer kartographierte er und lieferte damit eine erste Grundlage für Ideen zum Suezkanal, der sonst wohl erst später entstanden wäre. Er dokumentierte Inschriften der Nabatäer und die Keilschrift in der altpersischen Stadt Persepolis und schuf so Grundlagen für deren Entzifferung. Auch heilige Stätten des Islam wie Mekka standen auf dem Reiseplan, wovon detailreiche Zeichnungen zeugen.

„Das war eine der bedeutendsten Reisen für die Wissenschaft in der Zeit der Aufklärung“, sagte die Leiterin des Dithmarscher Landesmuseums, Jutta Müller. Daher war es für sie eine Sensation, als bei einem Treffen von Niebuhr-Nachfahren das Original der königlichen Expeditionsinstruktion wieder auftauchte, das lange als verschollen galt. Dass der Forscher nun in Marbach Aufmerksamkeit erfährt, freut auch die Sammlerin Monika Höhne. Denn als sie vor 30 Jahren nach Cuxhaven zog, habe es zu diesem bedeutendsten Menschen der Stadt nichts zu sehen gegeben.

Auf die Reise vorbereitet hatte Niebuhr der in Marbach geborene Wissenschaftler Tobias Mayer, der damals an der Universität Göttingen lehrte. Auch wenn Mayer die Rückkehr seines Schülers aus dem Orient nicht mehr erlebte, konnte dieser etwas zurückgeben. Mit seinen exakten Vermessungen zeigte er, dass Mayers Monddistanzen-Methode zur Bestimmung der geografischen Länge funktionierte – was diesem posthum den begehrten Preis des British Board of Longitude einbrachte. Die Sonderausstellung mit den Schwerpunkten Instrumente, Karten und Reisebilder gibt einen Einblick in dieses Wechselwirken und die Ergebnisse der Expedition. Die Exponate wurden in die Dauerausstellung integriert und sind noch bis 22. Dezember in Marbach zu sehen.

INFO: Das Tobias-Mayer-Museum ist donnerstags, samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Diesen Sonntag, 25. Juli, kann dabei auch erstmals wieder das Café im Museumskeller besucht werden. Um 15 Uhr gibt es eine Führung zur Niebuhr-Ausstellung.